"Die Natur holt sich das zurück, was wir Menschen ihr genommen haben"

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Ein "Bergfex", wie er im Buche steht: "Meine Eltern haben uns schon als kleine Kinder mit auf die Berge und in die Natur genommen", sagt Felix Neureuther, der Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. (Bild: National Geographic)
Ein "Bergfex", wie er im Buche steht: "Meine Eltern haben uns schon als kleine Kinder mit auf die Berge und in die Natur genommen", sagt Felix Neureuther, der Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. (Bild: National Geographic)

Der Ex-Ski-Star Felix Neureuther, Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, ist nicht nur ARD-Sportexperte, sondern auch seit jeher Bergfan und Umweltschützer. Aktuell macht er sich mit der Doku "Rettung für die Alpen - Unterwegs mit Felix Neureuther" für seine Herzensangelegenheit stark.

Als Garmisch-Partenkirchener ist Felix Neureuther im Schatten der Berge, genauer gesagt: am Fuß der Zugspitze, groß geworden. Und Ehrensache, dass der Sohn der einstigen Ski-Stars Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, selbst schon ganz früh nicht nur in Bergstiefeln steckte, sondern auch im Winter auf Brettern stand, um seinen berühmten Eltern nachzueifern. Heute kann der 37-Jährige nicht nur auf eine beeindruckende Leistungssportler-Karriere mit allein 13 Siegen in Weltcup-Einzelrennen zurückblicken, sondern auch auf viele Naturerlebnisse in den Bergen. National Geographic hätte keinen besseren Protagonisten für die beeindruckende neue Naturdoku "Rettung für die Alpen - Unterwegs mit Felix Neureuther", die der Pay-Sender aktuell zeigt, finden können. Im Interview spricht Neureuther, sonst als Sportexperte in ARD- und BR-Diensten, über seinen Einsatz für die bedrohte Welt der Alpen.

teleschau: Herr Neureuther, die Nachrichten sind regelmäßig voll mit Vorfällen, in denen die Natur scheinbar verrückt spielt - auch hierzulande, etwa zuletzt bei den Überflutungen im Westen Deutschlands. Was geht Ihnen bei solchen Bildern durch den Kopf?

Felix Neureuther: Was für ein schrecklicher Weckruf! Durch die Flut wurde selbst den immer noch vorhandenen Zweiflern endlich klar, was Klimawandel bedeutet. Man hat das Gefühl, die Natur holt sich das zurück, was wir Menschen ihr genommen haben. Und das auf dramatische Art und Weise. Auch ich muss in mich gehen und mich selber hinterfragen, wo ich mich in meiner Einstellung und in meiner Handlungsweise ändern muss. Wenn so ein Ereignis überhaupt etwas Gutes haben kann, dann ist es die Hoffnung, dass auch die Politik endlich erkennt, dass nur mit einschneidenden, länderübergreifenden Maßnahmen eine Trendwende der Erderwärmung zu erreichen ist. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Kreativität der Menschheit dies auch schaffen kann.

teleschau: Umweltschutz und der Erhalt der Bergwelten liegt Ihnen offensichtlich schon lange am Herzen. Wie kam es eigentlich dazu, gab es ein Schlüsselerlebnis?

Neureuther: Meine Eltern haben uns schon als kleine Kinder mit auf die Berge und in die Natur genommen. Sie haben uns die Zusammenhänge der Bergwelt erklärt und jede Pflanze beigebracht. Dadurch entwickelt man natürlich eine starke Bindung zu unserer Umwelt. Als Skirennfahrer war ich von Klein auf auch in der Welt der Gletscher unterwegs. Mit Schrecken stelle ich heute fest, was sich in dieser relativ kurzen Zeit mit den Gletschern und Skigebieten ereignet hat. Nirgendwo wird einem die Dramatik der Erderwärmung klarer als am Rückgang der Gletscher. Den Gletscherskilauf im Sommer habe ich immer kritisiert, aber das alleine kann nicht ausreichen. Jedes Skigebiet, jede Touristendestination in den Bergen und jedes damit verbundene Wirtschaftsunternehmen muss sich hinterfragen, wie man den großen Energieverbrauch klimaneutral erreichen kann.

"Als Skirennfahrer war ich von Klein auf auch in der Welt der Gletscher unterwegs. Mit Schrecken stelle ich heute fest, was sich in dieser relativ kurzen Zeit mit den Gletschern und Skigebieten ereignet hat", so Felix Neureuther. "Nirgendwo wird einem die Dramatik der Erderwärmung klarer als am Rückgang der Gletscher." (Bild: National Geographic)
"Als Skirennfahrer war ich von Klein auf auch in der Welt der Gletscher unterwegs. Mit Schrecken stelle ich heute fest, was sich in dieser relativ kurzen Zeit mit den Gletschern und Skigebieten ereignet hat", so Felix Neureuther. "Nirgendwo wird einem die Dramatik der Erderwärmung klarer als am Rückgang der Gletscher." (Bild: National Geographic)

Was sich im Ski-Renn-Zirkus endlich ändern muss

teleschau: Der internationale Wettkampf-Skizirkus ist wohl auch keine Form von sanftem Bergtourismus ...

