Nächste Wende im irren Modeste-Poker

Anthony Modeste läuft künftig in China auf

Gericht statt Geißbockheim: Die Schlammschlacht zwischen Torjäger Anthony Modeste und dem Bundesligisten 1. FC Köln findet aller Voraussicht nach am Donnerstag (11 Uhr) bei einem Kammertermin vor dem Kölner Arbeitsgericht ihren unrühmlichen Höhepunkt.

Modeste will Teilnahme am Trainingslager erzwingen

Modeste klagt im Rahmen eines einstweiligen Verfügungsverfahrens auf seine Wiederteilnahme am Trainingsbetrieb und will entsprechend auch ins Trainingslager der Geißböcke nach Österreich nachreisen.

Europa-League-Teilnehmer Köln hatte am Sonntag Modeste freigestellt, "damit er sich mit seiner Zukunftsplanung beschäftigen und über seine Karriere nachdenken kann". Danach war die Mannschaft von Chefcoach Peter Stöger nach Bad Radkersburg in die Steiermark aufgebrochen.

Für die Verhandlung am Donnerstag hat das Arbeitsgericht das "persönliche Erscheinen" der Streitparteien angeordnet. Falls er nicht selbst kommen will, könnte Modeste sich allerdings auch durch seinen Anwalt, den Kölner Arbeitsrechtler Christoph Legerlotz, vertreten lassen.

Kommt es zur außergerichtlichen Einigung?

Möglich scheint aber auch, dass sich die beiden zerstrittenen Parteien in letzter Sekunde einigen und sogar der von Modeste bevorzugte Transfer zum chinesischen Klub Tianjin Quanjian doch noch über die Bühne geht. Der 29-jährige Franzose hat dort bereits einen Vertrag unterschrieben.

Bis Freitag müsste der Wechsel nach Fernost aber eingetütet sein, da an diesem Tag das Transferfenster in China schließt.

Die Ablösesumme von 35,7 Millionen Euro ist offenbar bereits auf das FC-Konto überwiesen, weitere Forderungen von Modeste haben den Abschluss des Geschäfts aber wieder verhindert. Der Wechsel platzte, weil Modeste keinen Auflösungsvertrag in Köln unterzeichnete.

Ehefrau vom Modeste angeblich gegen China

Nach Informationen des Kölner Stadt-Anzeigers soll sich allerdings Modestes Ehefrau Maeva mittlerweile gegen einen Umzug nach China ausgesprochen haben. Ihr sei ein Wechsel zu Olympique Marseille nach Frankreich oder zum Premier-League-Klub West Ham United deutlich lieber - und wohl auch ein Verbleib in der Domstadt.

Dass ihr Mann, der die Kölner nach 25 Jahren mit seinen 25 Treffern maßgeblich wieder in den Europacup geführt hatte, aber noch einmal das FC-Trikot überstreift, gilt als unwahrscheinlich.

Kölns Manager Jörg Schmadtke ist vom Dauerthema sichtlich genervt, er wiederholte auf Anfrage am Mittwoch lediglich, es sei legitim, "dass der Spieler versucht, seine Rechte wahrzunehmen". Weiter wollte sich der FC, der seinerseits durch Star-Anwalt Stefan Seitz vertreten wird, nicht mehr äußern. Trainer Peter Stöger sagte bei Sky lediglich: "Ich trainiere mit den Spielern, die der Verein mir zur Verfügung stellt."

Ausleihgeschäft möglich

Modeste hält sich mit seinem persönlichen Trainer Yannick Braun in Köln fit. Hinter den Kulissen wird wohl von den Juristen noch fieberhaft an einer außergerichtlichen Lösung gearbeitet.

Möglicherweise einigen sich Modeste und der FC noch auf ein Ausleihgeschäft für zwei Jahre. Der dreimalige deutsche Meister könnte Spekulationen zufolge dann sechs Millionen Euro direkt kassieren und später von einer 29-Millionen-Kaufoption der Chinesen profitieren. So wäre allen Seiten geholfen.

An eine einvernehmliche Lösung glaubt auch Rechtsanwältin Corinna vom Berg. "Ich gehe davon aus, dass sich die beiden Parteien noch vor dem Gerichtstermin einigen", sagte die renommierte Sportrechtsexpertin aus Düsseldorf. Ansonsten hätte ihrer Auffassung nach Modeste vor Gericht gute Karten, da sein Vertrag mit Köln ja noch nicht aufgelöst ist: "Dann hätte er ein Recht auf Beschäftigung, also auf eine Teilnahme am Trainingsbetrieb."