Nachtsicht: In der Paris Bar mit der Generation Z versacken

Paulina Czienskowski

Berlin.  Seit einer Weile ist die Paris Bar an der Kantstraße mein zweites Wohnzimmer. Da kurz vor dem Bahnhof Zoo, wo die Autos vorbei rasen und sich die Züge über die Brücke schieben. Wo man im Sommer den Sonnenuntergang auf der Terrasse erleben und im Winter wegen der Heizstrahler noch draußen sitzen kann.

Da gibt es Weißwein und Pommes mit Sauce Béarnaise. Für uns auch noch um Mitternacht, wenn wir lieb fragen. Wobei wir das gar nicht mehr müssen. Ich treffe meine Freunde dort mehrmals die Woche, die Kellner kennen uns beim Vornamen, wissen, was wir mögen. In einem Leben mit wenig Traditionen gibt mir der Ort ein Gefühl von Stabilität.

Wir gehören zum Inventar. Niemand wundert sich hier über uns. Ungeniert kann ich in Daunenjacke und Sneaker neben Perlen und Pelz tragenden Menschen konsumieren. Auf merkwürdige Weise fühle ich mich trotzdem intellektuell. Vielleicht auch, weil die Wände mit Kunstwerken getäfelt sind.

Bis wir den Ort zu unserer Lebenskonstante etabliert haben, hat gedauert. Und trotzdem, innerhalb dieses sicheren Gefüges, inmitten der vermeintlichen Bohème Berlins, gibt es immer wieder unerwartete Begegnungen, surreale Gespräche, ewige Nächte.

Um subtil Sozialstudien zu betreiben, die Gesellschaft zu durchleuchten, ist man hier am richtigen Ort. In Clubs, wo man sich auch in ein Meer unterschiedlicher Charaktere begibt, ist es dafür zu laut und dunkel. In der Paris Bar ist das Geschirrklirren der Bass. Die Kellner sind Türsteher, Barkeeper, die guten Bekannten in einem.

Lesen Sie hier weiter!