Kein Umsatz, keine Spannung

Der erste von drei verbliebenen Handelstagen im Jahr 2017 brachte keine Überraschungen – von Schwung fehlte am Mittwoch jede Spur. Bleiben noch zwei Tage. Doch die Anleger zeigen sich unmotiviert, der Soll ist erfüllt.


Sollte der Mittwochshandel einen Vorgeschmack auf die letzten beiden Handelstage des Jahres geben, so ist für das Börsenjahr 2017 in Frankfurt nicht mehr viel zu erwarten. Zur Wochenmitte präsentierten sich die Anleger unmotiviert, kurz vor Jahresfrist noch einmal einzusteigen. Leichte Verluste wechselten sich mit Gewinnen ab, die Umsätze hielten sich wie erwartet in Grenzen. Es scheint, als würden sich die Anleger nach dem langen Wochenende und den Feiertagen nicht in die Handelsräume bequemen wollen. Am Ende ging der Dax mit 13.070 Punkten zarte drei Punkte niedriger in den Feierabend. Der Euro-Stoxx-50 verlor mit einem Stand von 3552 Zählern einige Punkte.

„Die meisten Anleger haben ihre Bücher für 2017 bereits geschlossen“, kommentierte ein Händler. Man könnte sagen, der Dax hat sein Soll erfüllt. In den Büchern steht im Vergleich zum letzten Handelstag des Jahres 2017 ein dickes Plus der Frankfurter Benchmark von knapp 14 Prozent. An der Wall Street steuert der Dow-Jones-Index dank trump'scher Steuerreform und Dollar-Schwäche gar auf ein 25-Prozent-Plus zu.


Am Devisenmarkt wertete der Euro um 0,3 Prozent auf und nahm damit wieder Kurs auf die 1,19-Dollar-Marke. Die Ölpreise gaben wieder nach. Brent aus der Nordsee fiel um 1,2 Prozent auf notierte mit 66,19 Dollar je Barrel (159 Liter), blieb damit aber in Sichtweite seines am Dienstag - am zweiten Weihnachtstag war in den USA gehandelt worden - zeitweise erreichten Zweieinhalb-Jahres-Hochs von 67,10 Dollar.

Neben der Förderbremse der großen Export-Länder machten Börsianer Liefer-Ausfälle in Libyen und der Nordsee für den Preisanstieg der vergangenen Wochen verantwortlich. Das lag an einem Anschlag auf eine libysche Ölpipeline. Bis zu einem Förderausfall von 100.000 Barrel Öl täglich könnten die Schäden nach dem Extremistenangriff bedeuten.

Unter den Aktien in Frankfurt präsentierte sich die zweite Reihe stärker als die erste. So legten die Nebenwerte des MDax mit 26.294 Stellen 0,6 Prozent zu. Dem TecDax gelang es, sich im Späthandel aus dem Minus zu kämpfen. Am Ende blieb die Anzeigetafel bei 2537 Zählern stehen – ein leichter Aufschlag von 0,1 Prozent. In New York kam die Wall Street nicht vom Fleck, auch dort wankten die wenigen Anleger, die mitmischten, zwischen kleinen Zu- und Abkäufen. In Tokio war der Nikkei 0,1 Prozent vorgerückt auf 22.911 Punkte. 3272 Punkte.


Bitcoin setzte unterdessen seinen Erholungskurs fort. Die Cyber-Devise verteuerte sich zeitweise um vier Prozent auf 16.499 Dollar, nachdem sie am Freitag mehr als 30 Prozent auf 10.800 Dollar eingebrochen war. „Doch wie nachhaltig und gesund die Erholungsbewegung ist, bleibt mit kritischen Augen zu beobachten“, warnte Timo Emden, Deutschland-Chef des Online-Brokers DailyFX. „Ein Kursverfall solchen Ausmaßes hinterlässt einen faden Beigeschmack.“

Im Windschatten von Bitcoin legten auch Aktienwerte aus dem Umfeld der virtuellen Währungen zu. Die Titel der Bitcoin Group, Betreiberin der einzigen deutschen Börse für virtuelle Währungen, stiegen am Mittwoch um zehn Prozent auf 63,93 Euro. Die Aktien hatten vor Jahresfrist bei gerade einmal rund sechs Euro notiert.


Gerüchte um Apple-Absatz drücken Dialog


Unter den Einzelwerten im Dax griffen die Anleger bei Vonovia und Merck zu. Für den Bochumer Immobilienkonzern, der seit September 2015 im Dax gelistet ist, ist es ein überaus erfolgreiches Jahr. Seit Januar verteuerten sich die Aktien um rund ein Drittel. Auf der anderen Seite des Leitindex befanden sich die Banken, die Deutsche verlor anderthalb Prozent, für die Commerzbank ging es 0,7 Prozent runter. Der Branche machte zu schaffen, dass die trump'sche Steuerreform, von der sich so viele Unternehmen Erleichterungen erhoffen, wohl eher für Kosten sorgen könnte.

Schwierig war die Lage auch bei den volatilen Tech-Titeln. So sorgten Spekulationen um eine mögliche Absatzschwäche des neuen Apple-Smartphones für deutliche Abschläge bei Zulieferern der Kalifornier. Im TexDax verlor Dialog Semiconductor 4,6 Prozent, das deutsch-britische Unternehmen versorgt die Handys der Apfelmarke mit Chips, die die Stromsteuerung regeln. Scheine des Schweizer Apple-Zulieferers AMS brachen sogar um mehr als neun Prozent ein.

Auslöser der Furcht war der Bericht einer taiwanesischen Zeitung, wonach Apple im ersten Quartal 2018 statt der ursprünglich angepeilten 50 wohl nur 30 Millionen Stück seines Flagschiffs iPhone X absetzen wird. Die Experten des Analyse-Hauses JL Warren rechnen sogar nur mit 25 Millionen verkauften Exemplaren. Sie monierten den hohen Preis und den Mangel an technischen Innovationen.

Der Zeitungsbericht hatte asiatischen Apple-Zulieferern bereits in den vergangenen Tagen zugesetzt, als die europäischen Börsen wegen der Weihnachtsfeiertage geschlossen waren, diese hatten sich inzwischen aber erholen können.

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