Nach Morddrohungen: Die erste afghanische Kampfpilotin darf in den USA bleiben

Niloofar Rahmani 2015 als Pilotin in Afghanistan (Bild: AFP Photo/Shah Marai)

Niloofar Rahmani ist die erste Frau aus Afghanistan, die sich nach dem Sturz der Taliban zur Kampfpilotin ausbilden ließ. Im Westen wird sie als Gallionsfigur der Frauenrechte gefeiert, in ihrem Heimatland wird sie beleidigt und mit dem Tode bedroht – auch von der eigenen Familie. Nun gewährten ihr die USA Asyl.

Die 27-Jährige lebt seit 2015 in den USA. Sie war damals in die Vereinigten Staaten geflohen, nachdem sie und ihre engsten Familienangehörigen in Afghanistan Todesdrohungen erhalten hatten. Auslöser war die Karriere der jungen Frau, die schon als Kind davon träumte, in die Lüfte aufzusteigen. Niloofar Rahmani war die erste Frau, die in ihrem Heimatland eine Ausbildung zur Kampfpilotin beginnen konnte, nachdem die Taliban 2001 entmachtet wurden. Sie absolvierte ihre ersten Ausbildungsjahre in der Afghanischen Luftwaffe, wo sie es zum Leutnant brachte.

Doch dann widersetzte sie sich einer Tradition, die vorsieht, dass Frauen keine Toten und Verletzten transportieren dürfen. Bei einem Transportflug fand sie am Ziel verwundete Soldaten vor, die sie eigenmächtig ins nächste Krankenhaus flog. Ihre Vorgesetzten verhängten damals keinerlei Sanktionen. Doch als ihr Handeln öffentlich bekannt wurde, begannen die Drohungen gegen sie und ihre nächsten Verwandten. Ihr Bruder entging zweimal nur knapp einem Attentat. Auch aus Kreisen ihrer eigenen Großfamilie sollen „Ehrenmorde“ angedroht worden sein. Ihre unmittelbare Familie versteckt sich bis heute in Afghanistan vor den Taliban und ultrakonservativen Verwandten.

Mit dem Transport von Verwundeten verletzte Rahmani in ihrer Heimat ein Tabu (Bild: AFP Photo/Shah Marai)

2015 floh Niloofar Rahmani in die USA, wo sie ihre Ausbildung als Kampfpilotin fortsetzte. Im selben Jahr erhielt sie den „Internationalen Frauenpreis“ des US-Außenministeriums. Der Preis wurde ihr von Michelle Obama verliehen. Allerdings war ihr Aufenthaltsstatus nach ihrer Ausbildung in den USA unsicher. Bis jetzt. „Ich bin sehr froh und allen Leuten dankbar, die das ermöglicht haben“, sagte sie dem „Wall Street Journal“, der als erster von dem nun gewährten Asyl für die 27-Jährige berichtete. Sie wolle weiterhin afghanische Frauen dazu ermutigen, Berufe in der Luftfahrt zu ergreifen. Nun gelten ihre Sorgen ihrer Familie, da sie selbst in Sicherheit leben könne.


Der afghanische Sicherheitsminister lies auf Nachfrage ausrichten, dass Rahmani das Recht hätte, zu leben, wo sie wolle. Die Anwältin der jungen Frau, Kimberley Motley, zeichnet ein drastischeres Bild: Rahmani müsse im Falle einer Rückkehr in ihr Heimatland um ihre Sicherheit bangen. Die Pilotin möchte nun in den USA in der zivilen Luftfahrt arbeiten.