Nabu: Jede dritte Wildbienenart gefährdet

Unweltschutzverbände und Opposition fordern von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), die "Symbolpolitik" zu beenden. Sie solle sich für eine bienenfreundlichere EU-Agrarpolitik einsetzen

Jede dritte Wildbienenart in Deutschland ist gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Wie die Umweltschutzorganisation Nabu am Donnerstag mitteilte, sind außerdem bereits 39 der 560 hierzulande lebenden Arten ausgestorben. "Der Insektenrückgang ist kein kleines Problem, das mit ein paar netten Aktionen hier und da gelöst werden kann", erklärte Nabu-Geschäftsführer Leif Miller. Die für die Bestäubung wichtigen Insekten könnten nur dann gerettet werden, wenn die Agrarpolitik sich grundsätzlich wandle.

Miller bezog sich damit auf Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), die am Donnerstagnachmittag in ihrem Ministerium zwei Bienenstöcke einweihte. Klöckner stellte gemeinsam mit ihrem slowenischen Amtskollegen Dejan ?idan eine "Bienen-Allianz" vor, die den wissenschaftlichen Austausch im Imkerei-Bereich fördern soll. Außerdem erklärte sie, gemeinsam mit Slowenien für eine bienenfreundliche Agrarförderungspolitik der EU nach 2020 eintreten zu wollen.

Slowenien ist der Initiator des Weltbienentags der Vereinten Nationen am 20. Mai, auf den auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Generalaussprache im Bundestag am Mittwoch hingewiesen hatte.

Klöckner appellierte an die Menschen in Deutschland, auf ihren Balkonen und in den Gärten mehr Blumen zu pflanzen, die den Bienen als Futter dienen. Dazu habe sich auch die anderen Ministerien und die Bundesländer eingeladen.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, erklärte bei der Veranstaltung im Landwirtschaftsministerium, dass Bauern und Imker die gleichen Interessen hätten. "Schon jetzt legen die Landwirte zahlreiche Blühflächen und Bienenweiden an, damit die Insekten Nahrung finden. Das soll noch mehr werden". Er forderte von der EU, den Bienenschutz nicht durch bürokratische Auflagen auszubremsen.

Umweltschützer von Nabu und WWF sowie die Grünen forderten Klöckner auf, die "Symbolpolitik" zu beenden. Sie müsse sich in Brüssel entschieden dafür einsetzen, dass weniger Planzenschutzmittel ausgebracht werden und der Feldanbau sich mehr an den Bedürfnissen der Insekten ausrichtet. Der derzeitige Entwurf für die Agrarförderung nach 2020 gehe in die falsche Richtung. "Blühstreifen müssen wieder selbstverständlicher Bestandteil der Agrarlandschaft werden", erklärte Nabu-Chef Miller.