Nach Trumps Jerusalem-Entscheidung: USA raten Israel zur Mäßigung

Der Tempelberg in Jerusalem – heilige Stätte dreier Weltreligionen. (Bild: AP Photo)

Die Entscheidung Donald Trumps, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, sorgt im Nahen Osten für Aufruhr. US-Diplomaten empfehlen offiziellen Funktionsträgern des Staates Israels nun in einem Dokument, „sich zurückzuhalten“.

Es sind Tage der Ungewissheit: Wird die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA eine dritte Intifada auslösen? Bei den zwei palästinensischen Aufständen in den Jahren 1987 bis 1991 und 2000 bis 2005 kamen jeweils tausende Menschen ums Leben. Um ähnliche Gewaltexzesse zu vermeiden, mahnten die USA vorab israelische Offizielle zur Mäßigung.

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In einem Dokument, das der Nachrichtenagentur „Reuters“ exklusiv vorliegt, heißt es: „Während ich nachvollziehen kann, dass Sie diese Neuigkeiten öffentlich gutheißen, bitte ich Sie, Ihre offiziellen Reaktionen zu mäßigen.“ Das Schreiben stammt aus dem US-Außenministerium und richtet sich an Diplomaten der US-Botschaft in Tel Aviv. Diese sollen die Argumentation aus dem Schreiben in Gesprächen mit israelischen Offiziellen übernehmen.

US-Präsident Donald Trump legt viel Wert auf gute Beziehungen zum Staate Israel. (Bild: AP Photo)

Weiter heißt es in dem Dokument: „Wir erwarten, dass diese Nachricht Widerstand im Nahen Osten und im Rest der Welt erzeugt. Wir sind immer noch dabei, zu beurteilen, wie sich diese Entscheidung auf US-Einrichtungen und Personal in Übersee auswirken wird.“ Das Schreiben stammt vom 6. Dezember – jenem Tag, an dem Donald Trump die Entscheidung, dass die USA Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen, öffentlich bekannt gab.

In einem zweiten Schreiben heißt es zudem, dass das Außenministerium eine „interne Sondereinheit“ zusammengestellt hat, um „weltweite Entwicklungen“ zu verfolgen. Ein Sprecher des Ministeriums, der anonym bleiben wollte, sagte gegenüber „Reuters“, eine solche Sondereinheit sei Standard, „jedes Mal, wenn es Bedenken bezüglich der Sicherheit von US-Regierungsbeamten oder amerikanischen Staatsbürgern gebe.“

In einem weiteren Schreiben an US-Diplomaten in Europa heißt es außerdem: „Sie wissen, dass dies eine einzigartige Regierung ist. Sie trifft wagemutige Entscheidungen. Aber es sind wagemutige Entscheidungen notwendig, wenn Friedensbestrebungen letztendlich erfolgreich sein sollen.“

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