Der nächste Crash kommt bestimmt – so bekommst du deine Emotionen in den Griff

Franziska Eggert, Motley Fool beitragende Investmentanalystin
·Lesedauer: 4 Min.

Ob du dich nun für einen emotionalen Menschen hältst oder nicht – bei einem Crash kann man auch als langfristiger Anleger schon mal die Nerven verlieren. Das ist auch nicht verwerflich. Immerhin geht es meist um das mühsam angesparte Vermögen, das im Alter bestenfalls einen Teil der Existenzgrundlage stellen soll.

Vielleicht hast du bei einem Börsenabschwung selbst schon mal eine sehr emotionale Entscheidung getroffen, die du später bereut hast. Es gibt einige Phänomene an der Börse, vor denen man sich und die eigenen Investments möglichst schützen sollte. Welche das sind und wie du sie überlistest, erfährst du in diesem Artikel.

Der nächste Crash kommt bestimmt

Zu einem Crash kommt es an den Börsen immer wieder. So ein ausgewachsenes Börsenbeben haben wir gerade hinter uns: Im Februar/März erlebte der Dax mit einem Verlust von 32 % in knapp drei Wochen das schwärzeste Börsenkapitel in seiner 33-jährigen Geschichte. Nie zuvor stürzte er in so kurzer Zeit so stark ab.

Dabei ordnen sich Crashs natürlich nicht einem regelmäßigen Rhythmus unter. Trotzdem versuchen berühmt-berüchtigte Crashpropheten und Börsengurus immer wieder, solche Börsenabschwünge vorherzusagen. Doch sie liegen meist falsch oder landen höchstens mal vereinzelt einen Glückstreffer. Das liegt ganz einfach daran, dass so viele Faktoren einen Einfluss auf die Börsenkurse haben. Da ist es schier unmöglich, verlässliche Prognosen abzugeben.

Über Aktionismus und Herdentrieb

Dass wir an der Börse oft emotional reagieren, hängt also meist auch damit zusammen, dass die Kurse urplötzlich und unerwartet auf Talfahrt gehen und wir das Gefühl haben, nun schnell handeln zu müssen. Dabei ist es gerade in solchen Situationen oft am besten, einfach die Füße stillzuhalten und nichts zu tun. Da wären wir auch gleich bei der ersten Verhaltensweise, die du tunlichst vermeiden solltest: Aktionismus.

Wenn die Kurse einbrechen und die Stimmung an der Börse unvermittelt von Euphorie in Panik umschlägt, ändern viele Anleger zu schnell ihre Strategie, kaufen oder verkaufen Aktien überstürzt und werfen die eigenen Ziele oder Verlustgrenzen einfach über Bord.

Hört man noch dazu ständig davon, dass andere Anleger ihre Aktien abstoßen, neigt man mitunter dazu, ebenfalls auszusteigen, weil man verunsichert ist. Dieses Phänomen nennt man Herdentrieb. Er kann ebenso gefährlich sein wie Aktionismus.

Die gute Nachricht: Laut Experten, die sich mit Behavioral Finance und Neurofinanz befassen, kann man solche Situationen und die eigenen emotionalen Reflexe trainieren. Man kann lernen, die Situation rechtzeitig zu erkennen, um dann diszipliniert zu bleiben.

So überlistest du deine Emotionen

Wie kannst du solche Fehler am besten vermeiden? Hier sind ein paar nützliche Tipps:

  • Strategie festlegen und im Blick behalten: Zunächst einmal ist es hilfreich, dir über deine Strategie klar zu werden und sie am besten aufzuschreiben. Lege möglichst klare strategische Regeln für schwierige Börsenphasen fest.

  • Größe des Einsatzes beachten: In jedem Fall solltest du nur so viel investieren, wie du dir leisten kannst. Es ist empfehlenswert, immer einen ausreichend großen Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto zu haben. Wenn du Geld investierst, das du eigentlich demnächst für eine Anschaffung brauchst, kann deine Reaktion im Crash deutlich emotionaler ausfallen (bis hin zum Panikverkauf).

  • Bewusst handeln: Du solltest immer wissen, was du tust und warum du es tust. Führe dir immer die Gründe für dein Handeln vor Augen. Sind diese Gründe rational oder eher emotional? Selbstreflexion ist das Zauberwort!

  • Vorbereitung ist alles: Dass wir nicht wissen können, wann der nächste Crash kommt, haben wir oben schon geklärt. Trotzdem kannst du dich gewissenhaft auf einen Handel vorbereiten, damit dich möglichst wenig überraschen kann. Vor dem Kauf einer Aktie ist es beispielsweise lohnenswert, das Unternehmen genau zu analysieren. Je überzeugter du von dem Unternehmen bist, desto eher wirst du auch im Crash an der Aktie festhalten können.

  • Im Notfall Nachrichtendiät und Börsenpause: Wenn du langfristig investierst und weißt, dass du zu sehr panischen Reaktionen neigst, könnte es im Crash sogar hilfreich sein, eine Börsenpause einzulegen. Vor allem wenn du ausschließlich in ETFs investierst, musst du normalerweise nicht ständig ins Depot schauen. Natürlich ist dieser Tipp mit Vorsicht zu genießen, denn wenn du Aktien hältst, kann mitunter auch mal ein Notverkauf erforderlich sein (Stichwort Wirecard-Skandal).

  • Gleichgesinnte suchen: Und schließlich ist es empfehlenswert, sich Gleichgesinnte zu suchen. Ideal wären natürlich andere erfahrene langfristige Anleger, die schon seit vielen Jahren an der Börse aktiv sind. Mit ihnen kannst du dich austauschen, und ihr könnt euch in schwierigen Zeiten gegenseitig bestärken. Außerdem werden einem viele Dinge oft klarer, wenn man sie mit jemandem bespricht. Bestenfalls hat so ein Austausch also einen positiven Effekt auf deine Anlageentscheidungen.

Diese Tipps sollten dir helfen, emotionale oder unlogische Entscheidungen zumindest noch einmal zu überdenken. Hoffentlich bewahren sie dich vor dem einen oder anderen Fehltritt an der Börse!

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Franziska besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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