Nebenklageanwalt nennt Verzögerung in NSU-Prozess unwürdig

Plädoyers im NSU-Prozess verzögern sich

Einer der Nebenklagevertreter im NSU-Prozess hat die Aufschiebung der Plädoyers wegen der geforderten Aufzeichnung als Verzögerungstaktik der Verteidigung kritisiert. "Jeder andere macht sich Notizen - die Richter machen sich Notizen, die Nebenklägeranwälte machen sich Notizen, oben auf der Tribüne sitzen Journalisten", sagte Mehmet Gürcan Daimagüler am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk. Dass aber fünf Verteidiger nicht in der Lage sein sollten, einem Vortrag zu folgen und sich Notizen zu machen, sei "nicht überzeugend".

"Hier wird doch Tag für Tag verzögert", sagte Daimagüler. Für die Hinterbliebenen sei eine weitere Aufschiebung der Plädoyers unwürdig. "Da sitzen im Saal Menschen, deren Ehemänner erschossen worden sind, deren Väter umgebracht worden sind - die sitzen dort mit pochendem Herzen, sind aufgeregt, in der Früh aufgestanden und nach München gereist, um zu hören, was die Bundesanwaltschaft zu sagen hat, und stattdessen müssen sie sich Stunde um Stunde ein kleinliches Anwaltshickhack mit anschauen."

Wegen des Streits um die von der Verteidigung geforderte Aufzeichnung des Plädoyers der Bundesanwaltschaft hatte das Gericht das Verfahren am Mittwoch auf den kommenden Dienstag vertagt. Allein die Anklage will rund 22 Stunden plädieren.