Der nächste Brexit-Coup für Frankfurt


Die US-Großbank Citigroup will Insidern zufolge wegen des Brexits ihren EU-Sitz nach Frankfurt verlagern. Noch in dieser Woche wolle das Geldhaus den Schritt bekanntgegeben, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Montag. Zuvor hatte Sky News darüber berichtet.

Das amerikanische Geldhaus hatte bereits laut darüber nachgedacht, nach dem EU-Austritt Großbritanniens (Brexit) Arbeitsplätze von London nach Frankfurt zu verlagern. Bisher wickelt die Citigroup - wie andere internationale Banken - von London aus einen großen Teil ihres europäischen Großkundengeschäfts ab.


In London tätige Banken brauchen ab März 2019 eine Gesellschaft mit EU-Banklizenz, wenn sie weiter Produkte und Dienstleistungen in den verbleibenden 27 Mitgliedsstaaten der Union anbieten wollen. Viele Geldhäuser prüfen deshalb die Verlagerung von Geschäften etwa nach Paris, Dublin oder Frankfurt. Für Frankfurt spricht die stabile deutsche Wirtschaft, die gute Infrastruktur sowie die ebenfalls in der Stadt angesiedelte Europäische Zentralbank.

James Amine, Investmentbanking-Vorstand von Credit Suisse, glaubt, dass Frankfurt „durch den Brexit die meisten Arbeitsplätze in der Finanzbranche hinzugewinnen wird“. Experten rechnen mit 10 000 neuen Jobs am Main. Die Deutsche Bank baut Frankfurt zum europäischen Zentrum ihres wichtigsten Bereichs, des Wertpapierhandels, aus. Der Handel für kontinentaleuropäische Firmenkunden wird am Main konzentriert.


Trotz allem Enthusiasmus hat Frankfurt als Finanzzentrum allerdings noch einen sehr weiten Weg vor sich. Die britische Beratungsgesellschaft ZYen berechnet seit 2007 eine Rangliste der globalen Finanzzentren, London führt derzeit vor New York, Frankfurt rangiert abgeschlagen auf Platz 23 hinter der chinesischen Stadt Shenzen und nur knapp vor der koreanischen Hauptstadt Seoul.