Der Dax meistert den Hexentanz

Der deutsche Leitindex schleppt sich am Donnerstag mit leichten Verlusten durch den Mittagshandel. Mangelnde Impulse beenden die Hausse. Die Zinserhöhung der britischen Zentralbank kann die Anleger nicht schocken.


Der deutsche Leitindex kam am Hexensabbat nicht vom Fleck. Zu groß war die Vorsicht der Börsianer. So schloss der Dax mit einem Minus von 0,17 Prozent. Auf Wochensicht verbuchte der Dax ein Plus von 1,7 Prozent, womit sich der Aufwärtstrend im saisonal sonst schwachen Börsenmonat September fortsetzte.

Trotz des Auslaufens verschiedener Futures und Optionen zur Mittagszeit wollten sich die von Anlegern erwarteten herbstlichen Kursturbulenzen nicht einstellen. Zu den Uhrzeiten der Verfallstermine waren Kursausschläge zwar wahrnehmbar, jedoch nicht richtungsweisend. Die zweite Frankfurter Reihe, der MDax, ging mit einem leichten Minus von 0,1 Prozent aus dem Handel. Der Technologiewerte-Index TecDax zeigte sich bei Handelsschluss unverändert. Der Leitindex der Eurozone EuroStoxx 50 verzeichnete ein Minus von 0,3 Prozent.

Der erneute Raketentest Nordkoreas führte auf Anlegerseite zu sorgenvollen Mienen. Größere Kapitalverschiebungen in die sicheren Häfen von Gold & Co. blieben dennoch aus. „Die Börsianer warten jetzt auf die Reaktionen der USA und des UN-Sicherheitsrats“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Die Androhung eines Militärschlags hätte sicherlich größere Auswirkungen auf die Börsen.“

Für zusätzliche Verunsicherung sorgten Meldungen über eine Explosion in der Londoner U-Bahn.


Lufthansa-Anleger blickten derweil mit Spannung auf die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin. Am Nachmittag lief die Frist zur Einreichung von Übernahmeangeboten aus. Air-Berlin-Sprecher Ralf Kunkel berichtete vom Eingang mehrerer Offerten, die jetzt detailliert ausgewertet würden. Namen nannte Kunkel nicht. Am Freitag bestätigte neben der Lufthansa das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht das Einreichen eines Angebots. Bis zur endgültigen Entscheidung über den Zuschlag – die am 25. September getroffen wird – müssen sich die Aktionäre noch einige Tage gedulden.

Zuletzt trieb der Bieterkampf die gebeutelten Air Berlin-Aktien in ungewohnte Höhen: Nach einem donnerstäglichen Plus von 36 Prozent legten sie zunächst um weitere 17 Prozent zu. Gegen Mittag folgte dann allerdings eine scharfe Gegenbewegung, die in ein abschließendes Minus von knapp 12 Prozent mündete.

Bei den Konjunkturdaten lohnte sich am Freitag ein Blick nach Übersee: In den USA waren die Einzelhandelsumsätze überraschend gefallen. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Umsätze um 0,2 Prozent. Führende Volkswirte hatten mit einem Zugewinn von 0,1 Prozent gerechnet. Folge der Umsatzeinbußen war ein uneinheitlicher Handelsstart an der New York Stock Exchange.


Deutsche Energiekonzerne im Abwärtssog


Der Euro profitierte vom geschwächten Dollar und bewegte sich bei Börsenschluss auf einem Niveau von 1,197 US-Dollar. Die magische 1,20-Marke blieb im Tagesverlauf unangetastet. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1963 US-Dollar fest.

An der Themse nahm unterdessen die Pfund-Rallye kein Ende: Die britische Währung war mit 1,3548 Dollar zeitweise so teuer wie zuletzt vor fast eineinhalb Jahren. Unter der resultierenden, mangelnden Konkurrenzfähigkeit britischer Warten auf dem Weltmarkt litt auch der Londoner Auswahlindex: Der FTSE manifestierte seinen Abwärtstrend und notierte bei Börsenschluss bei 1,1 Prozent im Minus.

Der kometenhafte Aufstieg der Kryptowährungen hingegen scheint seinen Zenit vorerst überschritten zu haben: Rund 24 Stunden nach dem Konkurrenten BTC China verkündete die Bitcoin-Börse ViaBTC ihr Aus zum Monatsende. Medienberichten zufolge will die Regierung in Peking den Handel mit virtuellen Währungen komplett verbieten. Vor diesem Hintergrund fiel der Bitcoin-Kurs auf ViaBTC am Freitag um etwa 14 Prozent auf 18.450 Yuan (2819 Dollar). Auf der Handelsplattform BitPoint stürzte er sogar um fast 30 Prozent auf 2767,85 Dollar ab.


Bei den Einzelwerten beklagten vor allem die deutschen Energieversorger überdurchschnittliche Verluste. Letzte Woche noch hochgelobt von Börsenexperten der Deutschen Bank, sorgte jetzt eine kritische Studie der Société Générale für einen Kursverfall: Uniper-Aktien gaben um 2 Prozent nach, Scheine von RWE um 1,1 Prozent und Eon-Anteile um 0,5 Prozent. Auch Innogy verlor 1,4 Prozent.

Der Kupferproduzent Aurubis zählt mit einem Minus von 0,9 Prozent ebenfalls zu den Verlierern des Tages. Es sei ungewiss, ob der Konzern seine starke operative Entwicklung 2018 fortsetzen könne, schrieb Analyst James Gurry und reduzierte seine Gewinnprognosen.

Goldjunge des Frankfurter Parketts war in dieser Woche das Münchner Unternehmen Siltronic. Die Papiere des Wafer-Herstellers gewannen während der letzten Woche über 10 Prozent an Wert. Siltronic-Aktionäre dürfen sich zudem erstmalig auf eine Dividendenausschüttung freuen. 40 Prozent des Konzerngewinns will das Unternehmen seinen Anteilseignern künftig zuteil werden lassen.

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