Nachruf auf Joachim Meisner: Im wahrsten Sinne des Wortes ein „Sorgender“ gewesen

Mit seinen Positionen ist der Kölner Kardinal allerdings auch angeeckt.

Kardinal Joachim Meisner war ein Sorgender –  im umfassenden Sinn des Wortes. Jeder Priester heißt „Seelsorger“, abgeleitet vom lateinischen Wort der „cura animarum“.

Aber bei dem an diesem Mittwochmorgen gestorbenen langjährigen Erzbischof von Köln war dieses Wort Programm. Er war in Sorge um das Seelenheil der Menschen, mit denen er zu tun hatte, und er war in Sorge um die Kirche. Bis in die letzten Tage seines Lebens.

Erst vor wenigen Wochen schrieb er mit drei anderen Kardinälen einen Brief an den Papst, in dem er ihn dringend bat, die seiner Meinung nach entstandenen Unklarheiten über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und das eindeutige Zeugnis der katholischen Kirche für die Unauflöslichkeit der Ehe zu beseitigen. 

Joachim Meisner fremdelte mit Papst Franziskus

Dem Pontifex in Rom zu widersprechen, den Meisner in einem sehr selbstverständlichen und sehr direkten Sinn als den Stellvertreter Christi auf Erden ansah, das zeigt, wie weit Meisner in seiner Sorge gehen konnte. In seinen letzten Lebensjahren fremdelte er sichtlich und hörbar mit dem amtierenden Papst.

„Seine“ Referenz-Größen waren natürlich der heilig gesprochene Johannes Paul II., sein großer Förderer, und Benedikt XVI., dessen Theologie und Kirchenbild ganz im Sinne Meisners waren. Beim Weltjugendtag zeigte er eine geradezu kindliche Zuneigung und Verehrung für den deutschen Papst und war glücklich, dass dem früher als „Panzerkardinal“ apostrophierten Kardinal Joseph Ratzinger in neuer Rolle die Menschen – und insbesondere die Jugend – zujubelten.

Meisner hat es sich und seiner Umgebung nicht leicht gemacht

Die Sorge um die Kirche und die Sorge um den Menschen konnte Meisner streng machen, auch unerbittlich. „Gelegen oder ungelegen“ – das war eines seiner Lieblingsworte, wenn ihm in kirchen- und gesellschaftspolitischen Fragen der Gegenwind der Kritik ins Gesicht blies. Noch griffiger (für starke Metaphern war er seit seiner Zeit als junger Weihbischof im Bistum Erfurt bekannt, wo er dem späteren Papst Johannes Paul II. zum ersten Mal auffiel) Meisners Formulierung: Der Wachhund, der nicht bellt, verdient sein Fressen nicht.

So hat er es sich und den Menschen in und außerhalb seiner Kirche nie leicht gemacht. Aber das hätte er auch nicht gewollt. Er war der festen Überzeugung, dass der angenehme, breite und bequeme Weg im Zweifel in die Hölle führt, der harte, steinige und steile aber in den Himmel.

Wenn der Gott, an den der Kardinal in beeindruckender, für viele faszinierender und mitreißender Festigkeit geglaubt hat, seine Verheißungen erfüllt hat, dann ist Joachim Meisner jetzt bei ihm im Himmel. Requiescat in Pace – er möge ruhen in Frieden....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta