Nächster Rückschlag für Paydirekt

Der Onlinebezahldienst der deutschen Banken, Paydirekt, kommt schwer in die Gänge. Jetzt schaltet mit Reuter auch noch ein größerer Onlineshop Paydirekt vorerst wieder ab. Die Kunden nutzten die Bezahlart einfach nicht.


Mit großen Erwartungen ist Paydirekt Ende 2015 gestartet. Doch der Onlinebezahldienst der deutschen Banken tut sich schwer, was Anbindung wichtiger Onlineshops, Anmeldung von Verbrauchern und Transaktionen angeht. Jetzt folgt ein weiterer Rückschlag: Mit dem Online-Möbelhändler Reuter schaltet ein größerer Shop nun Paydirekt vorerst wieder ab.

„Für uns steht im Vordergrund, welche Zahlungsarten Kunden wünschen und am stärksten nachfragen. Bei Paydirekt ist es so gewesen, dass diese Zahlart einfach zu wenig in Anspruch genommen wurde“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Das Unangenehme für Paydirekt: Das Unternehmen zählt Reuter eigentlich zu seinen „Topshops“ – auf der Internetseite prominent auch am Mittwochvormittag noch.


Dabei weiß auch Paydirekt, dass Reuter nicht mehr dabei ist. Der Händler habe sich dazu entschieden, ausschließlich die am häufigsten genutzten Zahlverfahren anzubieten und sein Angebot an Zahlarten neu ausgerichtet, so eine Paydirekt-Sprecherin. Die Hoffnung: „Reuter.de wird Paydirekt zu gegebener Zeit wieder live schalten.“ Bei Reuter klingt das etwas zurückhaltender: „Falls sich eine gesteigerte Nachfrage nach Paydirekt ergeben sollte, würden wir diese Zahlungsart wieder in Betracht ziehen“, so das Unternehmen.

Mit Paydirekt wollen die deutschen Geldhäuser dem US-Konkurrenten Paypal Paroli bieten und sich im wachsenden E-Commerce-Markt behaupten. Bisher sind fast 1100 Händler bei Paydirekt angebunden. Darunter ist allerdings kaum einer der 100 größten Onlinehändler in Deutschland, über die die meisten Umsätze im E-Commerce laufen. Nur 45 Online-Shops, bei denen man über Paydirekt kaufen kann, gehörten laut dem Kölner Handelsforschungsinstituts EHI jüngst zu den 1000 umsatzstärksten der E-Commerce-Branche.


Sieben Millionen Nutzer als Ziel für 2017


Hinzu kommt, dass es bei Paydirekt auch mit den Anmeldungen der Verbraucher hapert. Rund eine Million Kunden haben sich registriert, aber zuletzt ging es bei den Neuanmeldungen kaum voran. Jedenfalls gilt das für die Sparkassen, dem Marktführer bei deutschen Privatkunden. Dort waren die Registrierungen zuletzt rückläufig.

Dabei hat Paydirekt sieben Millionen Kunden als Ziel bis Jahresende ausgegeben, wie es in Finanzkreisen heißt. Bis 2020 steht sogar die Nutzerzahl von 20 Millionen im Raum. Beides Vorgaben, die das Unternehmen nur schwer erfüllen wird. Vor allem sieben Millionen Registrierungen für dieses Jahr gelten als viel zu hoch gegriffen.


Zumindest im vergangenen Jahr war die Zahl der Käufe über Paydirekt sehr gering. Nach Handelsblatt-Informationen liefen bis Ende 2016 weniger als 100.000 Transfers. Paydirekt gibt bisher keine Transaktionszahlen bekannt.

Zum Vergleich: Der große Kontrahent Paypal zählt in Deutschland fast 19 Millionen aktive Nutzer, die bei mehr als 50.000 Onlineshops bezahlen können, gibt aber keine Transferdaten für das Land an. Sollten die deutschen Kunden den US-Bezahldienst so oft nutzen wie die Kunden im internationalen Schnitt, dürfte der US-Konzern hier im vergangenen Jahr rund 500 Millionen Transaktionen gezählt haben.