Nach 14 Jahre langem Warten: 3G für Palästinenser im Westjordanland

Bunte Werbeanzeigen künden in Ramallah im Westjordanland von einem neuen Zeitalter, von der dritten Generation des Mobilfunkstandards, kurz 3G. Und das 14 Jahre nachdem dieser Service zum ersten Mal von israelischen Providern angeboten wurde. Eine neue Ära also, deren Technologie im Grunde längst überholt ist. Denn auf israelischer Seite liegt der Standard bei 4G, und das bereits seit 2014.

Ammar Aker ist Chef der palästinensischen Unternehmensgruppe, die den Mobilfunkdienst Jawwal anbietet, seit kurzem in 3G. Auch er weiß: es gibt noch mehr zu erreichen.

"Im Gazastreifen können wir den 3G-Standard nicht anbieten, weil dort noch Beschränkungen gelten, die uns Israel auferlegt hat. Seit zwölf Jahren besetzen sie Frequenzen, die dort für palästinensische Anbieter wichtig wären."

In mehr als eintausend Funkmasten habe seine Firma im Westjordanland investiert, insgesamt mehr als 40 Millionen US-Dollar ausgegeben. Ergebnis: ein flächendeckendes Netz, eine größere Reichweite und eine "vernünftige" Surfgeschwindigkeit für die palästinensischen Kunden, so der Direktor.

Die Einführung es 3G-Standards ist politisch aufgeladen, Israel hat lange versucht, den Palästinensern und damit auch der bewaffneten Hamas, dieses Update zu verweigern. Bisher galt im Westjordanland der 2G-Standard, der Anrufe und limitierte Datenübertragung ermöglicht. Erst mit der 3G-Technologie können nun auch Kunden palästinensischer Anbieter das Internet umfangreicher nutzen. Social-Media-Aktivist Mahmoud Hrebat sieht in dieser späten Errungenschaft die Chance, den Interessen der Palästinenser Gehör zu verschaffen:

"3G bedeutet unmittelbare Authentifizierung. Damit können Journalisten und palästinensische Aktivisten ein Ereignis direkt dokumentieren und es mit der Welt teilen. Das bedeutet wiederum mehr Interaktion und die Vermittlung eines kompletteren Bildes von unserem Leben hier."

Fast vier Millionen Kunden haben die palästinensischen Anbieter Jawwal und Waraniya im Westjordanland - und im Gazastreifen, wo 3G noch immer nicht verfügbar ist. Die Beschränkung der palästinensischen Frequenzen auf den 2G-Standard war für israelische Anbieter ein gutes Geschäft. Fast 500.000 ihrer Sim-Karten haben sie an Bewohner des Westjordanlands bisher verkauft.