Mysteriöser E-Autobauer: Die Alpha Motor Corporation baut die Elektroautos im Retro-Design — doch die Firma gibt sich geheimnisvoll

·Lesedauer: 6 Min.
Bei dem Offroad-Coupé Jax handelt es sich um einen höhergelegten Alpha Motor Ace.
Bei dem Offroad-Coupé Jax handelt es sich um einen höhergelegten Alpha Motor Ace.

Kein anderes Thema dominiert die Autobranche derzeit so wie die Elektrifizierung des Antriebs. Gleichzeitig herrscht aber unter vielen Menschen, allen voran Design-affinen Großstädtern eine gewisse Auto-Nostalgie. Die aktuellen E-Autos von Tesla, Volkswagen, Polestar und Co. sind oft bewusst futuristisch gezeichnet und schrecken so teilweise auch potenziellen Käufern ab. Letztere sehnen sich teilweise nach der formalen Klarheit und dem Minimalismus von Old- und Youngtimern. Gleichzeitig möchten sie aber auch möglichst emissionsarm unterwegs sein.

Genau hier setzt das kalifornische Start-up Alpha Motor Corporation mit seinen Elektroautos in Retro-Optik an. Obwohl das Unternehmen erst im November 2020 seine Gründung bekannt gab, hat es in der Zwischenzeit bereits drei Modelle angekündigt, die bereits allesamt in verschiedenen Versionen reservierbar sind und auf derselben, eigens entwickelten Plattform aufbauen sollen. Eins haben sie alle gemeinsam: die klare und kantige Linienführung, die in ihren Grundzügen auch aus den Siebzigern oder frühen Achtzigern stammen könnte.

Vergangenheit und Moderne verschmelzen im Design

Das nostalgische Grunddesign wurde aber mit modernen Elementen aufgepeppt. Am Heck gibt es bei dem kompakten Coupé "Ace", welches ein wenig an den Ford Escort und den Fiat 850 erinnert, beispielsweise ein durchgehendes Leuchtband, während vorne, in der gläsern wirkenden Kühlergrill-Attrappe Scheinwerfer mit zeitgemäßer LED-Technik sitzen. Der 4,18 Meter lange und 1,89 Meter breite Zweitürer wird von einem einzelnen Heckmotor angetrieben und soll mit einer Batterieladung 250 Meilen, also umgerechnet rund 400 Kilometer, weit kommen. Die Preise des Fahrzeugs sollen bei umgerechnet etwa 27.000 Euro beginnen.

Alpha Motors hat auch die "Performance Edition" des Ace vorgestellt, die dank ihrer zwei Motoren und des daraus resultierenden Allradantriebs in 4,6 Sekunden auf Hundert sprinten soll. Konkrete Leistungsdaten wurden jedoch noch nicht kommuniziert. Fest steht aber, dass die Reichweite etwas schrumpfen wird. Die Kalifornier erwarten beim Ace PE einen Radius von etwa 350 Kilometern.

Die Performance-Edition des Ace soll weniger als fünf Sekunden von Null auf Hundert brauchen.
Die Performance-Edition des Ace soll weniger als fünf Sekunden von Null auf Hundert brauchen.

Die Kalifornier setzen vor allem auf Offroad-Modelle

Das zweite Modell im Bunde ist die höher gelegte Offroad-Limousine Jax. Deren Karosserieform ähnelt stark der des Ace, der Jax ist mit seinen 4,56 Metern aber ganze 28 Zentimeter länger und mit grobstelligen Reifen, sowie einem Bullenfänger ausgestattet. Je nach Version ist er mit Front- oder Allradantrieb erhältlich. Die 4WD-Version des Jax soll bei Bedarf innerhalb von 6,5 Sekunden die magische 100 km/h-Marke knacken können und darf 839 Kilogramm schwere Anhänger ziehen.

Den größten Hype hat bisher jedoch der Pick-up namens Wolf ausgelöst. Dies lag neben seiner spektakulären Optik wohl auch an dem angepeilten Preis. Das Startup möchte das Modell in den Staaten ab fairen 36.000 Dollar, also umgerechnet rund 30.600 Euro anbieten. Vollausgestattet sollen ungefähr 39.000 Euro fällig werden. Das in der Basisversion 4,82 Meter lange Modell soll ab Ende 2023 produziert werden, je nach Wunsch mit Heck- oder Allradantrieb angeboten werden, bis zu 443 Kilometer weit kommen und eine maximale Anhängelast von 1.360 Kilo haben.

Superwolf mit drei Tonnen Anhängelast

Damit ist das Ende der Fahnenstange aber noch lange nicht erreicht. Insgesamt plant Alpha Motor vier Varianten des Wolf. Das 5,45 Meter lange Topmodell "Superwolf" tritt mit seinen Gitter-Türen, die an einen Rinderstall erinnern, und den verstärkten Bullenfängern besonders brachial auf.

