Neo-Broker wie Trade Republic oder Scalable boomen — auf diese fünf Dinge solltet ihr beim Anlegen per App achten

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Im Gegensatz zu alteingesessenen traditionellen Banken haben Neo-Broker nicht nur das bessere Marketing – sie bieten ihren Kunden und Kundinnen genau das, was andere lange versäumt haben: niedrige Gebühren, eine unkomplizierte Abwicklung per Mobile-App und ein modernes Angebot. Während andere Banken ihren Kunden die Hoheit über die eigenen Finanzen oft nicht zugetraut haben, vertrauen Neo-Broker auf die Eigenständigkeit der Nutzer und Nutzerinnen. Mit nur wenigen Klicks ist ein ETF-Sparplan aufgesetzt oder eine Aktie gekauft. Wer möchte, kann genauso einfach in risikoreiche Derivate investieren. Was sich nach einer Demokratisierung des Finanzsystems und einer Emanzipation der AnlegerInnen anhört, hat aber auch seine Schattenseiten. Achtet also bei der Wahl eures Brokers auf folgende Punkte.

1. Wer hat das Angebot, das zu euch passt?

Bei der Wahl eures Brokers ist es ähnlich, wie bei der Wahl eures Supermarkts: Es gibt ein unterschiedliches Angebot zu unterschiedlichen Preisen. Bevor ihr euren Broker wählt, müsst ihr also auch wissen, wie ihr überhaupt investieren wollt: eher passiv in ETFs oder eher aktiv in Einzelaktien? Vielleicht wollt ihr sogar in Kryptowährungen investieren oder euer Glück mit risikoreichen Derivaten probieren. Entsprechend eures Anlageverhaltens und eurer Strategie wählt ihr dann den Broker, der zu euch passt.

Informiert euch also über das Angebot und die dazugehörigen Gebühren. Handelt ihr beispielsweise regelmäßig mit Einzelaktien, bieten sich hier Flatrate-Angebot an, bei denen ihr eine fixe Summe pro Monat zahlt. Interessiert ihr euch für ETFs und wollt hier nicht nur in die klassischen MSCI Worlds investieren, sollte das Angebot an ETFs entsprechend breit sein.

2. Welchen Service braucht ihr?

Als Nächstes steht der Service im Vordergrund: Was braucht ihr und worauf könnt ihr verzichten? Neo-Broker sind oft so günstig, weil sie keine oder nur wenige Zusatzleistungen anbieten. Ein Service kann zum Beispiel sein, dass ihr euren ETF-Sparplan dynamisiert anlegen könnt. Das bedeutet, dass ihr beispielsweise jährlich eure Sparrate um einen bestimmten Prozentsatz steigert. Entweder passt ihr diesen an die Inflationsrate an oder setzt euch zum Ziel, jedes Jahr zehn Prozent mehr zu investieren.

Eine weitere Serviceleistung kann das automatische Reinvestieren der Dividenden eines ausschüttenden ETFs sein. Manchmal habt ihr bei speziellen Branchen- oder Themen-ETFs keine Wahl zwischen einem ausschüttenden und einem thesaurierenden ETF. Indem der Broker die Ausschüttungen für euch wieder reinvestiert, spart ihr euch Zeit, Geld und profitiert vom Zinseszinseffekt.

Diese Liste kann man noch lange weiterführen. Macht euch also damit vertraut, was ihr wollt, was ihr braucht und welcher Broker für eure Anlagestrategie am besten geeignet ist.

3. Wie hoch ist der Spread?

Aktiendepot zum Nulltarif, Aktien- und ETF-Handel für einen Euro und dazu das größte Angebot an ETFs – wie können sich Neo-Broker überhaupt finanzieren, wenn sie kein Geld von ihren Kunden und Kundinnen einnehmen? Das Geschäftssystem ist auf Rückvergütungen oder sogenannten „Payment for Order Flow“-Provisionen aufgebaut. Das bedeutet: Für jede Order, die ein Neo-Broker an einen bestimmten Handelsplatz vermittelt, bekommt dieser eine Provision. Dazu arbeiten die Broker mit festen Partnern zusammen.

