Nach Özoğuz-Affäre: „Hart aber fair“ wird zur Alexander-Gauland-Show

Alexander Gauland stilisierte sich am Montagabend im Ersten zum Unschuldslamm. (Bild: dpa)

Eigentlich wollte Frank Plasberg mit seinen Gästen über die Haltung der Deutschen zu Trump, Putin und Erdoğan diskutieren. Am Ende kam es ganz anders. Denn im Zentrum der Debatte stand an diesem Abend einer der Gäste selbst: AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland.

Schon beim Blick auf die Gästeliste konnte man ahnen, dass der Abend in keinem guten Zeichen stehen würde. Am Montag lud Frank Plasberg zu folgendem Thema in sein Studio: „Der Bürgercheck zur Wahl: Wie umgehen mit Trump, Erdoğan und Putin?“ Allerdings fanden sich nicht, wie der Titel suggeriert, gewöhnliche Bürger am Pult von Plasberg ein. Neben Norbert Röttgen von der CDU, Grünen-Politiker Jürgen Trittin, AfD-Kandidat Gauland und der ARD-Korrespondentin Ina Ruck sorgte lediglich eine Jungwählerin aus Aachen für Bürgernähe.

Plasbergs erste Aussage ging bereits weit am eigentlichen Thema vorbei. Statt über Trump, Putin oder Erdoğan zu fachsimpeln, wollte Plasberg mit Gauland über darüber sprechen, wo die Grenzen des menschlichen Anstands in der Politik verlaufen.

Hintergrund: Gauland hatte jüngst Aydan Özoğuz, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, scharf attackiert. Auf die Aussage der SPD-Politikerin, eine spezifisch deutsche Kultur sei, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar, antwortete Gauland bei einer Wahlkampfveranstaltung in Eichsfeld, Thüringen, mit folgenden Worten: „Ladet sie mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.“

Für Aydan Özoğuz, hier bei einer Pressekonferenz, gibt es keine „spezifisch deutsche Kultur“. (Bild: ddp Images)

Bei jener Veranstaltung gab es unmittelbar nach dieser Aussage stehenden Applaus für Gauland. Im Rest der Republik ist man über diese Aussage jedoch schockiert. Vor allem das Wort „entsorgen“ sorgte parteiübergreifend für Empörung. Gauland entschuldigte sich kurz darauf in der „Jungen Freiheit“ lediglich für seine Wortwahl, inhaltlich stand der 76-Jährige allerdings zu seiner Aussage.

Bei „Hart aber fair“ soll Gauland nun Plasberg eine Erklärung für seinen Verbalausfall liefern. Und das tut er, indem er von sich ablenkt: „Mich hat ein SPD-Abgeordneter genannt, ich sei ein mieser dreckiger Hetzer. Dieser selbe SPD-Abgeordnete hat 2013 gesagt, ‚Ja, wir wollen alle die Merkel entsorgen‘. Es kann nicht sein, dass, wenn ich das Wort ‚entsorgen‘ nehme, das dann Hetze ist, wenn aber ein Sozialdemokrat das macht, ist das normale politische Auseinandersetzung.“ Gauland schiebt noch hinterher: Eine Assoziation zum Abfall habe er mit dem Wort „entsorgen“ nicht herstellen wollen.

Danach war es an den anderen geladenen Gästen, den Gauland-Özoğuz -Zwischenfall zu kommentieren. „Diese Sprache ist ekelhaft“, stellte Norbert Röttgen von der CDU fest. Grünen-Politiker Jürgen Trittin fand ebenfalls deutliche Worte: „Das geht gar nicht.“ Erst nach einer Viertelstunde lenkt der Moderator auf das eigentliche Thema der Sendung.

LESEN SIE AUCH: Gauland sieht keinen Anlass für Entschuldigung bei Özoguz

Über Trump, aber auch mit einem Seitenblick auf ihren Sitznachbarn Gauland, sagte die ehemalige US- und Russlandkorrespondentin Ina Ruck: „Verbale Gewalt, wenn sie von einer Bühne gesprochen wird, und wenn Anhänger da sind, die sich durch sowas ermutigt fühlen, führt häufig auch zu echter Gewalt.“ Sie selbst habe dieses Phänomen auf Wahlkampfveranstaltungen von Donald Trump erlebt.

Norbert Röttgen erinnert daran: Man dürfe Trump nicht mit dem Land verwechseln. Alexander Gauland findet gar das Trump-Bashing schlimmer als die Worte und Taten des US-Präsidenten selbst. Alle Gäste waren sich jedoch einig, dass man sich um ein gutes deutsch-amerikanisches Verhältnis bemühen sollte.

Danach zerfaserte die Diskussion. Putin, Erdoğan, Flüchtlinge, NATO – an diesem Abend ging es einfach um zu viele große Themen, als dass man ernsthaft und die Tiefe gehend darüber hätte diskutieren können.

Eine Warnung gab es an dem Abend auch. Die sprach Politik-Studentin Julie-Christin Göths aus. Sie verurteilte die Aussagen von Alexander Gauland über Aydan Özoğuz und appellierte, immer wieder daran zu erinnern, dass die AfD rechtsextreme Inhalte verbreite. Dies hinzunehmen sei sehr gefährlich.