Nach umstrittener Aussage: Liam Neeson bestreitet, ein Rassist zu sein

Victoria Timm
Freie Autorin für Yahoo Kino

Nach einem Zeitungsinterview, in dem Liam Neeson über Rachefantasien gegenüber schwarzen Menschen gesprochen hat, ruderte er nun im TV zurück. Im US-Frühstücksfernsehen versicherte der Ire, dass er kein Rassist sei. Dennoch könnte das Interview ernsthafte Konsequenzen für seine Karriere haben. Ein erstes Anzeichen dafür gab es bei der Premiere seines neues Films. 

Wollte Rache an einem schwarzen Vergewaltiger nehmen: Liam Neeson. (Bild: Getty Images)

In der Morgenshow “Good Morning America” des Senders ABC äußerte sich Liam Neeson zu den Vorwürfen, er sei ein Rassist. “Meine eigenen Gefühle schockierten mich”, sagte der 66-Jährige über eine Episode vor vier Jahrzehnten. Damals war eine seiner weiblichen Bekannten von einem Schwarzen vergewaltigt worden. Er sei daraufhin mehrere Tage lang mit einem Totschläger durch die Gegend gelaufen, in der Hoffnung, wahllos einen “schwarzen Bastard” töten zu können.

“Hätte bei einem Litauer genauso reagiert”

Bereits im ursprünglichen Interview, das er der britischen Zeitung “The Independent” gab, hatte Neeson sich für seine Rachegefühle entschuldigt. In “Good Morning America” sagte er nun, er habe damals die Ehre seiner Freundin verteidigen wollen, wofür er sich heute schäme. Im TV-Interview verriet Neeson auch, dass er sich damals wegen seines Verhaltens sogar Rat bei einem Priester geholt habe.

“Ich bin kein Rassist”, versicherte Neeson, der zurzeit seinen neuen Film “Cold Pursuit” (in Deutschland: “Hard Powder”) bewirbt. “Wenn sie gesagt hätte, es sei ein Ire, ein Schotte, ein Brite oder ein Litauer gewesen, hätte ich genau gleich reagiert”, so der Schauspieler. Etliche Menschen in den sozialen Netzwerken haben sich zu Neesons Aussagen geäußert, darunter auch Promis wie der britische TV-Host Piers Morgan.


“Wenn Donald Trump gesagt hätte, was Liam Neeson sagte … wer würde ihn dann noch verteidigen?”

Erste Konsequenzen für Neesons Aussagen

Ob Neeson mit seinem Auftritt im US-Fernsehen die Empörungswelle stoppen kann, ist mehr als fraglich. Bei der Premiere seines Kinofilms “Hard Powder” am Dienstag in New York gab es keinen roten Teppich. Auch der Auftritt Neesons wurde kurzfristig abgesagt. Im Netz fordern einige Stimmen, Neeson von den Oscars auszuschließen, manche wünschen sich, er würde nie wieder Filme drehen.

Rassistische und homophobe Kommentare können die Karriere beenden

Etliche Hollywood-Stars bekamen in der Vergangenheit nach ähnlichen Zwischenfällen Konsequenzen zu spüren. So wurde unlängst der Schauspieler Kevin Hart wegen vermeintlicher homophober Tweets, die bereits Jahre zurückliegen, als Moderator der Oscar-Preisverleihung ausgeladen. Roseanne Barr wurde nach einem rassistischen Tweet gegen eine schwarze US-Politikerin vom Sender ABC fallen gelassen, der kurz zuvor neue Folgen der Sitcom “Roseanne” ausgestrahlt hatte.

Und Michael Richards, bekannt aus “Seinfeld”, wo er den verplanten Nachbarn Kramer spielt, bekam nach einem Wutausbruch auf offener Bühne keine guten Angebote mehr. Richards hatte während einer Stand-up-Show einen schwarzen Zwischenrufer als “Nigger” bezeichnet.