Nach Attentat auf Fußballer: Sahra Wagenknecht fordert hartes Vorgehen gegen türkische Agenten

Sahra Wagenknecht warnt vor Agenten des türkischen Staatspräsidenten Erdogan in Deutschland. (Bild: AP Photo/Markus Schreiber)

Nach dem Mordversuch am kurdisch-deutschen Fußballer und Erdogan-Kritiker Deniz Naki fordert Linken-Chefin Sahra Wagenknecht ein Vorgehen der Bundesregierung gegen türkische Agenten in Deutschland.

„Es muss jetzt schnell aufgeklärt werden, ob türkische Todesschwadrone [sic] in Deutschland aktiv sind und mit dem Anschlag auf den Fußballprofi und Erdogan-Kritiker Deniz Naki in Düren in Verbindung stehen“, fordert Wagenknecht in einer Presseaussendung der „Linken“. „Es darf nicht sein, dass Menschen in Deutschland, die dem Erdogan-Regime kritisch gegenüberstehen, ihres Lebens nicht mehr sicher sind.“

Naki entging am Sonntagabend nur knapp einem Attentat. Der Fußballer, gegen den in der Türkei ein Haftbefehl wegen Terrorpropaganda vorliegt, fuhr mit seinem Auto auf der A4, als Unbekannte aus einem vorbeifahrenden Auto auf ihn schossen und Naki nur knapp verfehlten. Der Sportler geht von einem politischen Motiv aus: „Der Arm der türkischen Politik reicht weit – bis nach Deutschland. Dies musste ich diese Nacht auf schlimme Art und Weise erfahren“, sagte er Yahoo.

Deniz Naki ist den türkischen Behörden ein Dorn im Auge. (Bild: REUTERS/Christian Charisius)

Wagenknecht sieht nun Kanzlerin Angela Merkel und Innenminister Thomas de Maizière am Zug. Es sei deren Pflicht, „die kriminellen Aktivitäten des Erdogan-Netzwerks in der Bundesrepublik endlich zu unterbinden“, so die Linken-Politikerin. „Ich frage mich, was noch passieren muss, bis die Bundesregierung gegen das Erdogan-Netzwerk in Deutschland vorgeht. Muss es erst Tote geben, bevor gegen türkische Agenten konsequent vorgegangen wird?“

Das Thema türkische Agenten in Deutschland erhitzt schon lange die Gemüter. Bereits 1994 erschien im Magazin „Focus“ der Artikel „Erpresser im Freundesland“. Darin wird von „schmutzigen Tricks“ gesprochen, mit der türkische Geheimdienste gegen „mißliebige [sic] Landsleute in Deutschland“ vorgehen würden. „Hier, in Großstädten wie Berlin und Köln, sieht der türkische Überwachungsapparat die unsichtbare Front im Krieg gegen militante Separatisten. MIT-Agenten spähen die Unterstützer-Szene für die terroristische Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) aus“, heißt es im Artikel. Allerdings wurde der MIT als „befreundeter Geheimdienst des NATO-Partner Türkei eingestuft“. Die Folge, so „Focus“ damals: „Wenn die Schlapphüte aus Ankara es zu toll treiben, so heißt es salopp in Bonner Sicherheitskreisen, ‚haut man denen höchstens mal auf die Finger, anstatt alles an die Öffentlichkeit zu bringen’“.

23 Jahre nach Erscheinen des Artikels ist das Problem aktueller denn je. Auch der Umgang mit dem MIT sei nach wie vor eher leger – das kritisiert auch Wagenknecht in ihrer Presseaussendung: „Mit einem Servieren von Tee und dem Austausch von Nettigkeiten, wie am Wochenende in Goslar geschehen, können Erdogans Agenten in Deutschland allerdings nicht erfolgreich bekämpft werden.“

Kommen noch mehr Todesschwadronen?

Nicht nur in Deutschland ist das Problem aktuell: In Paris wurden am 09.01.2013 drei kurdische Aktivistinnen ermordet – darunter die Mitbegründerin der kurdischen Arbeiterpartei PKK, Sakine Cansiz. Der Hauptverdächtige, ein türkischer Staatsbürger namens Ömer Güney, starb vor seinem Prozess an einem Gehirntumor, weitere Ermittlungen blieben aus. Vor dem 5. Jahrestag hatten am Wochenende tausende Demonstranten in Paris eine lückenlose Aufklärung gefordert.

Im November 2017 begann der Prozess gegen den mutmaßlichen Spion Mehmet Fatih S.. Wie „Die Welt“ berichtete, soll ihn der türkische Geheimdienst MIT auf PKK-Funktionäre in Deutschland angesetzt haben.

Dass das kein Einzelfall ist, bestätigte Garo Paylan, Abgeordneter der türkischen HDP (Demokratische Partei der Völker), auf einer Pressekonferenz in Ankara: „Ich habe Informationen erhalten, dass es aus der Türkei heraus operierende Auftragskiller gibt, die in Europa, vor allem in Deutschland, eine Aktion gegen türkeistämmige [sic] Vertreter der Aleviten und Armenier sowie Journalisten, Schriftsteller und Akademiker planen. (…) Ich rede von Todesschwadronen, die bewaffnete Attentate organisieren. Vor allem gegen Persönlichkeiten, die Aufsehen erregen werden“, zitiert ihn die Seite „Heise.de“.

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