Nachwuchs für die Führungsetagen: Jetzt kommen die jungen Narzissten

Business Insider Deutschland
·Lesedauer: 2 Min.
Narzissmus ist unter Führungskräften verbreitet.
Narzissmus ist unter Führungskräften verbreitet.

Narzissten können arrogant sein und rücksichtslos. Sie denken vor allem an ihren eigenen Vorteil, sind gut darin, andere zu manipulieren und Meister darin, sich selbst gut darzustellen. Die Bedürfnisse und Gefühle anderer nutzen sie gut für sich selbst, ansonsten sind sie ihnen eher egal. Mit Kritik können sie nur schwer umgehen, keine Fehler geben sie selten zu. Das Wichtigste ist für sie: besonders viel Anerkennung zu bekommen.

Klingt nicht besonders sympathisch, oder? Tatsächlich gibt es Narzissmus in dieser Reinform auch eher selten. Narzissmus als Persönlichkeitseigenschaft ist bei allen Menschen vorhanden, aber eben mehr oder weniger stark ausgeprägt. Typisch narzisstische Verhaltensweisen wie die oben beschriebenen sind in zwischenmenschlichen Beziehungen oft toxisch.

In unserem auf Wettbewerb und Wachstum ausgerichteten Wirtschaftssystem werden solche Verhaltensweisen aber wiederum auch belohnt. So ist es wahrscheinlich kein Wunder, dass sich unter Führungskräften besonders viele Menschen finden, bei denen Narzissmus stark ausgeprägt ist. Dabei erweisen sie sich in der modernen Arbeitswelt oftmals als schlechte Chefs, weil sich ihre Mitarbeiter unverstanden und von oben herab behandelt fühlen. Zudem überschätzen Narzissten ihre eigenen Fähigkeiten, lassen sich aber nichts von anderen sagen.

Narzissmus nimmt bei Jüngeren zu

Und es gibt noch ein weiteres Problem: In der jüngeren Generation nimmt Narzissmus enorm zu. Das ist das Ergebnis einer Studie des Psychologen Marcus Heidbrink, der Beraterin Victoria Berg und dem Professor für Digital Leadership und HR Florian Feltes. Zusammen haben sie einen Artikel dazu im "Harvard Business Manager" veröffentlicht.

Für die Studie wurden 9.918 Personen zwischen Mai und November 2020 befragt. Etwas mehr als ein Viertel von ihnen waren Führungskräfte. Zusätzlich führten die Studienautoren 34 qualitative Tiefeninterviews mit Top-Managern aus deutschen Unternehmen durch. Eine der Befunde der Forschenden: Alle Befragten hatten selbst schon einmal negative Erfahrungen mit Narzissten gemacht. Zudem glaubten sie, dass Narzissmus unter Führungskräften Unternehmen schadet.

Die zweite Erkenntnis: Junge Menschen wiesen der Studie nach die höchsten narzisstischen Werte überhaupt auf – über alle Altersgruppen hinweg. Dies galt außerdem sowohl für Männer als auch für Frauen. Zwar bleibt die Frage, ob es nicht womöglich in jeder Generation so ist, dass die jüngsten Menschen die höchsten Narzissmus-Werte haben und die Werte später im Leben abnehmen.

Dennoch, schreiben die Wissenschaftler, sollten Unternehmen sich darauf einstellen, dass sich künftig mehr Narzissten bewerben werden – auch und wohl besonders gern auf Führungspositionen. Die drei Autoren fordern die Firmen daher dazu auf, ihre Instrumente zur Auswahl, Einstellung und Entwicklung von Führungskräften diesen Erkenntnissen gemäß zu überarbeiten.

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