Negativpreis "Goldener Windbeutel" für Babykeks von Alete

Protest vor Alete-Firmensitz

Alete erhält den diesjährigen Negativpreis "Goldener Windbeutel" für die "dreisteste Werbelüge des Jahres". Bei einer Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation Foodwatch stimmte eine Mehrheit der über 73.000 Teilnehmer für einen zuckrigen Babykeks des Herstellers, wie die Organisation am Dienstag mitteilte. Vor dem Alete-Firmensitz protestierte Foodwatch am Vormittag gegen das Produkt - den Windbeutel wollte der Hersteller aber nicht annehmen.

Foodwatch kritisiert, dass Alete das Produkt entgegen den Empfehlungen von Medizinern schon für Säuglinge ab dem achten Monat "zum Knabbernlernen" vermarktet. Dabei seien die Babykekse mit 25 Prozent Zuckeranteil sogar zuckriger als Leibniz Butterkekse und beförderten Karies.

"Alete nutzt sein positives Image bei Eltern aus, um auf Kosten der Kleinsten Kasse zu machen ? das grenzt an Körperverletzung durch Irreführung", erklärte Sophie Unger von Foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte den Babynahrungshersteller auf, das Produkt vom Markt zu nehmen und sein Sortiment zu überarbeiten. Obwohl Ärzte und Ernährungsexperten von zugesetztem Zucker für Babys abrieten, habe Alete etwa 30 Prozent seiner Babyprodukte Zucker beigemischt.

Vor dem Firmensitz von Alete im hessischen Bad Homburg protestierten Aktivisten von Foodwatch am Dienstag mit Schildern gegen das Produkt. Die Organisation wollte Alete zudem seine "Trophäe" - einen großen goldenen Windbeutel - übergeben. Der Hersteller habe ihn aber nicht angenommen und ein Gespräch verweigert, erklärte Foodwatch.

Auf einem Aushang an der Tür habe Alete aber sein Produkt verteidigt. Alle gesetzlichen Vorgaben würden eingehalten und der Zuckergehalt sei "deutlich gekennzeichnet". "Babygerecht" bedeute zudem, dass der Keks für kleine Hände gut geeignet sei. "Das ist weder dreist noch gelogen", hieß es laut Foodwatch auf dem Aushang.

Schon nach dem Start der Windbeutel-Wahl hatte Alete reagiert und Anfang November angekündigt, seine Kekse nicht länger auf der Packung als "babygerecht" zu bezeichnen. Alete versicherte der Verbraucherorganisation demnach, das Etikett zu überarbeiten und die Angabe zu entfernen. Das Unternehmen kündigte laut Foodwatch zudem eine Rezepturänderung an, will den kritisierten Keks aber auch weiterhin vertreiben - mit einer Empfehlung für Säuglinge ab dem achten Lebensmonat.

Unger erklärte dazu, die EU-Verordnung über Babylebensmittel sei lückenhaft. Selbst Kekse mit einem Zuckergehalt von bis zu 34 Prozent dürften noch als empfehlenswerte Produkte für Säuglinge beworben werden. Dringend nötig seien bessere gesetzliche Vorgaben für Babylebensmittel.

Außer dem Babykeks waren für den "Goldenen Windbeutel" auch ein Protein-Drink der Firma Bauer, eine Ochsenschwanz Suppe ohne Ochsenschwanz von Continental Foods, ein Müsli von Kellogg's und ein Omega-3 Pflanzenöl von Unilever nominiert. Foodwatch vergab den Negativpreis in diesem Jahr zum siebten Mal. Die Organisation will damit auf "die systematische, ganz legale Irreführung bei Lebensmitteln" hinweisen.