Nachruf: "Mama Soul": Joy Fleming ist tot

„Ein Lied kann eine Brücke sein“: Das war das Lebensmotto von Joy Fleming

Immer wenn ein deutscher Kandidat beim Eurovision Song Contest (ESC) mal wieder einen der hinteren Plätze belegte, und das kam zuletzt häufiger vor, war Joy Fleming mit Trost zur Stelle. Sie hatte ja Erfahrung damit: 1975, als das Ganze noch Grand Prix d'Eurovision hieß, war die Sängerin in Stockholm angetreten. Mit ihrem "Ein Lied kann eine Brücke sein" kam sie nur auf Platz 17, den drittletzten. Aber das Lied kennt jeder, heute noch, der Fleming hat es nicht geschadet. Auch wenn sie danach das Kleid zerschnitten hat, in dem sie aufgetreten ist. Weil man damals noch eingekleidet wurde und sie viel lieber in einem Hosenanzug gesungen hätte.

Das sagt schon viel über diese Frau, die 1944 im pfälzischen Rockenhausen als Erna Raad zur Welt kam. Sie wusste sich durchzusetzen, als Frau, die ihre Meinung sagte, auch als Frau, die nicht den Schönheitsidealen entsprach. Sangesnormen schon gar nicht. Die Deutschen haben damals alle Heititei-Schlager gesungen, selbst solche, die eigentlich mehr konnten. Joy Fleming aber sang von Anfang an Blues und Soul, diese grundamerikanische Musik. Und konnte dabei mit einer schwarzen Stimme röhren, die auch eine Shirley Bassey oder Ella Fitzgerald bewunderten. Und Janis Joplin gar in Rage gebracht haben soll: weil die Fleming bei einem Konzert als Vorband sang und ihr die Schau zu stehlen drohte. Danach indes bekannte die Joplin: "Sie haben die beste Stimme, die ich je in Deutschland gehört habe." Ein Ritterschlag.

Schon mit 16 sang sie in Bars und K...

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