Nachtarbeit bringt Ferrari und Vettel wieder auf Kurs

Tobias Wiltschek

So richtig fassen konnte Sebastian Vettel nicht, was für grandiose Zeiten er gerade in den Asphalt des Hungarorings gebrannt hatte.

"Das Auto war den ganzen Tag über unglaublich", staunte der 30-Jährige über die Performance seines Ferrari beim Qualifying zum Großen Preis von Ungarn.

Mit der Rekordzeit von 1:16,276 Minuten eroberte der viermalige Weltmeister die Pole Position für das Rennen am Sonntag (ab 14 Uhr im LIVETICKER). Gleich neben ihm steht sein Teamkollege Kimi Räikkönen.

"Es hat Spaß gemacht"

"Die erste Startreihe ist unglaublich. Wir haben einen guten Schritt nach vorne gemacht, es hat wirklich Spaß gemacht", sprudelte es nur so aus Vettel heraus. (Die Stimmen zum Qualifying in Ungarn)

Die Zeiten waren zwar auch schon am Freitag recht ordentlich, doch Zufriedenheit stellte sich nicht ein bei der Scuderia.

Im Gegenteil: Teamchef Maurizio Arrivabene verordnete seinen Mitarbeitern noch eine ausgedehnte Spätschicht. "Wir haben bis in die Nacht hinein gearbeitet, um eine richtige Balance zu finden", sagte der Italiener.

Testfahrer leistet wichtige Arbeit

Nicht ganz unbeteiligt daran war einer, der am Freitag im ersten Training noch für das Ferrari-Kundenteam Haas F1 im Einsatz war. Antonio Giovinazzi reiste nach der Session sofort nach Fiorano zur Ferrari-Teststrecke und leistete dort am Simulator wichtige Abstimmungsarbeit.

"Er ist unser dritter Fahrer und hat zu dieser Pole-Position beigetragen, indem er uns viele Informationen beschafft hat", wird Teamchef Arrivabene bei Motorsport-Total.com zitiert.

Das bestätigten auch die beiden Stammpiloten, ohne sich jedoch direkt auf Giovinazzi zu beziehen. "Heute war es wirklich ein Traum von Anfang an. Es ist gut zu wissen, dass wir das rausholen können", sagte Vettel. Und Räikkönen ergänzte: "Wir sind über das Handling glücklich."


Auch Mercedes hat die wiedergewonnene Stärke des Rivalen zur Kenntnis genommen. "Ferrari dominiert hier ganz klar. Die sind in einer super Position für dieses Rennen. Denn auf diesem Kurs kannst du nicht überholen", sagte Aufsichtsratsboss Niki Lauda.

Vettels großer Titelkonkurrent Lewis Hamilton, der hinter seinem Teamkollegen Valtteri Bottas nur von Platz vier aus ins Rennen geht, versprüht ebenfalls nicht viel Zuversicht.

"...es sei denn, sie haben Probleme"

"Die Ferrari zu überholen, ist fast unmöglich. Es sei denn, sie haben Probleme", sagte der Brite, der nach seinem Heimsieg von vor zwei Wochen in Silverstone in der WM-Wertung bis auf einen Punkt an Vettel herangekommen ist.

Damals profitierte er von den großen Problemen der Ferrari-Piloten mit den Reifen, die ihnen in den letzten Runden förmlich um die Ohren geflogen waren. Vettel konnte sich gerade so als Siebter ins Ziel retten.

Dass dies in Ungarn wieder passierten könnte, ist nicht ausgeschlossen - zumal sich auf dem Hungaroring bei erwarteten 32 Grad Lufttemperatur eine echte Hitzeschlacht anbahnt. "Die Hitze macht den Reifen zu schaffen. Es wird schwer sein, die Reifen über die Distanz zu halten", blickte Vettel bei RTL besorgt voraus.

Für Mercedes könnte es die einzige Möglichkeit sein, in Ungarn doch noch zu triumphieren.