Mysteriöser Fund in Mönchsgrab aus 14. Jahrhundert

Es ist die kurioseste Entdeckung, die er in 35 Jahren gemacht hat: Bei Ausgrabungen auf der kleinen britischen Kanalinsel Chapelle Dom Hue vor Guernsey ist der Archäologe Philip de Jersey von der Oxford University auf etwas gestoßen, das Forscher vor ein Rätsel stellt. Denn das Skelett, das er und sein Team in einem Mönchsgrab fanden, stammte zur Verblüffung aller Beteiligten nicht von einem Menschen.

Auf den ersten Blick wirkte das Grab, das Philip de Jersey und sein Team fanden, keineswegs ungewöhnlich. Die sorgfältige Beisetzung und die Ost-West-Ausrichtung erweckte zunächst den Anschein, als wäre hier ein Mönch im 14. Jahrhundert nach christlicher Tradition beigesetzt worden. Doch als die Archäologen die Gebeine freilegten, stellten sie bei näherer Begutachtung fest, dass es sich nicht um die Überreste eines Menschen handelte. Sie fanden den Schädel und das Skelett eines jungen Schweinswals.

Ein mysteriöser Fund auf Chapelle Dom Hue (Bild: Screenshot YouTube)

Doch weshalb war das Tier auf diese Art und Weise bestattet worden? “Es ist wirklich rätselhaft. Ich habe keine Ahnung, wie man das interpretieren soll. Warum sollte jemand damals den Aufwand betrieben haben, einen Schweinswal in einem Grab beizusetzen?“, fragt der Forscher in einem Video, das er auf YouTube stellte.

Schweinswale und Delfine dienten den Mönchen damals zum Verzehr. Doch wenn das auch mit diesem Tier der Fall gewesen wäre, dann hätte man seine Überreste einfach im Meer entsorgt und sie nicht mühevoll begraben. “Vielleicht hat man das Tier aber auch in Salz konserviert und vergraben und dann darauf vergessen”, so der Forscher in einem Gespräch mit dem “Guardian“.

Religiöse Bedeutung des Wals?

Eine weitere Theorie lautet, dass Schweinswale für die Inselbewohner eine religiöse Bedeutung gehabt haben könnten. Delfine spielen im Christentum eine große Rolle und wurden auf Grabstätten abgebildet. Der Delfin ist mit dem Schweinswal verwandt und gilt als ein Symbol der Menschenfreundlichkeit Gottes. “Der Delfin hat im Christentum zwar einen besonderen Stellenwert, aber etwas Vergleichbares ist mir bislang nicht begegnet. Derartiges würde man eher in einem Grab der Eisenzeit vermuten, nicht aber im Mittelalter.“

Die Knochen des Tieres werden nun von Experten analysiert. Ob das jedoch zur Lösung des Rätsels führt, bleibt abzuwarten.