Der mysteriöse neue Großaktionär


Die Nachricht sorgte am Dienstagnachmittag für Rätselraten in den Doppeltürmen der Deutschen Bank. In einer Pflichtmitteilung ließ das US-Geldhaus Morgan Stanley wissen, dass es über komplexe Finanzgeschäfte 6,86 Prozent der Anteile am größten heimischen Geldhaus halte. Zuletzt kontrollierten die Amerikaner lediglich 0,47 Prozent der Stimmrechte. Der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie zeigte sich von der Mitteilung unberührt.

Für den deutlichen Anstieg der Beteiligung sorgten keine klassischen Aktienkäufe, sondern eine Reihe von Finanzinstrumenten wie Kaufoptionen und Aktienleihgeschäfte. In Finanzkreisen hieß es, dass es nicht die US-Bank selbst sei, die sich beim Frankfurter Konkurrenten einkaufe. Morgan Stanley handle auf Rechnung von einem oder mehreren Kunden.


Die Bank selbst wollte den Vorgang nicht kommentieren. Am Dienstagabend war nach wie vor unklar, um wen es sich bei den neuen Aktionären handelt. Seit einigen Wochen machen in Frankfurt Spekulationen die Runde, dass sich bei der Deutschen Bank aktivistische Investoren einkaufen könnten. Diese Großanleger erwerben eine Beteiligung an Unternehmen und drängen dann auf Veränderungen der Strategie wie den Verkauf von Unternehmensteilen oder einen Managementwechsel.

Eigentlich greifen aktivistische Investoren nur selten Banken an, weil sie unter anderem Angst vor einer Intervention der Finanzaufseher haben und die strenge Regulierung des Sektors abschreckend wirkt. Zuletzt stieg allerdings der Hedgefonds RBR bei der Credit Suisse ein. RBR will die zweitgrößte Schweizer Bank in drei Teile aufspalten und damit den Börsenwert des Unternehmens von gegenwärtig rund 40 Milliarden Franken verdoppeln. Andere Anleger sehen das allerdings skeptisch, nicht nur wegen strategischer Zweifel, sondern auch wegen der begrenzten Schlagkraft des Hedgefonds, der lediglich 0,2 Prozent des Aktienkapitals hält.


Die komplexe Struktur der neuen Deutsche-Bank-Beteiligung könnte durchaus für einen aktivistischen Investor sprechen, meint ein Frankfurter Marktkenner. Ein Investmentbanker hält das allerdings für eher unwahrscheinlich. „Was sollte ein Aktivist bei der Deutschen Bank erreichen wollen? Dinge, die auf der Hand liegen, wie der Börsengang der Vermögensverwaltungssparte sind ja bereits auf den Weg gebracht.“