Filmkritik Berlinale-Special: „In the Land of Blood and Honey“

Die Schauspielerin als Regisseurin: Auf der 62. Berlinale präsentierte Angelina Jolie ihr Regiedebüt „In the Land of Blood and Honey“. Vor die Kamera trat sie bei ihrem Herzensprojekt nicht, schrieb aber außerdem das Drehbuch und produzierte das Kriegsdrama. Hat sich Angelina für ihren ersten Film zu viel vorgenommen oder hat sie es bereits mit ihrem ersten eigenen Film in den Regie-Olymp geschafft?

Ansehen oder nicht? Yahoo! Kino verrät, ob sich ein Kinobesuch lohnt. Der Film startet am 23. Februar in unseren Kinos.

Angelina Jolie am Set von "In the Land of Blood and Honey". (Ken Regan © 2011 GK Films) 

Worum es geht

1992. Eine Frau, ein Mann, gefühlvolle Blicke. Die beiden tanzen, genießen das glückliche Gefühl des Verliebtseins. Sie legt vertrauensvoll den Kopf auf seine Schulter, die beiden tanzen weiter. Ein lauter Knall, eine Druckwelle, Trümmer, Staub. Die Bar, die eben das Glück auf Erden war, ist zur grausamen Hölle geworden. Die beiden überleben den Anschlag, gehen getrennte Wege. Das Bombenattentat läutet einen grausamen Bürgerkrieg in Jugoslawien ein. Das Paar gibt es nicht mehr, jetzt gibt es Ajla, die gequälte muslimische Frau im Internierungslager und den serbischen Soldaten Danijel, bei dem die Befehlsmacht in eben diesem liegt. Ein Wechselspiel zwischen Leidenschaft, Gefangenschaft, Misstrauen und Macht beginnt. Ein Film, der die Grausamkeiten und unmenschlichen Geschehnisse des Krieges anhand einer tragischen Liebe deutlich macht. Eine Liebe, die ohne den Krieg wahrscheinlich eine Chance gehabt hätte. 

In der Hauptrolle Zana Marjanovic als Ajla. (Bild: Ken Regan © 2011 GK Films) 

„Man sieht kein Blut, man denkt es nur.“ (Angelina Jolie)

Angelina Jolie will mit ihrem Regiedebüt „In the Land of Blood and Honey“ die Grausamkeiten des Balkankrieges zeigen. „Was man sieht, ist nur ein kleiner Ausschnitt des ganzen Schreckens. Es soll hart sein, sich das anzuschauen, es soll nachwirken. Wenn ein Kriegsfilm zu leicht zu schauen ist, behagt mir das nicht“, so Angelina Jolie über ihren Film. In der Tat, dieser Film ist hart. Das Kriegsdrama kommt wie ein Hammer auf einen zu. Mit einer grausamen Wucht fährt er in die Magengegend und lässt einen lange nicht los. Selten schauten Journalisten bei der Pressevorführung so häufig betroffen weg, schluchzten und verließen das Kino frühzeitig. Der Film zeigt Vergewaltigung, die Ermordung von Zivilisten oder die Tötung von Babys. Kleinkinder, die aus dem Fenster geworfen werden. Laut Angelina habe sie einige Szenen aufgrund der Härte rausgeschnitten, oft werden Gräueltaten lediglich angedeutet. Eine Andeutung, die ausreicht.

Hauptdarsteller Zana Marjanovic und Goran Kostic. (Bild: Dean Semler © 2011 GK Films) 

Die weibliche Sicht auf den Krieg

„Ich war 17, als der Bosnienkrieg begann und in den USA wussten wir sehr wenig über diesen Krieg. Ich wollte den Bosnienkrieg besser verstehen und die schlimmsten Themen, die damit einhergehen – Frauen im Krieg und sexuelle Gewalt etwa“, so Angelina Jolies Beweggründe für ihren ersten eigenen Film. Dass sie auch heute nicht alles über diesen Krieg wisse, wird ihr nun vorgeworfen. Der Film sei „eine stereotype Satanisierung der Serben“, titelte die serbische Zeitung „Novosti“. In ihrer künstlerischen Interpretation wollte die Hollywood-Schauspielerin keineswegs mit dem Finger auf jemanden zeigen. Es gehe ihr nicht um das Gute und das Böse, sondern um die grausame Zeit an sich. Dennoch fühlen sich Serben nun ins falsche Licht gerückt und meinen, in „In the Land of Blood and Honey“ würde außer Acht gelassen werden, dass es sich um einen Bürgerkrieg handelte, in dem die Seiten nicht immer sauber zu trennen waren. Der serbische Starregisseur Emir Kusturica empfahl der Amerikanerin Angelina Jolie, sich um die Missetaten ihres eigenen Volkes zu kümmern und einen Film über die Verbrechen in Afghanistan und im Irak zu drehen. Die nüchternen Fakten des Krieges sprechen allerdings eine andere Sprache als die der Serben, die sich über den Film aufregen. 100 000 Tote sind bisher namentlich identifiziert worden. Die überwältigende Mehrheit waren Muslime. Die größten Missetäter, die das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag bislang verurteilt hat, waren mehrheitlich Serben.  

 Eine stark konstruierte Liebesgeschichte
 „In the Land of Blood and Honey“ ist eine künstlerische Interpretation des Balkankrieges und keine Dokumentation! Eingebettet in das Kriegsdrama ist eine Liebesgeschichte, die teilweise sehr konstruiert wirkt. Es hätte ausgereicht, die Schwierigkeiten einer Liebe zwischen den Fronten zu zeigen, die am Krieg scheitert: Die Geschichte des jungen Paares wäre tragisch genug gewesen. Dass dann Danijels islamfeindlicher Vater ausgerechnet der Oberste Offizier der Serben ist und seine Machtposition an der Muslimin Ajla beweisen muss, ist dann einfach zu viel. Angelina Jolie hätte es sich für ihren ersten Film als Regisseuren sicherlich einfacher machen können, dennoch hat sie sich etwas getraut. Ein Hollywood-Star, der etwas bewegen will und über den amerikanischen Tellerrand schaut, das macht den Film schon sehenswert. „Ich wollte etwas machen, das meine Unzufriedenheit künstlerisch darstellt“, sagte Angelina Jolie. „Meine Unzufriedenheit mit der internationalen Gemeinschaft etwa, die es nicht schafft, rechtzeitig und effizient bei kriegerischen Konflikten einzuschreiten.“