NASCAR Sonoma: Martin Truex Jr. siegt souverän

Mario Fritzsche

Martin Truex Jr. (Furniture-Row-Toyota) hat das erste Rundkurs-Rennen der Monster Energy NASCAR Cup Series 2018 gewonnen und damit seinen dritten Saisonsieg und seinen dritten Sieg auf einer Strecke mit Rechtskurven eingefahren. Beim Toyota/Save Mart 350 auf dem Sonoma Raceway setzte sich Truex Jr. am Sonntag mit perfekt aufgegangener Strategie im Verlauf der 110 Rennrunden klar gegenüber den Stewart/Haas-Piloten Kevin Harvick und Clint Bowyer durch.

Für Truex Jr. ist es der zweite Sonoma-Sieg nach 2013. Zudem hatte er in seiner Meistersaison 2017 in Watkins Glen gewonnen. In der laufenden Saison 2018 ist er nun der einzige Fahrer neben Harvick und Kyle Busch, der mindestens drei Siege eingefahren hat.

"Dieser Sieg geht voll auf das Konto von Cole", lobt Truex Jr. in seiner ersten Stellungnahme die erfolgreiche Boxenstoppstrategie von Crewchief Cole Pearn. "Ich habe einfach gehofft, dass sie aufgeht, indem es am Schluss keine Gelbphase mehr gibt. Das hat geklappt. Es ist ein wunderbarer Tag."

Fotos: Toyota/Save Mart 350 in Sonoma

Rennergebnis: Toyota/Save Mart 350 in Sonoma

Stage 1: Erster Stage-Sieg für Allmendinger

Der von der Pole-Position gestartete Lokalmatador Kyle Larson (Ganassi-Chevrolet) führte das Feld auf der kurvenreichen Berg-und-Talbahn in die erste der 110 Runden. Doch schon in der dritten Runde war Larson, der von Beginn an mit starkem Übersteuern kämpfte, die Führung los. Vorjahreschampion Martin Truex Jr. übernahm das Kommando.

Während Larson sukzessive Positionen verlor und am Ende nur 14. wurde, übernahm A.J. Allmendinger (JTG-Chevrolet) die Verfolgung von Spitzenreiter Truex Jr., wurde dann aber von Vorjahressieger Kevin Harvick überholt. Als sowohl Truex Jr. als auch Harvick kurz vor Stage-Ende ihren ersten Boxenstopp unter Grün einlegten, übernahm Allmendinger kampflos die Führung.

Das erste Rennsegment war nach 25 Runden vorüber und da hatte Allmendinger die Nase vor Brad Keselowski (Penske-Ford) und Jimmie Johnson (Hendrick-Chevrolet). Für Allmendinger, war es der erste Stage-Sieg seiner Karriere. Dieser kam auch deshalb zustande, weil Truex Jr. und Harvick mit Blick auf das gesamte Rennen taktierten und mit ihrem Boxenstopp unter Grün die Bonuspunkte bewusst wegwarfen.

Stage 2: Allmendinger überdreht - Hamlin vorn

In Reihen der Piloten, die beim Übergang von Stage 1 zu Stage 2 unter Gelb an die Box kamen, wurde Brad Keselowski am schnellsten abgefertigt. Derweil fiel A.J. Allmendinger bis auf Rang 17 zurück, was auch damit zusammenhing, dass nicht nur Martin Truex Jr. und Kevin Harvick in Stage 1 unter Grün getankt hatten. Bereits eine Runde vor diesen beiden hatten Denny Hamlin (Gibbs-Toyota), Jamie McMurray (Ganassi-Chevrolet), Joey Logano (Penske-Ford) und Kurt Busch (Stewart/Haas-Ford) ihren ersten Stopp eingelegt.

Beim Restart führte Truex Jr. vor Harvick und dessen Stewart/Haas-Teamkollegen Clint Bowyer und Kurt Busch. Wenig später war der Traum aus für Allmendinger. Der Kalifornier verschaltete sich auf Höhe Start/Ziel. Der Motor seines Chevrolet Camaro quittierte daraufhin den Dienst und der als Rundkurs-Spezialist bekannte JTG-Pilot hat damit die erste von drei großen Gelegenheiten auf einen Sieg in dieser Saison verspielt.

Allmendingers Reaktion: "Mir ist auf einem Rundkurs seit zehn Jahren kein Schaltfehler mehr passiert. Ich habe es vermasselt und mein Team im Stich gelassen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Ich hab es einfach vermasselt." Zeitgleich zu Allmendingers Motorplatzer musste McMurray mit defekter Ölpumpe an seinem Ganassi-Chevrolet die Garage aufsuchen und war ebenfalls draußen.

Beim Restart behielt Truex Jr. knapp die Oberhand gegenüber Harvick. Dahinter duellierten sich Bowyer und Kurt Busch fünf (!) Kurven lang Seite an Seite, bis sich Bowyer doch durchsetzte und damit Rang drei gegenüber seinem Teamkollegen behauptete. Neun Runden vor Stage-Ende zog Harvick an Truex Jr. vorbei und übernahm damit die Führung. Doch wie schon in Stage 1 nutzten sie die letzte Gelegenheit vor Schließung der Boxengasse zum Boxenstopp.

