NDR: Keine Programm-Eingriffe - Kritik an Funkhaus-Chefin

HAMBURG (dpa-AFX) -Die in die Kritik geratene Direktorin des NDR-Landesfunkhauses Hamburg, Sabine Rossbach, hat nach den Ergebnissen einer NDR-internen Überprüfung keine unzulässigen Eingriffe in das Programm vorgenommen, ist ihrer Führungsrolle demnach aber nicht gerecht geworden. Für unzulässige Eingriffe in das Programm hätten sie keine Belege gefunden, teilten die mit der journalistischen Aufarbeitung von Vorwürfen gegen Rossbach beauftragten Siv Stippekohl (multimediale Kulturchefin im Landesfunkhaus Mecklenburg-Vorpommern) und Eckhardt Reimann (stellvertretender Redaktionsleiter "Hallo Niedersachsen" im Landesfunkhaus Niedersachsen) am Donnerstag in Hamburg mit.

Gleichzeitig wiesen die beiden in ihrem Bericht darauf hin, dass Rossbach innerhalb der Redaktion ihrer hohen Verantwortung als NDR-Führungskraft zur Wahrung von Compliance nicht gerecht geworden sei. "Sie hätte ihre Beziehung zu der PR-Agentur ihrer Tochter schriftlich transparent machen und sich bei der Weitergabe und Bewertung von Themenangeboten dieser Agentur zurückhalten sollen. Der Anschein einer möglichen Begünstigung hätte durch eine solche Klarheit vermieden werden können. Dieses Versäumnis hat der Glaubwürdigkeit des NDR geschadet", schreiben Stippekohl und Reimann. "Da sind Sachen nicht so gelaufen, wie wir uns das im NDR eigentlich wünschen würden für eine unabhängige und freie und glaubwürdige Berichterstattung", sagte Stippekohl.

Es gebe weder belastbare Belege dafür, dass Rossbach ihre NDR-Tätigkeit dazu genutzt habe, der PR-Agentur ihrer Tochter in unzulässiger Weise Vorteile durch Berichterstattung des Landesfunkhauses Hamburg zu verschaffen. Noch sei eine unzulässige Vergabe von Auftragsproduktionen zur Erlangung eines persönlichen Vorteils belegbar, hieß es in dem Bericht.

Stippekohl und Reimann sahen deutliche Defizite in Rossbachs Führungsverhalten. "Aus unserer Sicht fehlte es an einer offenen Diskussionskultur. Für unabhängige, freie und ausgewogene Berichterstattung sind Diskussionen über Themen und Programmgestaltung jedoch wesentlich. Im NDR Landesfunkhaus Hamburg war die journalistische Arbeit durch mangelndes Vertrauen beeinträchtigt", stellten Stippekohl und Reimann fest.

"Die interne Aufarbeitung liefert keine Belege dafür, dass systematisch ins Programm eingegriffen wurde. Das ist gut", zeigte sich NDR-Intendant Joachim Knuth erleichtert. Der Bericht zeige aber auch, dass es im Landesfunkhaus Hamburg offensichtlich einen Führungsstil gegeben habe, der nicht von Respekt, Vertrauen und wertschätzendem Umgang geprägt gewesen sei. In jeder Redaktion brauche es Offenheit und Transparenz, um gar nicht erst den Verdacht unzulässiger Eingriffe aufkommen zu lassen. "Insofern ist ein Neuanfang im Landesfunkhaus Hamburg geboten", sagte Knuth.

Der Vorsitzende des Landesrundfunkrates, Thomas Kaerst, reagierte betroffen auf den Bericht. Der Rundfunkrat werde sich auf der kommenden Sitzung mit dem Bericht befassen. "Die Aufarbeitung der aufgezeigten, eklatanten Missstände wird dabei nicht in wenigen Tagen abgeschlossen sein, sondern das Landesfunkhaus und den NDR insgesamt noch geraume Zeit beschäftigen."

Rossbach hatte bereits angekündigt, wegen des verlorengegangenen Vertrauens zwischen ihr und Teilen der Redaktion ihr Amt zum 1. April 2023 zur Verfügung zu stellen. Nach einer Freistellung wird sie den NDR nach Angaben des Senders dann endgültig zum 31. Oktober 2023 verlassen.

Bereits am Montag hatte die unabhängige Anti-Korruptionsbeauftragte des NDR Sabine Rossbach entlastet. Die Vorwürfe der vergangenen Wochen hätten sich als falsch herausgestellt, hatte der NDR mitgeteilt.

Hintergrund für die Vorwürfe gegen Rossbach war ein Bericht des Online-Mediums "Business Insider". Er warf die Frage auf, ob die Funkhausdirektorin ihren Job dafür genutzt haben könnte, Familienmitgliedern Vorteile zu verschaffen, was zum Teil auch das Programm betroffen haben könnte. Rossbach und der Sender hatten dies zurückgewiesen.

Parallel zur Prüfung der Anti-Korruptionsbeauftragten hatte NDR-Intendant Knuth eine interne journalistische Aufarbeitung bei Stippekohl und Reimann in Auftrag gegeben. Die beiden sollten prüfen, ob journalistische Standards verletzt wurden oder es eine Beeinflussung der Berichterstattung gegeben hat.