Nach Las-Vegas-Massaker: Musiker Caleb Keeter ändert seine Meinung zu Waffenbesitz

59 Menschen kamen durch eine Massenschießerei auf dem “Route 91”-Festival in Las Vegas ums Leben, 500 wurden verletzt. (Bild: John Locher/AP/dpa)

Country-Musiker Caleb Keeter stand gerade auf der Bühne, als am 1. Oktober in Las Vegas ein schwer bewaffneter US-Amerikaner von seinem Hotelfenster aus das Feuer auf ein Musikfestival eröffnete. Nun gab der an sich überzeugte Waffen-Sympathisant ein überraschendes Statement.

In einem Twitter-Posting bekennt sich der Musiker dazu, bis jetzt ein Befürworter des “Second Amendement”, also des 2. Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten gewesen zu sein. Dieser sichert US-Bürgern das Recht zu, Schusswaffen zu besitzen und mit sich zu führen. Das Massaker am 1. Oktober brachte ihn dazu, seine Meinung zu ändern, schreibt Keeter – er fordert nun eine strengere Gesetzgebung.

“Mein ganzes Leben war ich ein Befürworter des 2. Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten. Bis zu den Ereignissen von letzter Nacht. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie falsch ich lag”, beginnt Keeters Statement.

“Wir haben tatsächlich Mitglieder mit Waffenscheinen für Handfeuerwaffen in unserer Crew und auch Schusswaffen an Bord. Sie waren nutzlos. Wir konnten sie nicht benutzen, da sonst die Polizei gedacht hätte, dass wir Teil des Massakers sind und auf uns geschossen hätten. Eine kleine Gruppe (oder ein Mann) verwüstete eine Stadt mit engagierten, furchtlosen Polizisten, die verzweifelt zu helfen versuchten – wegen einer irren Menge an Feuerkraft”, erklärt er – und stellt fest: “Genug ist genug.”

In seinem langen Posting erzählt Keeter außerdem, dass er bereits mit seinem Tod rechnete und Abschiedsnachrichten an seine Familie schrieb, während er in unmittelbarer Nähe einer Person stand, die von “diesem Feigling” erschossen wurde.

Jetzt sagt er: “Wir brauchen Schusswaffenkontrolle. GENAU. JETZT. Am meisten bereue ich, dass ich so stur war, das nicht zu realisieren, bis meine Brüder und ich davon bedroht wurden. Wir können uns unglaublich glücklich schätzen, nicht zu den Opfern zu gehören, die von diesem Irren getötet oder schwer verwundet wurden”, schreibt der Musiker.

Neben vielen Sympathiebekundungen erntete der Musiker aber auch Kritik für seine späte Erkenntnis: “Ich bin zwar froh, dass du und deine Nächsten am Leben sind, aber brauchte es wirklich einen persönlichen Angriff, um deine Meinung darüber zu ändern? Man nennt es Empathie. Bis heute hattest du keine”, schreibt ein Nutzer des Kurznachrichtendienstes.

Andere argumentieren, es komme nicht auf den Zeitpunkt, sondern die Erkenntnis an sich an: “Danke. Es ist mir egal, wie lange du für diese Erkenntnis gebraucht hast, wenn du eine Plattform hast, solltest du sie nutzen. Du kannst helfen”, schrieb eine Person.

“[…] Ich hasse es, dass es manchmal eine Tragödie braucht, um uns alle auf dieselbe Seite zu holen. Das ist nichts, wofür du dich schämen müsstest”, kommentierte ein anderer User.