Üblicherweise könnt ihr euch bei großen Broker euren Handelsplatz selbst aussuchen und bekommt immer den Kauf- und Verkaufskurs angezeigt. Dies ist auch als Geld-Briefspanne bekannt oder Spread. Der Kaufkurs ist immer etwas größer als der Verkaufskurs. Diese Differenz stellt die Gebühren dar, die Anleger und Anlegerinnen an die Handelsplätze zahlen.

Falls du mit sehr hohen Summen handeln möchtest, ist der Spread sicherlich ein wichtiges Thema. Bei einem geringen Aktienhandel mit überschaubaren Summen sind die oben genannten Punkte sicherlich wichtiger.

Übrigens: Die BaFin möchte Ende diesen/Anfang nächsten Jahres genau diese Geschäftspraktiken genauer unter die Lupe nehmen. Sogar von einem Verbot ist die Rede.

4. Die Mindesteinlage

Vielleicht habt ihr nicht besonders viel Kapital oder wollt nicht direkt mehrere 1000 Euro in einzelne Aktien investieren. Als ich mit meinen ersten Einzelaktien anfing, hieß es noch oft: Unter 500 bis 1000 Euro lohnt es sich nicht, eine Einzelaktie zu kaufen, da hier die Gebühren verhältnismäßig zu hoch sind.

Glücklicherweise habe ich mich damals nicht an diese Regel gehalten und habe für gerade einmal 444 Euro insgesamt 80 Aktien des chinesischen Konzerns BYD gekauft. Aktuell habe ich mit dieser Aktie einen Gewinn von knapp 500 Prozent erwirtschaftet. Neo-Broker bieten hier Kleinanlegern und Kleinanlegerinnen einen Vorteil, da man bereits mit wenig Geld in Einzelaktien investieren kann.

Bevor ihr also gar nicht investiert, kann es auch sinnvoll sein, mit kleinen Beträgen zu starten. Einerseits gewöhnt ihr euch dann schon mal an die Börse und sammelt mit wenig Risiko erste Erfahrungen, andererseits habt ihr vielleicht auch ein gutes Händchen und der Wert eurer Einzelaktien vervielfacht sich.

5. Die Ordertypen

Je ausgefuchster eure Einzelaktienstrategie, desto wichtiger auch die Ordertypen. So könnt ihr eine Aktie beispielsweise immer zum aktuellen Handelspreis kaufen, das ist dann eine Markt-Order. Ihr könnt aber auch eine Grenze setzen, zu welchem Kurs die Aktie gekauft werden soll – und zu welchem wieder verkauft. Das lässt sich in verschiedenen Konstellationen einstellen.

Falls ihr eher eine langfristige Buy-and-Hold-Strategie verfolgt, ist dies für euch weniger relevant. Wer aber aktiv mit Einzelaktien handeln möchte, kann hiermit seine potenziellen Gewinne steigern und Verluste minimieren. Die Unterschiede im Angebot, welche Ordertypen möglich sind, können teilweise sehr groß sein!

Aber auch hier gilt: Erst eine Strategie für euch finden, dann den passenden Broker wählen.

Solltet ihr nun festgestellt haben, dass euer Broker gar nicht so gut zu euch passt, wie ihr dachtet, verfallt nicht gleich in Panik: Ihr habt jederzeit die Möglichkeit euren Broker zu wechseln und könnt euer Aktiendepot einfach zu einem anderen Broker umziehen. Ein regelmäßiger Vergleich, ob ihr woanders nicht doch etwas Besseres bekommt, kann sich also lohnen. Aktuell versuchen sich Banken und Broker zu übertrumpfen und erweitern ständig ihr Angebot. Von diesem Battle der Banken profitieren am Ende des Tages vor allem wir Privatanleger und Privatanlegerinnen – und das solltet auch ihr für euch nutzen.

Margarethe Honisch ist Finanzbloggerin und Buchautorin. Auf ihrer Website Fortunalista und ihrem gleichnamigen Instagram-Account gibt sie Tipps rund um Altersvorsorge und Geldanlage. Für Business Insider schreibt sie die Kolumne „Aus Geld mehr machen“.

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