NASCAR in Loudon: Harvick bezwingt Kyle Busch per Bump-and-Run

Mario Fritzsche
Im Duell um den jeweils sechsten NASCAR-Saisonsieg 2018 setzt sich Kevin Harvick in Loudon mit Stoßstange gegen Kyle Busch durch.

Der Aufgalopp zum Foxwoods Casino Restort 301 auf dem New Hampshire Motor Speedway in Loudon war holprig. Die ursprüngliche Startzeit wurde aufgrund eines angekündigten Gewitters eine Stunde nach vorn verlegt. Doch schon zu diesem Zeitpunkt regnete es ausgiebig. Nach drei Stunden Wartezeit, während das Ein-Meilen-Oval getrocknet wurde, konnte zwei Stunden nach der ursprünglich angesetzten Startzeit doch noch gestartet werden. Und da sich das Gewitter verzog, ging es schließlich sogar über die volle Distanz von 301 Runden.

Den Sieg holte sich schließlich Kevin Harvick (Stewart/Haas-Ford). Ihm genügten gerade mal zwölf Führungsrunden, um seinen sechsten Saisonsieg 2018 einzufahren. Das entscheidende Manöver zum Sieg trug Harvick sieben Runden vor Schluss vor, als er dem führenden Kyle Busch (Gibbs-Toyota) in Turn 1 heftig genug ins Heck fuhr, dass dieser die Linie nicht halten konnte.

"Ich wusste nicht, ob es funktionieren würde, aber ich hatte das Gefühl, dass es so meine beste Chance sein würde", so Harvicks Kommentar zum Bump-and-Run-Manöver gegen Kyle Busch. Der diesmal unterlegene hatte sich vor drei Wochen in Chicago auf die gleiche Art und Weise gegen Kyle Larson den Sieg geholt.

Seine Niederlage trägt Kyle Busch mit Fassung: "Unser Auto war das ganze Wochenende nicht sonderlich stark. Mit den richtigen Veränderungen wurde es besser und beim letzten Boxenstopp kam ich in Führung. Die Stewart/Haas-Autos waren aber sehr stark und es wäre so oder so schwierig geworden, sie hinter mir zu halten. Es ist okay."

Fotos: Foxwoods Casino Restort 301 in Loudon

Rennergebnis: Foxwoods Casino Restort 301 in Loudon

Stage 1: Vier Gelbphasen - Truex Jr. vorn

Polesitter Kurt Busch (Stewart/Haas-Ford) führte das Feld während der ersten 37 Runden an. Zwei frühe Gelbphasen für Crashs von Landon Cassill (StarCom-Chevrolet) und A.J. Allmendinger (JTG-Chevrolet) kamen der ersten geplanten Gelbphase zuvor. Dabei handelte es sich noch nicht um die Stage-Caution in Runde 75, sondern um eine Competition-Caution in Runde 35 aufgrund des vorangegangenen Regens.

Beim Boxenstopp unter Gelb entschieden sich fünf Piloten, angeführt von Martin Truex Jr. (Furniture-Row-Toyota), für nur zwei neue Reifen. Doch sieben Piloten, angeführt von Ricky Stenhouse (Roush-Ford), verzichteten auf den Stopp. Stenhouse kam so in Führung, verlor diese aber nach elf Runden an den besser bereiften Truex Jr.

Der Vorjahreschampion fuhr nach einer weiteren kurzen Gelbphase (Debris-Caution aufgrund eines Kleinteils bei Start/Ziel) souverän zum Stage-Sieg. Truex Jr. gewann Stage 1 vor zwei Hendrick-Piloten: Chase Elliott und Jimmie Johnson.

Stage 2: Erster Stage-Sieg 2018 für Elliott

Als der Rennbetrieb für das zweite Segment wieder aufgenommen wurde, gewann Martin Truex Jr. den Restart vor Chase Elliott, während sich dahinter bereits die beiden anderen Fahrer der "Big 3" dieser Saison formierten: Kyle Busch (Gibbs-Toyota) und Kevin Harvick. Kurt Busch allerdings fand recht flott einen Weg an beiden vorbei und machte sich auf die Verfolgung von Elliott sowie Spitzenreiter Truex Jr.

Im Gegensatz zu Stage 1 wurde der Rennbetrieb in Stage 2 nicht von Gelbphasen gestört. Auf dem Longrun unter Grün erwies sich überraschend der Chevrolet Camaro von Elliott als das stärkste Auto. 20 Runden vor der Stage-Flagge zwang Elliott Spitzenreiter Truex Jr. in die Knie und übernahm die Führung.

Elliott behauptete die Spitze bis zur Stage-Flagge in Runde 150 und holte sich seinen ersten Stage-Sieg der Saison 2018. Erster Verfolger bei Ende dieses zweiten Rennsegments war Kurt Busch, der Truex Jr. ebenfalls noch knackte und auf Rang drei verdrängte. Für Chevrolet war es erst der dritte Stage-Sieg in dieser Saison. Für die anderen beiden hatten Kyle Larson auf dem Kansas Speedway und A.J. Allmendinger in Sonoma gesorgt.

