Auf Wiedersehen Berlin(ale) - Mit einem Rat von Soderbergh treten wir den Rückweg an

Der Goldene Bär ist soeben überreicht und das 62. Internationale Filmfestival in Berlin beendet worden. 10 Tage Filme, Filme, Filme und Stars hautnah. Wir blicken zurück auf eine ereignisreiche Berlinale, der wir schon jetzt nachtrauern:

Die wahren Stars der Berlinale: Der Wecker eines Fans klingelt früh. Noch vor Sonnenaufgang wird das Hotelzimmer verlassen. Im Gepäck: ein gebasteltes Plakat, die beste Freundin und warme Sachen. Ziel: Der Berlinale Palast. Während die Hauptstadt erwacht, stehen sie am Zaun, um den Platz mit der besten Sicht auf den roten Teppich gegenüber anderen zu verteidigen. Und das bedeutet manchmal über 13 Stunden in der Kälte warten. Alles nur für einen kurzen Blick auf ihren heißen Star. Im besten Fall gehen einige von ihnen sogar mit einem Autogramm nach Hause. Kreischalarm gab es an jedem der 10 Berlinale-Tage, doch am neunten war kein Halten mehr. Vergessen waren Fassbender, Gyllenhaal und Co., denn „Twilight“-Liebling Robert Pattinson war in Stadt, um seinen neuen Film „Bel Ami“ auf der Berlinale vorzustellen. Bei einer Premiere steigen die Hauptdarsteller meist als letztes aus den Limousinen, geben vielleicht ein paar Autogramme und widmen sich dann den Interviews am roten Teppich. Nicht so Robert Pattinson! Der Brite erfüllte gefühlt tausend Foto- und Autogrammwünsche, „arbeitete“ sich  von einem Ende des Zauns zum anderen und hatte sichtlich Spaß dabei. Denn er weiß, was seine Fans für ihn auf sich nehmen. Daumen hoch für die extra Portion Fan-Liebe!

Die Fans sind die wahren Stars der Berlinale. (Bild: Anne Soho)

Ein enttäuschender Verführer: Die Besetzung der Hauptrolle lag auf der Hand - Als bekannt wurde, dass der Erfolgsroman von Guy de Maupassant „Bel Ami“ wieder einmal in die Kinos einzieht, schrie die Rolle des verführenden Schönling Georges Duroy geradezu nach ihm: Robert Pattinson. Duroy will Ansehen und Macht in der Pariser Schickeria des späten 19. Jahrhunderts. Gefühle jenseits von Gier und Stolz scheinen ihm fremd. Mit eiskalter Berechnung bahnt er sich seinen Weg nach ganz oben. Sein Mittel: Sex mit den Frauen der einflussreichen Männer. Alle scheinen ihm verfallen – dem „Bel Ami“. Das ist die Handlung, die man auf der Leinwand sieht. Allerdings enttäuscht Robert Pattinson im ersten Teil des Films und es erschließt sich dem Zuschauer einfach nicht, warum diese starken, klugen Frauen eigentlich immer wieder in seinem Bett landen. Christina Ricci, Uma Thurman und Kristin Scott Thomas spielen die Frauen, die von Robert verzaubert werden. Der Zauber aber liegt für uns im Verborgenen. Im zweiten Teil von „Bel Ami“ hingegen, wirkt der Brite authentisch und schafft es endlich zu überzeugen. Dann kehrt Duroy die fiese Seite heraus. Er spielt mit den Frauen, verstößt sie, macht sie zu ihren Marionetten. Fazit: Als Verführer „Bel Ami“ eine absolute Enttäuschung, als egoistischer, habgieriger Kerl ein Hit. Doch im Gesamten leider eine Fehlbesetzung. Dabei hätte ich ihm so gewünscht, dass er mit „Bel Ami“ seinen „Twilight“-Stempel los wird.  

Robert Pattinson in "Bel Ami". (Bild: ddp)

In love with Gina Carano: Sie hat Michael Fassbender und Channing Tatum ordentlich den Hintern versohlt. Die Martial-Arts-Kämpferin ist die Hauptdarstellerin in Soderberghs neuem Film „Haywire“. Gina Carano ist der Star des Films, ihre Moves legendär. Sie dominiert den Film so sehr, dass fast untergeht, wie hochkarätig dieser Streifen besetzt ist: Michael Fassbender, Antonio Banderas, Ewan McGregor, Channing Tatum und Michael Douglas – alle vereint in „Haywire“. In 40 Minuten des Films wird nicht gesprochen. Es gibt Schläge statt Worte. Ausgeteilt und eingesteckt von Gina Carano. Eine starke Frau und tolle Schauspielerin. Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen in „In the Blood“ von Regisseur John Stockwell.

Gina Carano - die Überraschung der diesjährigen Berlinale. (Bild: ddp)

Peinliche Momente: Die Veranstalter der Berlinale haben am Samstagabend sicher aufgeatmet, denn in den zehn Tagen Festival blieben die großen Skandale aus. Aber irgendwas ist ja immer und so gab es einige peinliche Momente. So zum Beispiel, als Christian Petzold von einer Journalistin gefragt wird, warum er in seinem DDR-Drama „Babara“, das in Mecklenburg-Vorpommern(!) spielt,  auf einen starken ostdeutschen Dialekt verzichtet hat. Wäre doch mit viel authentischer gewesen, oder? Da fragt man sich, was sie erwartet hat: Sächsisch sprechende Norddeutsche an der Ostsee?  Ebenfalls Fremdschämpotential schwebte im Raum, als ein Journalist von der "Bel Ami"-Crew wissen wolle, wie es sich anfühlt, mit der Romanverfilmung im Berlinale-Wettbewerb zu sein. Nach einem kurzen Schock antwortete Regisseur Declan Donnellan: „Ich befürchte, wir sind gar nicht im Wettbewerb dabei.“

Regisseur Christian Petzold. (Bild: ddp)

Lebensweisheit der Berlinale: DAS Zitat der 62. Berlinale kommt von Steven Soderbergh: „Betrinkt euch nicht mit Matt Damon.“ Warum er uns diesen weisen Rat mit auf den Weg gibt, hat er zum Glück auch noch erklärt: „Wenn ihr Euch mit Matt Damon betrinkt, sagt nichts, was ihr nicht am nächsten Morgen in der Presse lesen wollt. Er hat in einer amerikanischen Talkshow darüber [dass Soderbergh eine Regie-Auszeit einlegen will] gesprochen und ich werde ständig darauf angesprochen. Und ich hatte es sogar selbst schon zahlreiche Male in Interviews gesagt - da hat es aber niemanden interessiert. Da muss erst Matt Damon kommen."

"Haywire"-Crew: Steven Soderbergh, Michael Fassbender, Gina Carano und Antonio Banderas. (Bild: ddp)

Auf Wiedersehen Berlinale. Schön war die Zeit. Jetzt wird eine Woche lang Schlaf nachgeholt, denn es ruft schon ein nächstes Highlight der Filmwelt – die Oscars. Sonntagnacht, 26. Februar 2012, werden auch wieder für Euch die Nacht durchmachen, um live zu berichten.

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