Nach tödlichem Unfall: Wie sicher sind autonome Fahrzeuge?

Auf dem Genfer Autosalon stellen Audi, Italdesign und Airbus das Auto-Drohnen-System Pop-Up Next vor. (Bild: Getty Images)

Dass in den USA eine Fußgängerin nach dem Crash mit einem autonom fahrenden Uber-Wagens gestorben ist, hat die Debatte über die Roboterautos wieder angeheizt. Denn eigentlich sollten die Fahrzeuge die Unfallrate verringern. Experten sehen die größte Gefahr vor allem in den ersten Jahren der Einführung.

Laut Expertenmeinungen werden 90 Prozent der Verkehrsunfälle durch menschliches Versagen verursacht. Ist diese Fehlerquelle durch den Einsatz autonomer Fahrzeuge ausgeschaltet, wird die Zahl der Todesfälle im Straßenverkehr zurückgehen, so die Hoffnung. 2016 starben in Deutschland jeden Tag neun Menschen durch Verkehrsunfälle, fast 400.000 wurden verletzt.

Egal ob Audi, Tesla, BMW, General Motors, Waymo, Mercedes Benz, Renault-Nissan, Apple, Google oder Intel – darin, dass autonomes Fahren die Zukunft ist, sind sich die großen Firmen einig. Auch das Beratungsunternehmen McKinsey geht davon aus, dass im Jahr 2015 Roboterautos das Straßenbild bestimmen werden.

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Der Frage, ob damit automatisch auch die Sicherheit erhöht wird, geht unter anderem das Institut für Kraftfahrzeuge an der Universität Aachen nach. Dazu äußerten sich im vergangen November mehrere Wissenschaftler, die zumindest in den ersten Jahren noch deutliche Probleme sehen. So sagte etwa Prof. Dr. Ortwin Renn, Wissenschaftlicher Direktor und Vorstand vom Institute of Advanced Sustainability Studies e.V. (IASS) in Potsdam: „Die Unfallstatistik verändert sich zudem, je mehr selbstfahrende Fahrzeuge und je weniger Menschen gesteuerte Fahrzeuge parallel existieren werden. Vor allem in der Übergangsphase rechnen wir mit mehr Unfällen, weil sich beide Systeme erst aufeinander einstellen müssen.“

Und auch Prof. Dr. Volker Lüdemann, Wissenschaftlicher Leiter des Niedersächsischen Datenschutzzentrums der Hochschule Osnabrück, mahnte: „Aktuell gehen über 90 Prozent der Unfälle auf menschliches Versagen zurück. An die Stelle menschlicher Fehler werden aber Technikfehler treten. Auch die Unberechenbarkeit menschlichen Verhaltens verschwindet nicht aus dem Straßenverkehr.“ Fußgänger und Fahrradfahrer gäbe es ja weiterhin und auch konventionelle Fahrzeuge wären noch eine Weile im Gebrauch. Dazu entstünden aber neue Sicherheitsrisiken „durch Hacking und Cyberkriminalität“.

Es gibt Ansätze, die den Verkehr tatsächlich sicherer machen können

Wissenschaftler der University of Washington haben bereits getestet, wie leicht sich Roboterautos täuschen lassen. Sie manipulierten Verkehrsschilder derart, dass die Autos Stoppschilder nicht erkannten und sie stattdessen für Geschwindigkeitsbegrenzungen hielten. Auch der Einsatz von Ransomware ist denkbar, mit der Hacker Autos lahm legen und erst wieder starten lassen könnten, nachdem die Fahrer Lösegeld bezahlt haben.

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Und trotzdem gibt es einige Ansätze, die den Verkehr tatsächlich sicherer machen könnten. Die Unternehmen Jabil und Eye Sight zum Beispiel testen Systeme mit Iris- und Blickverfolgung. Verfällt der Fahrer in Sekundenschlaf, könnte das Auto automatisch zum Straßenrand gelenkt werden. Das Start-up Waymo hat ein Patent auf eine flexible Karosserie angemeldet. Erkennt das System, dass es gleich zum Zusammenprall mit einem Menschen kommen wird, soll die errechnete Aufprallstelle weicher gemacht werden. Dasselbe Unternehmen arbeitet zusammen mit Google an einem weiteren Patent: Im Fall eines Unfalls soll eine klebende Folie dafür sorgen, dass die getroffene Person nicht unter die Karosserie gerät oder meterweit weggeschleudert wird.

Ob und in welcher Form diese Ideen tatsächlich einmal zum Einsatz kommen werden, lässt sich heute schwer sagen. Fest steht nur, dass bislang viel zu wenige autonome Fahrzeuge im Einsatz sind, um schon jetzt statistisch stichhaltige Aussagen über eine eventuell erhöhte Sicherheit durch Roboterautos zuzulassen.

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