Die nächste Bitcoin-Spaltung rückt näher


Langsam wird es unübersichtlich. Im Juli haben sich Bitcoins bereits aufgespalten in ihre bisherige Variante und „Bitcoin Cash“, eine neue virtuelle Währung. Mit mäßigem Erfolg für die Abweichler. Die alte Variante hat laut Coinmarket.com eine Kapitalisierung von 65 Milliarden Dollar, was fast der Hälfte des Werts aller Kryptowährungen entspricht. „Cash“ kommt dagegen nur auf acht Milliarden.

Im November droht nun eine neue Spaltung. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet, schwinden die Aussichten dahin, diesen Schritt zu verhindern. Die Abweichler haben sich schon im Mai gefunden und ein sogenanntes New-York-Agreement bekannt gegeben. Dahinter standen nach eigener Aussage 58 Unternehmen mit gut 80 Prozent der weltweiten Computerkapazität, die bei der Schaffung von Bitcoins zum Einsatz kommt.

Zunächst bleibt festzuhalten: Bei jeder Spaltung bekommen die bisherigen Inhaber der virtuellen Münzen zwei Exemplare – also eine nach der alten und eine nach der neuen Variante. Allerdings gab es beim letzten Mal ein paar technische Hürden dabei, die neuen Coins tatsächlich zu erhalten. Außerdem bringt ein drohender Split Unruhe in den Markt und wirft einen Schatten auf das ursprüngliche Versprechen, das mit den Bitcoins verbunden war. Danach sollte dieses Konzept gerade verhindern, dass beliebig viele neue Münzen geschaffen werden können. Innerhalb jeder Variante wird dieses Versprechen auch eingehalten, aber insgesamt werden mit zwei Aufspaltungen natürlich mehr Münzen geschaffen.


Hintergrund der Aufspaltungen ist, dass Bitcoins am eigenen Erfolg leiden. Schnell und billig sollen Zahlungen mit dem System möglich sein. Anfänglich wurde jede Transaktion nach rund zehn Minuten bestätigt. Aber schon im vergangenen Jahr kam das System an seine Grenzen, und der Vorgang dauerte mitunter Stunden. Das führte zu einer langen und hitzigen Diskussion.

Viele Bitcoin-Fans wollten möglichst am alten System festhalten, auch aus Gründen der Glaubwürdigkeit. Andere möchten das System praktikabel machen und erweitern. Dazu gehören Firmen, die Anwendungen auf Bitcoin-Basis entwickelt haben, und so genannte Miner, die mit hohen Computerkapazitäten den Konsens über die erfolgten Zahlungen sicherstellen und dafür neue Coins schaffen dürfen.

Um die Kapazität zu erweitern, gibt es zwei Möglichkeiten. Einmal kann die Funktionsweise der Blocks so verändert werden, dass sie mehr Informationen speichern können. Die Blocks sind eine Art elektronischer Buchungssätze, mit denen Zahlungen festgehalten werden. Die erste Möglichkeit wäre also, im übertragenen Sinne, die Einträge mit kleinerer Schrift oder mit Abkürzungen in das Buchungsjournal einzutragen.

Die zweite Möglichkeit ist, ein größeres Journal anzuschaffen, bei dem auf jeder Seite mehr Platz ist. Die Entwicklung ist nun folgendermaßen verlaufen: Bei den traditionellen Bitcoins wurde die Kapazität durch die Nutzung von Abkürzungen erhöht, bei Bitcoin Cash kommt ein größeres Journal zum Einsatz, und bei der künftigen Spaltung wird eine Variante mit Abkürzungen und dem größeren Journal geschaffen, also eine Kombination der bisherigen Verfahren.


Technisch gesprochen kommt bei den alten Coins ein Konzept mit dem Namen „Segegrated Witness“ (Segwit) zum Einsatz, das mit einer geänderten Speichertechnik Platz schafft. Bei Bitcoin Cash hingegen wurde die Kapazität eines jeden Blocks auf zwei Megabyte verdoppelt und anschließend schrittweise auf acht Megabyte erhöht, unter Verzicht auf Segwit. Die nächste Variante, auch als Segwit2x angekündigt, soll die Kapazität auf zwei Megabyte verdoppeln und mit Segwit kombinieren. Nur wenn sich alle auf diesen Schritt einigen, ist eine Aufspaltung noch zu verhindern.


In den letzten Wochen gab es ein Dauerfeuer von Kritik an Bitcoins. Allen voran hat Jamie Dimon, der Chef von JP Morgan, die Kryptowährung als „Betrug“ bezeichnet. Hinterher stellte sich heraus, dass einige seiner Kunden über Systeme seiner Bank Wertpapiere gekauft haben, die den Wert von Bitcoins abbilden. Im Netz ging daher der irrtümliche Vorwurf herum, Dimon wolle den Kurs der virtuellen Münzen drücken, während seine Bank sie selber kauft.

Bisher haben die virtuellen Münzen ihre eigenen Probleme und externe Kritik gut überstanden. Auf Kurseinbrüche folgte meist recht schnell eine Erholung.