Nagelsmann ohne Angst vor Klopps Reds

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann blickt entspannt in Richtung Champions League-Playoffs gegen den FC Liverpool.

Als "Kloppo" um kurz nach 12.00 Uhr aus der "Kiste" kam, war Julian Nagelsmann zunächst wie versteinert.

Doch schon kurz darauf machte der Trainer der TSG Hoffenheim die erste freche Kampfansage an den FC Liverpool mit Teammanager Jürgen Klopp. "Die werden sicher keine drei Scotch Whisky trinken, weil sie auf uns treffen. Wir sind nicht chancenlos", kommentierte Nagelsmann beim "Public Viewing" mit Journalisten das Ergebnis der Playoff-Auslosung zur Champions League.

"Liverpool war mit Abstand die stärkste Mannschaft im Topf. Ich hätte aber noch weniger gerne gegen den SSC Neapel gespielt", sagte Nagelsmann: "Wer den Henkelpott holen will, muss aber ohnehin jeden Gegner schlagen." Der Respekt vor den Hoffenheimern ist aber auch in Liverpool groß. 

Klopp sah Hoffenheim kommen

"Es war klar, dass wir kein leichtes Spiel bekommen werden. Und es wird definitiv nicht leicht", sagte Klopp, der die Hoffenheimer als "gefestigtes Bundesliga-Team" bezeichnete. Weiter ahnte Klopp eigenen Aussagen zufolge bereits, dass er mit dem FC Liverpool in den Playoffs für die Champions League auf den Bundesligisten Hoffenheim treffen würde.

"Genau das habe ich vermutet, als ich die Teilnehmer sah", sagte Klopp nach der Auslosung am Freitag: "Es schaut wohl so aus, als ob wir immer die deutschen Teams ziehen." In der UEFA Europa League hatte es für Klopp vor zwei Jahren bereits ein Wiedersehen mit seinem Ex-Klub Borussia Dortmund gegeben, nun muss er am 15. August mit den Reds also zunächst in den Kraichgau reisen.

Nagelsmann schätzt Klopp

Nagelsmann kennt seinen Kollegen vom achtmaligen Europacupsieger und früheren englischen Rekordmeister gut - beide sind bei derselben Berateragentur. "Wir schreiben uns ab und zu. Ich mag ihn total gern, weil er normal geblieben ist. Und ich schätze ihn als Trainer", sagte Nagelsmann, dessen Klub als Europacaup-Neuling ungesetzt war.

Das Hinspiel wird am 15. August (ab 20.45 Uhr) in Sinsheim ausgetragen, das Rückspiel an der Anfield Road steigt am 23. August. Sollten die Hoffenheimer die Gruppenphase verpassen, müssen sie in der Europa League antreten. Dann wären der TSG auch die 12,7 Millionen Euro Startgeld durch die Lappen gegangen. 


"Der Wettbewerb heißt ja aber nicht umsonst Champions League. Wenn man da rein will, muss man eben gegen eines der besten Teams aus Europa gewinnen", sagte Nagelsmann, der in weiser Voraussicht die Engländer um den früheren TSG-Star Roberto Firmino beim zurückliegenden Audi Cup in München beobachtet hat: "Jürgen Klopp spielt mit Liverpool den gleichen Fußball wie mit Dortmund - Überfallfußball mit brutalem Tempo in der Offensive."

Vor der Kulisse beim Rückspiel in England hat der Coach aber keine Angst. "Ich war vor zwei, drei Jahren da. Ganz überraschend war es ziemlich ruhig - ganz anders als erwartet. Es gab kaum Fangesänge", äußerte der 30-Jährige, der die Klopp-Rückkehr nach Deutschland als große Chance für den Verein von Mehrheitseigner Dietmar Hopp sieht: "Dadurch stehen wir voll im Fokus. Für die öffentliche Wahrnehmung unseres Klubs ist das super."

Hoffenheim (noch) im Pech

Bisher sind 4 von 22 deutschen Mannschaft in den Playoffs gescheitert. Hätten die Hoffenheimer in der kommenden Saison den vierten Platz in der Bundesliga belegt, wären sie automatisch in der Gruppenphase dabei. Grund dafür ist die Königsklassen-Reform durch die Europäische Fußball-Union (UEFA). Ab der übernächsten Spielzeit sind die ersten vier Teams der vier besten Ligen für die Gruppenphase gesetzt. 


Das größte Handicap für die Kraichgauer dürften die Abgänge der beiden Confed-Cup-Sieger Sebastian Rudy und Niklas Süle zu Rekordmeister Bayern München sein. Die Nationalspieler waren in der vergangenen Saison die beiden besten TSG-Profis und hinterlassen große Lücken - bis zu den Playoffs wollen die Hoffenheimer aber nach Möglichkeit noch einen defensiven Mittelfeldspieler verpflichten.