Der mysteriöse Glencore-Deal

Erst vor wenigen Monaten landeten der Rohstoffhändler Glencore und Katar mit dem Einstieg bei Rosneft einen Coup. Nun verkaufen sie das Gros ihrer Anteile an China. Experten kritisierten den Deal von Anfang an.


Es war ein Bündnisschluss wie unter Fürsten, als Russlands Präsident Wladimir Putin vergangenen Dezember Glencore-Chef Ivan Glasenberg und den Chef von Katars Staatsfonds (QIA), Abdullah bin Mohammed bin Saud Al Thani, im Kreml empfing.

Anlass war die Teilprivatisierung von Russlands größtem Ölkonzern Rosneft. Glencore und Katar erwarben für 10,2 Milliarden Euro zusammen 19,5 Prozent der Rosneft-Anteile. „Rosneft ist an einer Langzeit-Kooperation interessiert“, hallten Putins Worte durch den Saal. Und Glasenberg beeilte sich, den Deal als „sehr wichtig“ zu loben, und betonte die „vielen Möglichkeiten“, die er beiden Unternehmen eröffnen würde.

Nicht einmal ein Jahr nach der feierlichen Verkündung scheint Glasenberg das Interesse an den „vielen Möglichkeiten“ des Rosneft-Deals bereits wieder verloren zu haben. Wie vergangene Woche bekannt wurde, verkaufen Glencore und Katar das Gros ihrer Anteile für 9,1 Milliarden Dollar an das chinesische Konglomerat CEFC. Glencore behält 0,5 Prozent und Katar 4,7 Prozent an Rosneft. Dabei sorgte der Einstieg von Glencore von Anfang an für Spekulationen über mögliche Umgehungsgeschäfte und interessiert auch die US-Ermittler.

Besonders der niedrige Preis, den Glencore für seine Anteile zahlte, ließ Kritiker damals aufhorchen. Gerade einmal 300 Millionen Euro musste Glencore seinerzeit für den Deal auf den Tisch legen. Seither interessieren sich neben Ölexperten auch US-Ermittler für den Deal. So prüft das US-Außerministerium, ob mit dem Glencore-Rosneft-Deal die Sanktionen der USA  gegen Russland umgangen wurden.




Zweifel an der Sauberkeit des damaligen Deals äußerte auch Andrei Belyi, Professor an der Universität Eastern Finland und Mitglied des Thinktanks Brussels Energy Club. „Ich möchte nicht so weit gehen und von einem Umgehungsgeschäft sprechen. Die Koinzidenz des Einstiegs von Glencore ist allerdings interessant“, sagte Belyi gegenüber der WirtschaftsWoche. So weist der Experte auf die ungeklärte Reduktion von Rosnefts Schulden hin, die zwischen 2014 und 2016 markant abgenommen haben. „Wie Rosneft diese Schulden abgebaut hat, ist absolut intransparent und nicht nachvollziehbar“, sagt Belyi.


Deal nicht nachvollziehbar


Zugleich verweist der Energie-Experte auf die Geschichte von Glencore. Dessen Gründer Marc Rich brachte es mit dem Bruch von Embargos etwa gegen Iran zu zweifelhaften Ruhm in Trader-Kreisen. „Marc Rich war bekannt für fragwürdige Deals. Das darf man nicht vergessen, wenn man Glencores Geschäfte mit Russland betrachtet.“

Ergebnisse aus den Ermittlungen in Washington liegen noch keine vor. Rein theoretisch ließe sich ein Geschäft zur Umgehung der Sanktionen gegen Russland laut Belyi aber relativ leicht einfädeln: „Ein Tochterunternehmen in Hongkong oder Dubai würde schon reichen, um die Geldflüsse zu verschleiern und so die Sanktionen gegen Russland zu umgehen“, sagte Belyi.

Auf diese Weise hätte ein westliches Unternehmen Rosneft theoretisch einen längerfristigen Kredit geben können, was die Sanktionen eigentlich verbieten. Glencore teilt mit, dass das Unternehmen dafür „gesorgt hat, dass die Transaktion in Einklang mit allen anwendbaren Sanktionen und Regularien“ stehe.



Dass Glencore und Katar ihre Anteile nun an CEFC verkaufen, macht den mysteriösen Deal nicht eben nachvollziehbarer. „Was hinter dem Weiterverkauf steckt, weiß ich nicht. Aber es ist zumindest ein deutliches Zeichen, dass Glencore nicht mehr an seinen Rosneft-Deal glaubt“, sagt Belyi. Dabei behält Glencore trotz des Rückzugs seinen größten Trumpf in der Hand: So darf Glencore laut Unternehmenskreisen auch weiter täglich 220.000 Barrel Rohöl von Rosneft handeln. 




Bereits im Juli hatten Rosneft und CEFC eine engere Zusammenarbeit beschlossen. Wegen der Sanktionen der USA und der EU ist Rosneft auch in technologischer Hinsicht auf Hilfe angewiesen. Weil die Software für Öl-Explorationen hauptsächlich aus den USA stammt, kommt Rosnefts Suche nach neuen Ölfeldern durch den Technologie-Bann ins Stocken.

Ein Projekt von Rosneft und ExxonMobil in der Karasee musste bereits 2014 wegen fehlender Technik durch die Sanktionen verschoben werden. Hinzu kommt der gefallene Ölpreis, der Russlands Volkswirtschaft und Rosneft in die Knie zwingt. In diesem Jahr förderte Rosneft 3,7 Millionen Barrel Rohöl pro Tag.