Mysteriöser Rücktritt eines Olympiasiegers

Er ist zurzeit das Gesprächsthema Nummer eins im Alpin-Sport.

Matthias Mayer hat mit seinem überraschenden Rücktritt beim letzten Rennen des Jahres 2022 für mächtig Wirbel gesorgt.

„Es reicht mir. Ich habe nicht mehr den Biss“, verkündete er unter Tränen beim österreichischen Sender ORF. Dabei hatte er zuvor noch den Super-G im italienischen Bormio besichtigt und wirkte auch in den Wochen zuvor noch voller Elan.

So sprach er Mitte Dezember bei einer Pressekonferenz in Österreich noch davon, dass er noch „ein paar Rechnungen“ offen habe und „das Feuer brennt nach wie vor sehr“. Und weiter: „Was sollst du machen, wenn es dir nach wie vor taugt und wenn du einen Spaß daran hast? Ich könnte es mir nicht vorstellen, dass ich daheim sitze und mir das vorm Fernseher anschaue.“

Österreich rätselt über den Rücktritt von Mayer

Was ist also in den 15 Tagen zwischen diesen Aussagen und seiner Entscheidung, in die Mayer nicht einmal seine Frau eingeweiht hat, passiert?

In seiner Heimat wird bereits fleißig gerätselt. Seine Gesundheit ist dabei kein Thema, da er selbst im Nachgang nochmal betonte, dass er „topfit“ sei. Auch Gerüchte über die Geburt eines Kindes wischte er beiseite.

Biathlon-Star spricht über "dunkles Tal"

Die Abfahrts-Legende Stephan Eberharter meinte daher in seiner Kolumne für die österreichische Zeitung Krone, dass irgendetwas vorgefallen sein müsse. „Das Ganze wirkt auf mich irgendwie mysteriös. Logischerweise ist seine Entscheidung voll und ganz zu akzeptieren. Aber ich habe das Gefühl, dass uns Mothl (Spitzname von Matthias Mayer; Anm. d. Red.) irgendetwas nicht sagt. Ich glaube, dass da mehr dahintersteckt. Etwas, das vielleicht erst in Zukunft aufgelöst wird“, schilderte der Österreicher.

„Das macht doch alles keinen Sinn!“

Er ging sogar noch einen Schritt weiter: „Das macht doch alles keinen Sinn! Da nimmst du die Qualen der Vorbereitung auf dich, inklusive des Aufwands fürs Südamerika-Camp. Da muss das Feuer in dir brennen, sonst machst du das ja gar nicht. Und dann beendest du von einer Minute auf die andere in Bormio die Karriere. Da bleibt doch zwangsläufig die Frage nach dem Warum im Raum stehen.“

Auch beim Verband rätselt man über den spontanen Abschied seines Aushängeschilds. „Damit hat mich Mayer wirklich komplett auf dem falschen Fuß erwischt. Bei der Besichtigung hinterließ er bei mir noch den gleichen Eindruck wie im Januar 2020, als er in Kitzbühel die Abfahrt gewann. Damals war er vor dem Rennen genauso gut gelaunt wie vor diesem Super-G in Bormio. Deshalb konnte ich es nicht glauben, als man mir erzählte, Mayer habe soeben im ORF seinen Rücktritt erklärt“, berichtete Abfahrtstrainer Sepp Brunner.

Ob der dreimalige Olympiasieger jemals die genaue Gründe ausführen wird, bleibt abzuwarten. Sein ehemaliger Rivale Aleksander Aamodt Kilde malte im ORF sogar noch ein anderes Szenario: „Wir hoffen, dass er sagt, ‚nein, das war ein Witz‘.“

VIDEO: Rücktritt aus dem Nichts