Nagelsmann: "Am Ende kann ich für die Ablöse nichts"

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Nagelsmann: "Am Ende kann ich für die Ablöse nichts"
Nagelsmann: "Am Ende kann ich für die Ablöse nichts"
Nagelsmann: "Am Ende kann ich für die Ablöse nichts"

Julian Nagelsmann ist erst seit wenigen Tagen offiziell Trainer des FC Bayern - und dennoch schon seit Jahrzehnten mit dem Verein verbunden.

Die erste einschneidende Erfahrung mit dem deutschen Rekordmeister machte er als junger Fan. "Ich weiß noch: Einer der härtesten Momente war das verlorene Champions-League-Finale 1999 gegen Manchester United", sagte der 33-Jährige im Interview mit der Bild.

"Mein Papa war Gladbach-Fan, für den war das nicht so schlimm. Für meinen Bruder und mich schon, wir haben beide damals sehr geweint", sagte der gebürtige Bayer. Schon als Jugendfußballer habe ihn das Bayern-Gen fasziniert. Bei Spielen gegen die Nachwuchskicker der Münchner habe er die Erfolgsformel "Mia san mia" zu spüren bekommen.

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"Und damit meine ich nicht Arroganz, sondern den Versuch, der Beste zu sein und hart dafür zu arbeiten. Wenn man hart arbeitet, darf man das auch verkörpern", erklärte Nagelsmann. Nun ist er selbst Teil des Bayern-Kosmos, unterschrieb für gleich fünf Jahre.

Nagelsmann: Bin nicht der teuerste Bayern-Trainer

Er kam von RB Leipzig zu Bayern, diversen Medienberichten zufolge für eine Ablöse in Höhe von rund 25 Millionen Euro. Eine Summe, die wohl nur dann zu zahlen wäre, wenn etliche vereinbarte Boni fällig werden würden.

Nagelsmann dazu: "Abgesehen von der tatsächlichen Höhe ist das ohnehin eine Milchmädchenrechnung. Ein Trainer kostet ja nicht nur Ablöse, es gibt auch Gehalt, Prämien etc. Und da bin ich zum Beispiel garantiert nicht der teuerste Trainer, den Bayern je hatte. Der Erst-Invest mag etwas größer gewesen sein, aber der Rest sicher nicht."

Er sieht in der Ablöse auch keinen Widerspruch. Der Trainer gehöre - so sagten viele - zu den wichtigsten Personalien im Klubs - "nur hat bis vor ein paar Jahren eigentlich nie ein Trainer etwas gekostet. Das ist dann ja schon etwas konträr. Am Ende kann ich aber für die Ablöse nichts." Am Erfolgsdruck ändere die Summe ohnehin nichts.

Schließlich hat Nagelsmann große Fußstapfen zu füllen, sein Vorgänger Hansi Flick gewann sieben Titel in eineinhalb Jahren. Zuletzt gab es keinen Kontakt zum neuen Bundestrainer, dies solle sich aber noch ändern.

"Ich wollte mir auch erst mal selbst ein Bild machen, alle Leute kennenlernen. Dann werde ich ihn noch mal anrufen, und wir werden ausführlich sprechen, um die Spieler noch mal genauer kennenzulernen, seine Kniffe zu erfahren, die gut waren, oder auch Erfahrungen, die nicht so gut waren", sagte Bayerns neuer Coach.

Darum ist Müller wichtig - Gnabry als Verteidiger?

Ähnlich wie Flick will wohl auch Nagelsmann wieder auf eine bewährte Achse setzen, in der auch Dauerbrenner Thomas Müller eine Rolle spielen soll: "Ich habe Thomas kennengelernt als extrem strebsam, mit extremem Siegeswillen. Er war nach der EM gefrustet. Bei ihm ist es so: Wenn er gesund bleibt, gibt es wenige Trainer, die auf ihn verzichten würden."

Müller sei für den Gegner "schwer zu packen, weil er dieses unglaubliche Gespür für Räume hat." Einen Sonderstatus habe der Offensivspieler deshalb aber nicht. "Das Interessante ist: Die Spieler beim FC Bayern wollen gar keinen Sonderstatus, die wollen Erfolg."

Und gerade die erfahrenen Spieler wolle er mit einbeziehen. Als Trainer sei man nicht dafür da, sich selbst zu verwirklichen: "Die Spieler müssen das, was du willst, mit einem guten Gefühl auf den Platz bringen." Ob das auch bei Serge Gnabry der Fall sein wird, falls er mal als Rechtsverteidiger aushelfen soll?

"Wenn er das jetzt im Urlaub mitkriegt, wird er vermutlich keinen Applaus klatschen. Das wäre nicht seine Parade-Position", sagte Nagelsmann zu diesem Gedankenspiel. Gnabry habe die Rolle unter ihm schon in Hoffenheim gespielt, eine 1A-Lösung sei es aber nicht. "Es geht immer darum zu überlegen: Wie spielen unsere Gegner? Von daher kann es eine Option sein, aber sicher nicht die Lösung für 34 Spieltage."

Schrille Klamotten auch bei Bayern?

Nagelsmann geht die neue Aufgabe mit einem klaren Plan an. Taktik, Führungsstil und selbst das eigene öffentliche Erscheinungsbild hat er schon im Kopf. Gerade als Trainer von RB Leipzig fiel er hier und da mal mit einem etwas gewagteren Outfit an der Seitenlinie auf.

"Jetzt bin ich bei einem der größten Klubs der Welt. Da werde ich vermutlich nicht mehr mit der bunten Jacke auflaufen, die ich vielleicht bei meinen vorherigen Klubs mal anhatte", erklärte er. Er wolle sich als Typ aber auch nicht völlig verändern: "Du bist eine gewisse Person, das darfst du auch ausstrahlen, aber du hast auch eine gewisse Rolle. Ich werde versuchen, mich ordentlich zu kleiden. Vielleicht nicht mehr in den schrillsten Farben. Aber auch nicht sterbenslangweilig."

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