Natalie Amiri: So reagiert die Journalistin auf die Kopftuch-Debatte

Journalistin Natalie Amiri im „ARD-Morgenmagazin“. (Bild: ARD Screenshot)

Seit Ende Dezember kommt es im Iran immer wieder zu Protesten, die sich bereits auf das gesamte Land ausgeweitet haben. Auch die „ARD“ berichtete darüber. Die Journalistin Natalie Amiri leitet in der iranischen Hauptstadt Teheran das Auslandsbüro des deutschen Senders. Dass Amiri für ihre Beiträge mit Kopftuch im Fernsehen zu sehen war, hatte viele Zuschauer empört. Nun sprach die Journalistin im „ARD-Morgenmagazin“ über die Kritik.

Warum trägt eine Deutsche bei einem „Tagesschau“-Beitrag ein Kopftuch? So die oft geäußerte Kritik gegenüber Amiri. In den sozialen Netzwerken des Senders hatte die Journalistin daraufhin ein Statement abgegeben. „Es ist keine Frage der eigenen Entscheidung“, hatte sie gegenüber der „Tagesschau“ erklärt. „Im Iran gilt das Gesetz für alle Frauen, Iranerinnen und Ausländerinnen: Wer auf iranischem Boden ist, muss ein Kopftuch tragen. Als ARD-Korrespondentin muss ich mich an diese Schleierpflicht halten“, so die Journalistin.

Gesetz ist Gesetz – doch die Diskussionen im Netz nahmen kein Ende. Deshalb entschied sich Amiri erneut, ihren Standpunkt zur Kopftuch-Debatte im „Morgenmagazin“ zu verteidigen. Wie hatte sie die Kritik der empörten Zuschauer aufgenommen? „Ich war ehrlich gesagt entsetzt, weil viele auch vorgeschlagen haben, doch mal einen Mann einzusetzen“, verriet die Reporterin und Tochter eines Iraners im Gespräch mit „Morgenmagazin“-Moderator Sven Lorig.

„Ich habe mich entschieden, im Iran zu arbeiten. Ich finde es sehr wichtig, dass wir dort eine objektive Stimme haben, es gibt nur eine Handvoll westlicher Journalisten“, lautete ihre Begründung. „Soll ich, die Persisch spricht, und die dieses Land versteht, nicht dort arbeiten und mich nicht ans Gesetz halten?“, fragte sie sichtbar aufgebracht. „Wir wollen ja auch, dass die Menschen hier unsere Gesetze in Deutschland beachten, also muss ich als Journalistin aus Deutschland auch die Gesetze dort beachten.“

Auf die Frage, ob sie wegen der vielen Kritiken verletzt sei, antwortete Amiri: „Es hat mich einfach verärgert, dass die Menschen nicht sehen: Da steht jemand, der riskiert viel und spricht über die Proteste und wir reden alle über das Kopftuch.”

Am 28. Dezember gab es in der iranischen Stadt Maschhad die ersten Proteste, die sich schnell über das ganze Land ausweiteten. Bei Zusammenstößen von Demonstranten mit Sicherheitskräften kamen bisher 21 Menschen ums Leben. Die Unruhen begannen zunächst wegen gestiegener Preise für Grundnahrungsmittel. Mittlerweile richten sich die Demonstrationen auch gegen die Regierung von Präsident Hassan Ruhani.

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