Nach Hurrikan-Katastrophe: Trump verärgert bei Puerto-Rico-Besuch

Donald Trump bei seinem Besuch im puertoricanischen San Juan am 3. Oktober 2017 (Bild: AP Photo/Evan Vucci)

Zwei Wochen nach der Sturmkatastrophe besuchte US-Präsident Donald Trump Puerto Rico – und geriet einmal mehr ins Kreuzfeuer der Kritik.

Er hatte sich lange Zeit gelassen, bis er das Krisengebiet besuchte – als Donald Trump im puertoricanischen San Juan eintraf, um sich ein Bild von der dortigen Lage zu verschaffen und mit Betroffenen und Politikern zu sprechen, sorgte der US-Präsident direkt für einige Kontroversen.

Trump gab sich bei seinem Besuch volksnah und ging mit der Bevölkerung auf Tuchfühlung – fand aber nicht immer die richtigen Worte. Ein Gespräch mit Betroffenen, die ihm ihr Haus zeigten, beendete Trump mit den Worten “Have a good time” (dt. “Habt eine gute Zeit!”). Das sorgte im Internet für jede Menge Spott und Kritik.

“Der @realDonaldTrump-Roboter hat schon wieder eine Fehlfunktion, Trump sagt Hurrikan-Opfern in Puerto Rico ‘Habt eine gute Zeit’ – wie er das auch schon in Texas tat.”

“Trump ist ein Idiot. Was für ein Mensch würde das zu einem Hurrikan-Opfer ohne Strom, Wasser etc. sagen, ‘Habt eine gute Zeit'”, lästert eine Twitter-Userin.

Ein anderer User scherzt: “Was, Trump hat vergessen, ihnen #MAGA-Mützen auszuteilen? Wie sollen sie denn ohne Mützen eine gute Zeit haben?”

Eine weitere Person spielte auch auf Gerüchte zu Trumps Gesundheitszustand an: “Wenn Trump den Maria-Opfern ‘Habt eine gute Zeit’ wünscht, kann das mit mangelnder Empathie zu tun haben. Andererseits sagen auch Menschen mit Demenz oft solche Dinge.”

Aber damit nicht genug: In einem offiziellen Pressestatement verärgert Trump gleich bei seiner Ankunft die Bevölkerung, in dem er Wirbelsturm “Maria” als keine “wirkliche Katastrophe” titulierte, zudem schätzte der US-Präsident die Opferzahlen falsch ein.

“Wenn man sich eine echte Katastrophe wie ‘Katrina’ anschaut, mit Aberhunderten von Toten, und sieht, was hier bei dem Sturm passiert ist mit 16 Toten, könnt ihr sehr stolz sein”, so Trump. Kurz nach Trumps Abreise gab Gouverneur Ricardo Roselló bekannt, die Opferzahl sei auf mindestens 34 gestiegen.

Schon im Vorfeld wetterte der Präsident gegen die Bürgermeisterin von San Juan, Carmen Yulín Cruz. Sie hatte die USA für ihre mangelnde Katastrophenhilfe kritisiert. Trump warf ihr daraufhin mangelnde Führungsqualitäten vor. Beim Zusammentreffen der beiden gab es zwar ein Händeschütteln – Trump klammerte sie aber von seiner Dankesrede an die Katastrophenhelfer aus.

Auch die Rede selbst kam nicht ohne Kontroversen aus: Er lobte Gouverneur Roselló dafür, dass dieser ihn gelobt hatte und verlangte von der Kongressabgeordneten Jennifer González, etwas Nettes über ihn zu sagen. Ein wenig seltsam mutete es für viele auch an, als er beim Verteilen von Hilfsgütern Papiertücher päckchenweise in die Menge warf, wie dieses Video zeigt:

Wenig empathisch auch sein Kommentar über die Kosten: “Puerto Rico, es tut mir leid, euch das sagen zu müssen, aber ihr habt unser Budget ein bisschen durcheinandergebracht”, so Trump.

“Trump an Puerto Rico: Besorgt euch Papiertücher / Ihr habt das Budget ruiniert / Keine wirkliche Katastrophe / Sagte Familie ohne Strom ‘Habt eine gute Zeit'”, fasste eine Twitter-Userin Trumps Besuch im Katastrophengebiet zusammen.

“Trump verbringt fünfeinhalb Stunden in einem katastrophengebeutelten Puerto Rico und kann es kaum verbergen, wie wenig er sich einen Sch*** um das alles kümmert”, so ein anderer Nutzer der Kurznachrichtenplattform.

Der Präsident selbst lobte seine Puerto-Rico-Reise auf gewohnte Manier:

“Großartiger Tag in Puerto Rico gestern. Während manches an der Berichterstattung fake ist, zeigten die Meisten große Wärme und Freundschaft”, so der Präsident via Twitter.