Nach Sieg über den IS: Sind die Islamisten wieder auf dem Vormarsch?

Arabische und kurdische Kämpfer bei einer Zeremonie in Qamischli an der türkisch-syrischen Grenze. (Bild: Getty Images)

Ende vergangenen Jahres erklärten sowohl Russland als auch die USA die Terrororganisation „Islamischer Staat“ in Syrien und dem Irak für besiegt. Nun bekommen es kurdische und arabische Kämpfer in der Region allerdings wieder mit den Dschihadisten zu tun.

Schon bald könnte der „Islamische Staat“ (IS) wieder zu alter Stärke zurückfinden. Dies meldet der Journalist Patrick Cockburn, der zurzeit eine Artikelreihe über die Terrororganisation für die britische Zeitung „The Independent“ schreibt. Cockburn befindet sich in der syrischen Stadt ar-Raqqa, die mehrere Jahre lang unter der Kontrolle des IS stand, im Oktober 2017 aber befreit werden konnte.

Cockburn berichtet unter Berufung auf kurdische und arabische Kämpfer, dass es in den vergangenen Wochen zu einem Wiedererstarken des als besiegt geltenden IS kam. Laut einem Kommandeur der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) sei beispielsweise Ende Februar ein Baggerfahrer, der einen Schutzwall errichten wollte, von einer Rakete des IS getötet worden sein. Der tragische Vorfall habe sich im Osten Syriens, im Gouvernement Deir ez-Zor, ereignet.

Im Gouvernement Deir ez-Zor liefern sich IS-Kämpfer und Kurden wieder heftige Gefechte. (Archivbild: Getty Images)

Auch in anderen Gegenden deuten Gefechte auf ein Wiedererstarken des IS hin. Einem kurdischen Offiziellen in Syrien zufolge seien alleine in den vergangenen sechs Wochen 170 kurdische Kämpfer von IS-Terroristen getötet worden. Auch im Irak meldet sich der IS zurück: Am 19. Februar griffen die selbsternannten Gotteskrieger westlich von Kirkuk eine staatsnahe Militärtruppe an, von der 27 Streitkräfte getötet wurden.

Aldar Khalil beklagt hohe Verlustraten. Der Co-Vorsitzende des „Exekutivkomitees für eine demokratische Gesellschaft“, das jene 30 Prozent Syriens führt, die von Kurden mit US-Unterstützung kontrolliert werden, sagt: „Schauen Sie sich unsere Friedhöfe an. Jeden Tag verlieren wir fünf, sieben oder 18 Märtyrer. Der IS ist nun derjenige, von dem die Attacken ausgehen, obwohl wir doch die waren, die in die Offensive gingen.“

Der IS profitiert von der zunehmenden Zahl an Konflikten in Syrien

Warum gerade jetzt diese Wiedergeburt des IS? Da sich der Konflikt in Syrien verschoben hat – unter anderem in die Stadt Afrin, wo türkische Truppen gegen Kurden kämpfen, und nach Ost-Ghuta, wo das syrische Militär gegen Islamisten kämpft – nutzen die Terrortruppen des IS das dadurch entstehende Vakuum und versuchen, neue Gebiete unter ihre Kontrolle zu bekommen.

Elham Ahmad, Co-Vorsitzender des „Demokratischen Rat Syriens“, kann diese Verlagerung aus eigener Erfahrung bestätigen: „Die geschlossene Front gegen den IS hat sich aufgesplittert. Meine Verwandten, die gegen den IS in Deir ez-Zor gekämpft haben, wissen, dass sie jetzt zurück nach Afrin gehen müssen, um die Türken dort zu bekämpfen.“

Laut Patrick Cockburn befindet sich das Wiedererwachen des IS allerdings noch in einem frühen Stadium.

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