Nach Baku-Ausraster: die Integrität der Formel 1 in Gefahr

Nach dem Grand Prix von Baku ist der Kuschelkurs zwischen den Formel-1-Stars vorbei. (Bild: SID)

Sebastian Vettels Ausraster beim Formel 1 Grand Prix von Aserbaidschan könnte noch ein Nachspiel haben. Nach der Ramm-Attacke gegen Lewis Hamilton darf sich der viermalige Weltmeister keinen Fehltritt mehr erlauben – sonst droht eine drakonische Strafe. 

Neben der zehnsekündigen Zeitstrafe während des Rennens bekam Vettel auch drei Strafpunkte von der FIA. Inklusive früherer Vergehen steht er damit bei neun Strafpunkten – die höchste Zahl im Fahrerlager. Bei einer ähnlichen Unsportlichkeit wie in Baku würde das Strafpunkte-Konto auf zwölf anwachsen – was laut Reglement einen einmaligen Rennausschluss zur Folge hat.

Beim Grand Prix von Österreich in Spielberg am 9. Juli steht der Ferrari-Pilot damit unter besonderer Beobachtung. Will er eine Sperre vermeiden, darf er sich dort keinen weiteren Fehltritt leisten. Sollte er dieses Rennen ohne Strafe überstehen, ist die Situation wieder entspannter: Dann verfallen zwei Strafpunkte des letztjährigen Österreich-Grand-Prix. Strafpunkte gelten saisonübergreifend, werden jedoch nach 12 Monaten gestrichen.

Strafe des FIA-Sportgerichts droht weiterhin

Was in diesem Fall jedoch noch nicht vom Tisch ist: Eine Strafe durch das internationale Sportgericht des Automobil-Verbandes FIA. Dessen Präsident Jean Todt verschonte Vettel schon einmal, als dieser Rennleiter Charlie Whiting während des Grand Prix von Mexiko heftig im Boxenfunk beleidigte. Vorausgegangen war ein illegales Manöver von Red-Bull-Pilot Max Verstappen bei einem Überholversuch von Vettel.

Fakt ist: Der viermalige Weltmeister muss seine Wut in den kommenden Rennen im Zaum halten. Der 29-Jährige kann eigentlich froh sein, dass die Strafe für sein Manöver gegen Hamilton bisher so glimpflich ausgefallen ist. Ein Rennausschluss wäre schon in Baku vertretbar gewesen, diese Art von Unsportlichkeit hat auf der Rennstrecke nichts zu suchen. Zumal er seinen Fehler nicht einmal einsehen wollte. Das ist eines viermaligen Weltmeisters nicht würdig, Emotionen und Anspannung auf der Rennstrecke hin oder her. Auch im Fahrerlager fielen die Reaktionen heftig aus.

Die Integrität der Formel 1 muss bewahrt werden

Vorerst ist er somit völlig zu recht auf Bewährung. Es ist ein Unterschied, ob man mit allen Mitteln um den Sieg kämpft und dabei auch an die Grenzen des Erlaubten geht – oder ob man aus reiner Wut sich selbst und den Kontrahenten in Gefahr bringt. Jeder weitere Fehltritt Vettels muss hart bestraft werden – um die Integrität der Formel 1 zu bewahren. Ein reguläres, fair ausgetragenes Rennen ist letztlich wichtiger als die Show.