Nach Rücktritt: Welle der Ablehnung gegen Mesut Özil

Mesut Özil hat in einem dreiteiligen Statement seinen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft erklärt. Die Reaktionen aus Politik und Sport fallen gemischt aus, geben dem 29-Jährigen aber größtenteils Recht.

Mesut Özil hat seinen Rücktritt aus dem DFB-Team erklärt. (Bild: Getty Images)

“Es ist gut, dass sich Özil endlich erklärt hat. Bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln müssen sich Spieler der Fußballnationalmannschaft Kritik gefallen lassen, wenn sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben. Zugleich darf diese berechtigte Kritik nicht in eine pauschale Abwertung von Spielern mit Migrationshintergrund umschlagen”, erklärte Annette Widmann-Mauz von der CDU.

Die Politikerin ist damit eine von vielen, die die Statement von Özil mit gemischten Gefühlen betrachten. Auf der einen Seite dürfe Rassismus nicht derart belohnt werden, gleichwohl wir das Foto mit dem türkischen Präsidenten Tayyip Erdogan weiterhin verurteilt.

“Respekt zolle ich nur Demokraten”

Das gilt auch für Cem Özdemir von den Grünen: “Mit dem Alleinherrscher Erdogan zu posieren empfinde ich als respektlos denen gegenüber, die in der Türkei gegängelt werden oder willkürlich im Gefängnis sitzen. Respekt zolle ich nur Demokraten.” Özil habe seine Vorbildsfunktion vernachlässigt.

Das gilt so nicht in der Türkei. “Wir unterstützen die ehrenvolle Haltung unseres Bruders Mesut Özil von ganzem Herzen”, twitterte Türkeis Sportminister Mehmet Kasapoglu. Auch der Justizminister Abdulhamit Gül “gratulierte” Özil zu seiner Entscheidung.

Hoeneß empört: Özil versteckt sich

Die deutsche Justizministerin Katarina Barley erklärte: “Es ist ein Alarmzeichen, wenn sich ein großer, deutscher Fussballer wie Mesut Özil in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht repräsentiert fühlt.“

Özil hatte in seinem Statement schwere Kritik am DFB und dessen Präsident Reinhard Grindel geübt. Uli Hoeneß vom FC Bayern München hatte dafür kein Verständnis: “Sportlich hat Özil seit Jahren nichts in der Nationalmannschaft verloren.” Özil würde sich hinter dem Erdogan-Foto “verstecken.”

Dass die Statement Özils in drei Teilen auf Twitter erschienen stieß dem FCB-Präsidenten ebenfalls sauer auf: “ Seine 35 Millionen Follower-Boys – die es natürlich in der wirklichen Welt nicht gibt – kümmern sich darum, dass Özil überragend gespielt hat, wenn er einen Querpass an den Mann bringt.

AfD hetzt kräftig gegen Özil

Auch Alice Weidel von der AfD teilte gegen Özil aus: “ Integrations-Träumerei funktioniert nicht einmal bei Fußball-Millionären!” Der Mann vom FC Arsenal habe sich mit seiner “Tirade” als Beispiel für “gescheiterte Integration” entpuppt. 

Partei-Kollege Bengt Hofmann schoss bei Facebook den Vogel ab: “Er sollte am besten auch direkt aus dem Land verschwinden. Nicht, dass der arme Junge in offenbar bewährter Tradition noch psychische Schäden davonträgt und demnächst mit einem Küchenmesser statt mit dem Ball spielt.”