Warum Hamilton vor der Siegerehrung am Boden lag

Lewis Hamilton am Boden: Nach Platz zwei in der Hitzeschlacht beim Frankreich-GP legt sich der Mercedes-Pilot im Raum vor der Podiums-Zeremonie erst einmal hin.

Während Teamkollege George Russell verdutzt schaut und Sieger Max Verstappen fast über Hamilton drübersteigen muss, erklärt der Brite: „Es war ein ziemlich hartes Rennen, denn meine Trinkflasche hat nicht funktioniert.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Bei sommerlicher Hitze in der französischen Hochebene mit Streckentemperaturen von weit über 50 Grad ist der Grand Prix in Le Castellet kein Zuckerschlecken – und Grund genug für Hamilton eine Ausnahme zu machen.

Denn er verrät: „Normalerweise trinke ich sowieso nie etwas beim Rennen. Es war das erste Mal, dass ich es dieses Jahr versucht habe. Und prompt kommt nichts raus.“ (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Hamilton verliert circa drei Kilo im Rennen

Die Strapazen für die Formel-1-Piloten sind bei Hitzerennen nicht zu unterschätzen: „Wahrscheinlich verliert man (durch Schwitzen, Anm. d. Red.) circa drei Kilo bei so einem Rennen“, rechnet Hamilton vor: „Ich fühle mich ein bisschen dehydriert, deswegen freue ich mich jetzt wirklich auf den ein oder anderen Drink.“

Auch, wenn es in Le Castellet nicht zum ersten Platz reicht, lesen sich die Zahlen des Seriensiegers der letzten Jahre unglaublich: Zum 187. Mal steht Hamilton am Sonntag auf dem Podium, 103 Siege und Poles hat er auf dem Weg zu seinen sieben WM-Titeln eingefahren, also mehr als ein Drittel aller bestrittenen Rennen gewonnen.

Viel wichtiger als die vergangenen Rekorde ist für Hamilton aber der aktuelle Formcheck - und der fällt für Mercedes in Frankreich positiv aus: Erstmals in der schwierigen Saison 2022 holen die Silberpfeile ein Doppelpodium, denn Teamkollege Russell wird hinter Hamilton Dritter.

„Ich bin so stolz auf das Team, das ist ein unglaubliches Ergebnis“, schwärmt Hamilton und erklärt: „Um Rennen zu gewinnen, geht es ums Gesamtpaket und da wissen wir, dass wir noch nicht die Pace der beiden Teams vorne (Red Bull und Ferrari, Anm. d. Red.) haben. Aber die Haltbarkeit ist auch ein großer Teil des Prozesses und darauf können wir wirklich stolz sein.“

Wolff freut sich: „Solange Ferrari die Seuche hat ...“

Auch Teamchef Toto Wolff freut sich - zumindest hinsichtlich der Standfestigkeit: „Das ist unsere Stärke dieses Jahr und bringt uns Ergebnisse ein, obwohl das Auto nicht gut genug ist, um um eine Weltmeisterschaft zu fahren. Aber solange Ferrari die Seuche hat, spielt uns das bei den Punkten natürlich in die Karten.“

In der Team-WM liegt Mercedes deshalb nur noch 44 Punkte hinter der Scuderia, denn mit Ausnahme von Russells Aus (nach Startcrash) in Silverstone haben beide Silberpfeil-Piloten bisher jedes Rennen beendet. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Positiv hinzu kommt für Hamilton nach dem großen Rückstand im ernüchternden Qualifying-Samstag: „Unsere Rennpace ist viel besser. Ich weiß nicht warum, bin aber sehr dankbar dafür, denn das ist die wichtigste Pace. Schließlich gibt es heute die Punkte.“

„Unglaubliches Comeback“: Mercedes beeindruckt Rosberg

Auch Ex-Teamkollege Nico Rosberg ist beeindruckt von Mercedes‘ Leistung am Sonntag. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

„Nach dem Schlag ins Gesicht gestern ist das ein ziemlich unglaubliches Comeback“, kommentiert er bei Sky. „Ein Doppelpodium hat hier keiner kommen gesehen und auch, dass Lewis den Rückstand zur Spitze im Rennen über weite Strecken bei nur sechs Sekunden halten konnte, ist sehr positiv für sie.“

Ein Extralob hat Rosberg diesmal für seinen alten Teamchef übrig: „Toto war heute sehr smart. Er hat gemerkt, wie sein Fahrer (Russell, Anm. d. Red.) in eine Spirale gerät, wo er alles unfair findet. Deshalb hat er sich am Funk zugeschaltet und ihm gesagt: ‚Bleib fokussiert auf dich und das was du tun kannst. Überhol einfach noch mal.‘ Dadurch ist George konzentriert geblieben und hat beim Restart zugeschlagen. Sportpsychologisch war das sehr intelligent von Toto.“

Wolff muss Russell zur Ruhe ermahnen

Hintergrund: Im Duell um Platz drei mit Sergio Pérez scheitert Russell bei seinem ersten Überholversuch, weil er den Red-Bull-Piloten in der Schikane von der Strecke drückt, Perez deshalb abkürzt und die Nase zunächst vorn behält.

Die Rennleitung wertet die Aktion zu Russells Entrüstung als Rennvorfall. Nachdem Wolff den jungen Briten am Funk zur Ruhe mahnt, attackiert er am Ende der virtuellen Safety-Car-Phase erneut und sichert den Stuttgartern damit den zweiten Podestplatz.

Der Silberpfeil-Teamchef: „Ich wollte ihn mental einfach resetten. Natürlich hatte er das Gefühl, dass es nicht richtig war, was passiert ist. Aber ich wusste, dass er die Pace hatte und ihn auf der Strecke kriegen kann.“

Zu euphorisch will Wolff Le Castellet aber trotzdem nicht verlassen: „Der Renntag war gut, der Quali-Tag aber nicht. In Summe müssen wir einfach besser werden.“

Deshalb fokussiert er sich auch nicht zu sehr auf Momentaufnahmen wie am Sonntag: „Es war ein Schritt nach vorne, aber bei uns geht es mehr darum, dass wir wieder aus eigener Kraft gewinnen und dann nächstes Jahr wieder (um den Titel, Anm. d. Red.) mitspielen können.“

Löwe Hamilton geht wieder auf Angriff

Diese neue Rollenverteilung haben alle bei Mercedes verinnerlicht, keiner aber so sehr wie Rekordmann Hamilton, den der Wiener bereits als Löwen bezeichnet hat, der wieder auf Angriff geht.

Wolff: „Wir hatten zu Beginn der Saison wirklich eine sehr schwere Zeit. Aber mittlerweile haben sich alle damit arrangiert, dass wir jetzt die Jäger sind, Lewis an vorderster Front: Er fährt nicht nur schnell im Auto, er pusht auch das Team und hat immer ein unglaublich positives Mindset, selbst wenn es mal nicht so läuft.“

Auch nach 300 Grands Prix hat Hamilton offensichtlich Durst nach mehr. Und das nicht nur wegen der defekten Trinkflasche ...

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