Nach Messerangriffen: Cottbus nimmt keine Flüchtlinge mehr auf

Seit Wochen ist die Lage in Cottbus angespannt. Immer wieder kommt es zu Gewalt zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. Als Brennpunkt gilt der Platz vor der Stadthalle. Viele Menschen sind verunsichert.

„Ich traue mich abends nicht mehr allein raus ohne Begleitung. Man wird vor allem hier an der Stadthalle immer wieder angepöbelt“, sagt eine Cottbuserin.

Rechte Gruppen machen mobil, allen voran die Initiative „Zukunft Heimat". Auslöser der jüngsten Proteste: zwei Messerattacken durch Syrer. Immer wieder kommt es in Cottbus aber auch zu rechtsextremer Gewalt. Viele Einwanderer fühlen sich nicht mehr wohl.

Ein junger Mann mit Migrationshintergrund sagt: „Wenn die Stimmung in Cottbus so bleibt gegenüber Ausländern, ziehe ich um. Ich bleibe nicht hier."

Von den 8000 Ausländern in Cottbus sind rund die Hälfe Flüchtlinge. Die meisten von ihnen kamen in den letzten zwei Jahren. Die Stadt klagt über Probleme bei der Integration, fühlt sich von Land und Bund alleingelassen. Brandenburgs Innenministerium zog Konsequenzen – und hat den Zuzug von Flüchtlingen gestoppt.

Für Politikwissenschaftler Gideon Botsch das falsche Zeichen: „Die Verbindung herzustellen zwischen dem Straßenradau, der hier gemacht wird, und der Entscheidung, keine Flüchtlinge mehr zuzuweisen – die finde ich fatal. Denn sie ist das Signal an diese Szene: Macht nur ordentlich Druck, schreit nur laut genug, dann werden wir euch schon keine Flüchtlinge mehr geben.“

Die Stimmung bleibt also aufgeheizt in der 100.000-Einwohnerstadt. In der Hoffnung, dass sie nicht endgültig kippt, wurde die Cottbuser Polizei deutlich aufgestockt. Im Februar wollen mehrere Vereine Demos für mehr Weltoffenheit organisieren – und ein Zeichen gegen die rechten Aufmärsche der letzten Wochen setzen.