Nach Amoklauf in Florida: Stehen die USA vor einer Kehrtwende beim Waffenrecht?

Zwei Mädchen in Parkland trauern um ihre toten Mitschüler (Bild: Reuters)

Amerikaner haben ein verbrieftes Recht auf den Besitz von Waffen. Daran will kaum jemand ernsthaft rütteln, doch seit Jahren wird um strengere Kontrollen und Einschränkungen, etwa für Schnellfeuerwaffen, gerungen. Nach dem Amoklauf an einer Schule im US-Bundesstaat Florida könnte nun Bewegung in die Debatte kommen. Denn: So groß wie jetzt war der Unmut über die liberalen Waffengesetze selten.

Fast ein halbes Jahr nach dem Aufkommen der #MeToo-Debatte, die sexuelle Diskriminierung und Missbrauch in Hollywood und darüber hinaus anprangert, sieht es gerade so aus, als ob sich die nächste gesellschaftliche Massenbewegung anbahnt.

Wie gleich mehrere aktuelle Umfragen zeigen, war der Ruf nach schärferen Waffengesetzen noch nie so laut. Laut einer Befragung der Quinnipiac University unterstützen 66 Prozent der Amerikaner striktere Regelungen im Umgang mit Schusswaffen. Noch nie haben sich in der regelmäßigen Umfrage der Universität aus dem Bundesstaat Connecticut so viele Menschen für eine Änderung des Waffengesetzes ausgesprochen. 1.249 Menschen wurden dafür befragt.

Eine gemeinsame Umfrage des Fernsehsenders „ABC“ sowie der Zeitung „Washington Post“ kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Mehr als sechs von zehn Amerikanern werfen US-Präsident Donald Trump und dem Kongress vor, in der Vergangenheit nicht genug für die Prävention von Massenschießereien unternommen zu haben.

„Genug ist genug“: Viele Amerikaner fordern schärfere Waffengesetze (Bild: Reuters)

Vor diesem Hintergrund könnte sich nach der #MeToo-Debatte nun ein weiterer gesellschaftspolitischer Trend in den sozialen Netzwerken durchsetzen. Und zwar unter dem Hashtag #Oneless („eine weniger“). Amerikaner zerlegen oder zersägen ihre Schusswaffen, filmen die Aktionen und posten die Videos samt dem Hashtag auf Twitter oder Facebook.

Der aus dem Bundesstaat New York stammende Waffenbesitzer Scott Pappalardo dürfte diese Aktion gestartet haben, als er in einem Clip seine AR-15 zerstörte – dieselbe Waffe, die der Amokschütze in Florida benutzte – und sagte: „Ist das Recht, diese Waffe zu besitzen, wichtiger als das Leben von jemandem? Ich glaube nicht.“

In den Tagen seit dem Schulmassaker von Parkland am 14. Februar haben Schülerinnen und Schüler der Marjory Stoneman Douglas Highschool, wo ein Amokschütze 14 Schüler und 3 Erwachsene tötete, lautstark für eine Verschärfung der Waffengesetzgebung protestiert. Mit drei Bussen waren rund 100 Schüler von Florida in die Hauptstadt Washington aufgebrochen, um im Kapitol für das Verbot jener Waffe zu demonstrieren, die der Schütze bei seiner Tat verwendet hatte.

Bei einem Zwischenhalt in einer Schule in Floridas Hauptstadt Tallahassee sagte der 16 Jahre alte Schüler Alfonso Calderon vor rund 500 Leuten: „Wir werden morgen mit diesen Politikern reden. Wir werden mit ihnen auch am Tag danach reden. Wir werden weiterreden, wir werden weiter Druck machen, bis etwas getan wird, denn Menschen sterben und das darf nicht mehr passieren.“

Alfonso Calderon (r.) und Mitschüler im Bus auf der Reise nach Washington D.C. (Bild: Reuters)

Die Schüler machten auch Halt im Parlament von Florida, ebenfalls in der Hauptstadt Tallahassee. Dort wohnten sie auf der Tribüne einer Abstimmung bei. Als die Abgeordneten sich mit 71 zu 36 Stimmen gegen ein Verbot bestimmter halb automatischer Gewehre aussprachen, brachen einige Jugendliche in Tränen aus. Wie CNN berichtet, rief die anwesende Schülerin Sheryl Acquaroli in Richtung der Abgeordneten: „Wenn es wieder ein Massaker gibt, wird es Ihre Schuld sein.“

Eine Jugendliche bricht nach dem Abstimmungsergebnis in Tränen aus (Bild: Reuters)

Aber nicht nur die betroffenen Schüler aus Parkland lehnen sich gerade gegen die bestehenden Waffengesetze auf: An mindestens zwei Schulen im Süden Floridas verließen Schülerinnen und Schüler am Dienstag geschlossen den Unterricht, um gegen Waffengewalt zu protestieren.

Auch in anderen Bundesstaaten formiert sich Widerstand: Im Stadtrat von Dallas im ansonsten schusswaffenfreundlichen US-Bundesstaat Texas sprach sich ein Abgeordneter gegen die für Anfang Mai geplante Jahresversammlung der National Rifle Association (NRA) aus. Wenn es nach dem Demokraten Dwaine Caraway geht, dann soll die NRA ihr dreitägiges Event in einer anderen Stadt abhalten.

Caraway, der betonte, selbst Besitzer von fünf Schusswaffen zu sein und hinter dem zweiten Verfassungszusatz, der das Recht auf Waffen garantiert, zu stehen, will seiner Stadt unnötigen Ärger ersparen. Sollte die NRA nämlich nach Dallas kommen, werde es „Märsche und Demonstrationen geben“, warnte der Politiker in einem Statement für den Sender WFAA.

Auch Donald Trump hat nach anfänglichem Schweigen auf die immer lauter werdenden Forderungen nach schärferen Waffengesetze reagiert. Der US-Präsident kündigte an, sogenannte „Bumb Stocks“ verbieten lassen zu wollen. Dabei handelt es sich um Zubehörteile, die aus halbautomatischen Waffen vollautomatische machen. Laut „Washington Post“ hat der Amokschütze von Parkland allerdings keinen „Bumb Stock“ verwendet.