Die Ladefläche soll ausziehbar, sowie besonders variabel sein. Mit der auf dem Dach und an der Front platzierten Armada an LED-Leuchten wird zudem ordentlich Licht in die Dunkelheit gebracht. Allrad ist Serie und eine Füllung der bis zu 85 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie soll bis zu 483 Kilometer Reichweite ermöglichen. Auf dem Datenblatt sticht aber eine andere Zahl besonders hervor. Der Pick-up soll über drei Tonnen ziehen dürfen.

Auch wenn es Design-technisch ein paar Unterschiede gibt, sind die minimalistischen Innenräume aller Modelle sehr ähnlich aufgebaut. Die Fahrinformationen, also beispielsweise die aktuelle Geschwindigkeit, werden auf einem Tablet-artigen Digitaldisplay dargestellt. Das Infotainmentsystem wird über großen Touchscreen à la Tesla bedient und Smartphones können via Bluetooth gekoppelt werden. Auf Knöpfe und Tasten wird komplett verzichtet.

Die Innenräume der Modelle kommen allesamt ohne Knöpfe und Tasten aus. Im Bild ein Rendering des Jax-Interieurs.
Die Innenräume der Modelle kommen allesamt ohne Knöpfe und Tasten aus. Im Bild ein Rendering des Jax-Interieurs.

Ein erster Prototyp wird in L.A. ausgestellt

Bisher handelte es sich bei allen Bildern der Alpha-Modelle um digitale Renderings. Jetzt hat der junge Autobauer aber erstmals einen Prototyp des Wolf im Maßstab eins zu eins vorgestellt, der im renommierten "Petersen Automotive Museum" in Los Angeles begutachtet werden kann. Damit ist Alpha schon einmal einen großen Schritt weiter als viele Elektroauto-Startups, deren Fahrzeuge es oft nicht einmal über den Status einer digitalen Retusche herausschaffen. Anlässlich der Premiere haben die Kalifornier zudem ein Video veröffentlicht, in dem der Pick-up genauer vorgestellt wird.

Das Video wird abwechselnd von zwei Herren namens Joshua Boyt und Jay Lijewski moderiert. Wer jetzt denkt, dass es sich bei ihnen um hochrangige Manager des Autobauers handelt, liegt jedoch falsch. Die beiden arbeiten nicht einmal in der Autobranche, sondern befassen sich beruflich vor allem mit hochwertigem Kaffee. Boyt und Lijewski sind zudem Teilhaber der Firma Advanced Placement, die wiederum auch nicht in der Autoindustrie aktiv ist.

Dieser Prototyp des Wolf kann derzeit im Petersen Automotive Museum begutachtet werden.
Dieser Prototyp des Wolf kann derzeit im Petersen Automotive Museum begutachtet werden.

Das Unternehmen gibt sich geheimnisvoll

Die Alpha Motor Corporation ist undurchsichtig, wenn es um ihr eigenes Team geht. Bis auf den im Unternehmensregister der Bundesstaaten Kalifornien und Delaware eingetragenen CEO Kevin Lee, sind keine weiteren Personalien des vermeintlichen Herstellers bekannt. Lee übernahm den Posten wohl schon einen Monat nach der Gründung von einem gewissen Michael A. Smith. Electrek, ein US-amerikanisches Online-Portal für E-Mobilität, konnte bei einer LinkedIn-Recherche vor einigen Monaten nur zwei Männer finden, die angaben, bei Alpha Motor zu arbeiten. Einer von ihnen hat die Anstellung bei dem Start-up angeblich kurz nach der Veröffentlichung des Berichts von seinem Profil gelöscht.

Nach Informationen von Electrek war der eben genannte Mitarbeiter Lawrence Eric Go in der Vergangenheit bereits bei Neuron EV beschäftigt, einem weiteren E-Auto-Startup, welches 2019 auftauchte, aber später, ohne jemals ein Fahrzeug produziert zu haben, wieder von der Bildfläche verschwand. Neuron hatte seine Büros im kalifornischen Irvine — genauso wie heute die Alpha Motor Corporation.

Seine Investoren hält das Unternehmen ebenfalls geheim. Für die Seriosität des vielversprechenden Startup spricht die auf ihrer Website veröffentlichten Liste von Partnern und Sponsoren, zu denen unter anderem auch der bekannte Reifenhersteller Yokohama Tire gehört. Vielleicht sind die Zweifel also doch unbegründet und der Wolf läuft wie versprochen ab Ende 2023 vom Band. Andere Elektroauto-Firmen wie Rivian, Canoo und Co. haben schließlich auch mal klein und relativ anonym angefangen.

Der Superwolf wirkt mit seinem massiven Unterfahrschutz und den provisorischen Türen ziemlich brachial.
Der Superwolf wirkt mit seinem massiven Unterfahrschutz und den provisorischen Türen ziemlich brachial.
Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.