Nach Sammelaktion von Nutella zur Fußball-WM: Grüne ziehen vor Werberat

35 Gläser Nutella mit umgerechnet 85.000 Kilokalorien müsste man konsumieren, um bei der „Lovebrands WM 2018“-Aktion einen signierten Fußball zu ergattern. (Bild: DAMIEN MEYER/AFP/Getty Images)

Nutella ist kein gesundes Lebensmittel für sportlich-aktive Fußballbegeisterte – doch die Werbung zur Fußball-WM wolle genau das weismachen, finden die Grünen. Und ziehen vor den Werberat. Ihr Argument: Mit einer Sammelpunkte-Aktion zur WM nutze Nutella das Vertrauen von Kindern aus.

Zur Fußball-WM lassen sich die meisten Produkthersteller besondere Werbeaktionen einfallen, um bei ihren Kunden zu punkten. Nicht anders beim Brotaufstrich Nutella: Bei der Sammelpunkteaktion „Lovebrands WM 2018“ konnte man einen Fußball mit 20 gedruckten Unterschriften von Spielern der Nationalmannschaft bekommen. Insgesamt waren dafür 70 Punkte nötig – in jedem gekauften Glas steckten zwei.

Das rief die Grünen auf den Plan. Zwar dürfen Sportgroßveranstaltungen wie die WM natürlich dazu genutzt werden, um Süßigkeiten an Kinder zu vermarkten. Nicht in Ordnung sei jedoch, so die Abgeordneten, den Eindruck zu vermitteln, dass es sich dabei um Essen handle, das mit einem aktiven Lebensstil gut verträglich ist. Konkret wirbt Nutella in der Werbung mit Kindern und Erwachsenen in feierlicher WM-Laune und dem Slogan „Die Zeichen stehen auf Sammeln“. Der Markenexperte Dr. Oliver Errichiello erklärt die Strategie dahinter so: Die WM sei ein Phänomen, bei dem unverzüglich ein gutes Gefühl entstehe. Die Marke nutze das Resonanzfeld Sport und projiziere es auf die eigene Leistung – oder das eigene Produkt. Für den Konsumenten entstehe dabei das Gefühl „ich esse Schokolade und bin trotzdem sportlich“, erklärt er in der Sendung „plusminus“. Das ist ein Werbe-Foul, findet der Grünen-Abgeordnete Harald Ebner.


Deswegen haben er und die frühere Verbraucherschutzministerin Renate Künast nun eine Beschwerde beim Deutschen Werberat eingelegt. „Nichts gegen das Produkt – wer es mag, soll es essen –, aber man darf Kindern nicht suggerieren, dass das irgendetwas mit sportlich-aktiv-gesund zu tun hat“, argumentieren sie in dem Brief an den Werberat. Darin fordern sie die „rote Karte für Nutella“: einen Stopp der Werbung und eine Abmahnung für den Hersteller Ferrero Deutschland. Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empörte die „Lovebrands WM 2018“-Aktion.


In 35 Gläsern Nutella stecken neben 85.000 Kilokalorien außerdem neun Kilogramm Zucker und fünf Kilogramm Fett. Als übermäßig zuckerhaltiges Produkt sei Nutella nicht nur kein gesunder Frühstücksaufstrich – es stehe einer gesunden Ernährung sogar entgegen, heißt es in der Beschwerde. Die Idole von Kindern zu engagieren, um ihnen das Gegenteil weiszumachen, nutze das besondere Vertrauen aus, das diese ihren Idolen entgegenbringen: Laut den Grünen ist das ein klares Foul.