Felix Neureuther: Natürlich ist er das nicht. Aber auch ich musste eine Entwicklung durchlaufen, die von der reinen Rennsportbegeisterung hin zur Nachdenklichkeit führte. Ich will ja, dass auch meine Kinder noch Skifahren können und die Einzigartigkeit einer verschneiten Bergwelt erleben können. Das geht aber nur durch Umdenken, durch staatliche Anreize und durch unternehmerische Anreize bis in das kleinste Bergdorf. Ich bleibe dabei, dass es ist so wichtig ist, die Kinder und Familien in die Berge zu bekommen. Dort können sie auch lernen, wie entscheidend es für ihr eigenes Leben ist, die Natur zu schützen. Auch im Skiweltcup müssen die Anforderungen den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden. Muss man zum Beispiel für einen einzigen Slalom an den Polarkreis fliegen? Wenn wir nicht eine kritische Bestandsaufnahme schaffen und Bereitschaft für Änderungen erzeugen, dann sehe ich echte Probleme für diesen einzigartigen Sport.

teleschau: Für Ihren aktuellen Bildband, den Sie über Alpen herausbringen, und Ihre TV-Dokumentation "Rettung für die Alpen - Unterwegs mit Felix Neureuther", die der Sender National Geographic zeigt, hatten Sie die Gelegenheit, führende Experten, aber auch Praktiker, die sich für den Erhalt von Tier- und Naturwelten einsetzen, zu treffen. Welche Gespräche haben Sie am meisten beeindruckt?

Neureuther: Mich haben alle Gespräche sehr beeindruckt, und ich habe viel gelernt. Erst in der Auseinandersetzung mit diesen grandiosen Menschen habe ich gemerkt, wie unwissend ich bin. Ich durfte aber auch erfahren, welche unglaublichen Ideen und Visionen solche Fachleute entwickeln, um Lösungsvorschläge für eine nachhaltigere Zukunft zu geben. Mein großer Wunsch ist, dass wir diese Eindrücke auch den Zuschauern der Doku und den Lesern unseres Buchbandes vermitteln können.

"Lernt rechtzeitig aufzuhören und auch mal umzukehren", rät Felix Neureuther allen Bergbesuchern. (Bild: National Geographic/Sebastian Gabriel)
"Lernt rechtzeitig aufzuhören und auch mal umzukehren", rät Felix Neureuther allen Bergbesuchern. (Bild: National Geographic/Sebastian Gabriel)

"Nehmt die Bahn oder organisiert Mitfahrgelegenheiten!"

teleschau: Gerade Großstädter zieht es in den Ferien und an den Wochenende gerne in die Alpen: Wie macht man es mit der Planung eines Bergtages richtig, was sollte man unbedingt vermeiden?

Neureuther: Wer will schon im Stau stehen! Keiner! Staus entstehen eigentlich immer an gleichen Orten und zu gleicher Tageszeit. Man sollte sich also unbedingt vorab über die Verkehrslage informieren, Ausflüge verschieben oder nicht unbedingt dort den Reiz suchen, wo alle hinfahren. Auch direkt neben den Massenströmen gibt es die schönsten Wege und Abenteuer. Nehmt die Bahn oder organisiert Mitfahrgelegenheiten! Macht euch Gedanken wie man diesen Ausflug so naturschonend gestalten kann wie möglich, oder holt euch mal von Einheimischen Tipps.

teleschau: Auch als top trainerter Ex-Leistungssportler: Knieschwammerl oder Plattfüße kriegen Sie doch schon auch, oder wie kann man die für den Tag danach möglichst gut verhindern?

Neureuther: Klar spüre auch ich ein Leben als Leistungssportler, doch damit sind ja auch schönste Erlebnisse verbunden. Eigentlich ist es ganz einfach: Plant die Tour oder das Skierlebnis, wärmt euch auf, dehnt euch, und überfordert euch nicht. Die richtige Ausrüstung, egal bei welchem Sport, ist entscheidend und verhindert Verletzungen. Und etwas, was auch mir schwer fällt: Lernt rechtzeitig aufzuhören und auch mal umzukehren.

Die Dokumentation "Rettung für die Alpen - Unterwegs mit Felix Neureuther" läuft aktuell auf dem Spartensender National Geographic, der über diverse Pay-Plattformen wie zum Beispiel Sky, aber über die Angebote von Vodafone und der Telekom, zu empfangen ist. Der Bildband "Unsere Alpen - Ein einzigartiges Paradies und wie wir es erhalten können" (Felix Neureuther, Bernd Ritschel, Michael Ruhland) erscheint am 27. September im Verlag National Geographic.

"Ich will ja, dass auch meine Kinder noch Skifahren können und die Einzigartigkeit einer verschneiten Bergwelt erleben können", sagt Felix Neureuther. "Das geht aber nur durch Umdenken." (Bild: National Geographic)
"Ich will ja, dass auch meine Kinder noch Skifahren können und die Einzigartigkeit einer verschneiten Bergwelt erleben können", sagt Felix Neureuther. "Das geht aber nur durch Umdenken." (Bild: National Geographic)
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