Weil nicht nur Harvick und Truex Jr., sondern auch Bowyer und Kurt Busch unter Grün stoppten, wurde Hamlin an die Spitze gespült. Der Gibbs-Pilot gewann Stage 2 schließlich vor Chase Elliott (Hendrick-Chevrolet) und Jimmie Johnson.

Stage 3: Strategiespiele im langen letzten Rennsegment

In der Gelbphase beim Übergag zu Stage 3 wurde diesmal Chase Elliott am schnellsten abgefertigt, während Hamlin einige Positionen verlor. Die Spitzenposition wechselte zurück an Kevin Harvick und der behauptete sich beim Restart gegenüber Martin Truex Jr., Clint Bowyer sowie den Brüdern Kurt und Kyle Busch. Derweil gab es für den Sieger des vorangegangenen Segments auch diesmal einen Rückschlag: Denny Hamlin beklagte einen Reifenschaden, war damit im Gegensatz zu A.J. Allmendinger aber noch nicht ganz aus dem Rennen.

Für alle anderen ging das Rennen jetzt erst so richtig los, denn Stage 3 war mit 60 Runden länger als die ersten beiden Segmente (jeweils 25 Runden) zusammen. Harvick, Truex Jr. und Bowyer setzten sich vom Rest des Feldes ab und bezüglich der Boxenstoppstrategie wurde nun rückwärts gerechnet. Das heißt, der letzte geplante Stopp wurde solange hinausgezögert, um es mit einer Tankfüllung bis ins Ziel zu schaffen.

38 Runden vor Schluss war Kyle Busch der erste, der den Reigen der vorletzten Stopps eröffnete. Joey Logano folgte umgehend, aber beim Service der Penske-Crew gab es Probleme. Spitzenreiter und Vorjahressieger Harvick legte kam 37 Runden vor Schluss herein. Bowyer stoppte in derselben Runde wie Harvick. Gleiches galt für Jimmie Johnson. Doch allen voran Truex Jr., Kurt Busch und Chase Elliott zogen ihren letzten Stopp hinaus.

Truex Jr. blieb bis 30 Runden vor Schluss draußen und kam als Spitzenreiter zum Boxenstopp. Elliott wählte dieselbe Runde, aber Kurt Busch blieb auf der Strecke und übernahm die Spitze. Einziger weiterer Fahrer, der seinen ersten Stopp in Stage 3 noch vor sich hatte: Erik Jones (Gibbs-Toyota). Als Busch mit noch 29 Runden auf der Uhr hereinkam, übernahm Jones die Führung. Als der Youngster eine Runde später seinerseits stoppte, hatten alle ihren letzten Reifensatz drauf und die letzte Füllung Sprit im Tank.

Harvick und Bowyer spekulieren auf späte Gelbphase

Die Reihenfolge zu Beginn der Schlussphase: Harvick vor Bowyer, während Truex Jr. auf Rang drei zurückgefallen war. Kyle Busch saß ihm im Nacken. Dahinter klaffte eine große Lücke zu Johnson. Ohne weitere Gelbphase war klar, dass nur noch die Top 4 für den ersten Rundkurs-Sieg 2018 in Frage kommen würden. Die frischsten Reifen in Reihen dieser vier Piloten hatte Truex Jr. und so war er es, der den stärksten Vorwärtsdrang zeigte. Bowyer war schnell kassiert und so machte sich der Vorjahreschampion in den letzten 20 Runden auf die Jagd nach dem Vorjahressieger.

Die deutlich frischeren Reifen gaben in diesem Duell schließlich den Ausschlag. In Kurve 11 setzte sich Truex Jr. problemlos neben Harvick, holte sich die Führung zurück und musste nun noch 19 Runden überstehen. Gegenwehr von hinten hatte der Furniture-Row-Pilot unter Grün nicht zu befürchten, denn sowohl Harvick als auch Bowyer kamen in eben dieser Runde nochmals an die Box. Die beiden Stewart/Haas-Piloten spekulierten damit auf eine späte Gelbphase. Elliott übernahm Rang zwei, lag aber mehr als 20 Sekunden hinter Truex Jr. und war somit ebenfalls keine Gefahr mehr unter Grün.

Harvick kam nach seinem späten Stopp zwar mit Riesenschritten näher und zog neun Runden vor Schluss bei der Überrundung von Justin Marks (Premium-Chevrolet) an Elliott vorbei auf Rang zwei nach vorn. Der Weg zum Führenden war aber zu weit. Eine späte Gelbphase blieb aus und Truex Jr. cruiste schließlich mit einem Vorsprung von 10,5 Sekunden zu seinem dritten Saisonsieg und dritten Rundkurs-Sieg seiner Karriere.

Nächste Station: Chicago

Bowyer fing Elliott noch ab und wurde Dritter. Für Elliott wurde es Platz vier vor Kyle Busch. Die Top 10 wurden abgerundet von Kurt Busch, Jones, Aric Almirola (Stewart/Haas-Ford), Alex Bowman (Hendrick-Chevrolet) und Denny Hamlin.

Weiter geht es am kommenden Wochenende auf dem Chicagoland Speedway, wo diesmal früher gefahren wird als in den vergangenen Jahren. Das 1,5-Meilen-Oval im Chicago-Vorort Joliet hat den Termin als Auftaktrennen der Playoffs für diese (und nächste) Saison an den Las Vegas Motor Speedway verloren.