Stage 3: Stewart-Haas mit Dreifachführung und Mauerkontakt

Bei der Ausfahrt aus der Boxengasse nach Boxenstopp in der Gelbphase, die planmäßig Stage 3 einläutete, setzte sich Kurt Busch hauchdünn gegenüber Chase Elliott durch und holte sich so seine anfängliche Führung zurück. Diese verteidigte der Stewart/Haas-Pilot auch beim Restart und führte damit den Rennbetrieb im letzten Segment, das auf 151 Runden angesetzt war, an.

Indes geriet Elliott sofort unter Druck von gleich zwei der drei Teamkollegen von Spitzenreiter Kurt Busch: Aric Almirola und Kevin Harvick heizten dem Hendrick-Piloten ein. Almirola zog zügig vorbei, doch bei Harvick dauerte es länger. Er rieb sich zunächst rundenlang mit seinen "Big 3"-Kollegen Martin Truex Jr. und Kyle Busch auf und fiel zurück, bevor er doch beide hinter sich ließ und schließlich auch Elliott kassierte.

Weniger als 100 Runden vor Schluss lauteten die Top 3 somit Kurt Busch, Almirola und Harvick, was nichts anderes bedeutete, als dass Stewart-Haas Racing mal wieder eine Dreifachspitze verbuchte. Daran änderte sich auch nichts, als es Almirola in der 212. von 301 Runden gelang, Busch die Führung abzujagen.

79 Runden vor Schluss wurde der Reigen der ersten und letzten Boxenstopps unter Grün eingeläutet. Um die letzten Boxenstopps im Rennen handelte es sich dabei aber noch nicht. Als das gesamte Feld unter Renntempo beim Service gewesen war, wurde Harvick als Führender notiert. Er war kurz vor Almirola drin gewesen und überholte den vormaligen Spitzenreiter, als dieser nach seinem Stopp wieder auf die Strecke beschleunigte. Derweil ging Kurt Busch beim Stopp einiges an Zeit verloren, weil er von Ryan Blaney (Penske-Ford) blockiert wurde.

Im dichten Überrundungsverkehr tobte fortan ein enges Duell um die Führung zwischen Harvick und Almirola. Letztgenanntem gelang es, die Spitze zurückzuerobern, als Harvick hinter Denny Hamlin (Gibbs-Toyota) kurz lupfen musste. 45 Runden vor Schluss war es dann ausgerechnet der vierte Stewart/Haas-Pilot - Clint Bowyer - der mit einem Mauerkontakt in Turn 3 für eine späte Gelbphase sorgte. Almirola kam als Erster herein, fiel aber nicht nur hinter Harvick zurück, sondern auch hinter Kyle Busch, der dank eines schnellen Vier-Reifen-Stopps seiner Gibbs-Crew die Spitze übernahm.

Harvick mit Bump-and-Run gegen Kyle Busch

Beim Restart führte nun also Kyle Busch vor Harvick und Almirola. Dahinter lauerten Truex Jr., Kurt Busch und Elliott. Während der führende Gibbs-Pilot souverän beschleunigte, kam Almirola auf der Innenbahn der zweiten Reihe schlecht weg und wurde durchgereicht. Kyle Busch aber hatte nun Harvick im Nacken sitzen. Die beiden fünffachen Saisonsieger fochten somit in den letzten 40 Runden des Rennens ein Duell aus, das darüber entscheiden würde, welcher der beiden beim 20. Saisonrennen bereits zum sechsten Mal triumphieren wird.

Zehn Runden vor Schluss war Harvick direkt an Busch dran und es kam zur einen oder anderen leichten Berührung. Sieben Runden vor Schluss war das Anklopfen des Stewart/Haas-Piloten heftig genug, um den Gibbs-Piloten in Turn 1 auf die dreckige Spur zu schicken. Damit übernahm Harvick die Spitze und ließ anschließend nichts mehr anbrennen.

Truex Jr. verbuchte zwar 83 Führungsrunden, in der Schlussphase aber klagte der Furniture-Row-Pilot über Vibrationen und wurde schließlich "nur" Vierter hinter Almirola. Die Top 5 wurden von Elliott komplettiert. Die Top 10 wurden abgerundet von Ryan Newman (Childress-Chevrolet), Ryan Blaney, Kurt Busch, Lokalmatador Joey Logano (Penske-Ford) und Jimmie Johnson. Brad Keselowski (Penske-Ford) kämpfte mit überhitzenden Bremsen und wurde nur als 32. gewertet.

Die nächste Station im NASCAR Cup-Kalender 2018 ist am kommenden Wochenende der zweite Besuch in dieser Saison auf dem Pocono Raceway. Im Juni fuhr dort Martin Truex Jr. zum Sieg.