Myanmars Präsident Htin Kyaw zurückgetreten

Der Präsident von Myanmar, Htin Kyaw, ist am Mittwoch mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Seine enge Vertraute, die De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi, büßt damit einen wichtigen politischen Verbündeten ein

Der Präsident von Myanmar, Htin Kyaw, ist am Mittwoch mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Seine enge Vertraute, die De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi, büßt damit einen politischen Verbündeten zu einem Zeitpunkt ein, da sie wegen der Verfolgung der muslimischen Rohingya-Minderheit international unter Druck steht. Der 71-jährige Kyaw hatte das Präsidentenamt im April 2016 nach Jahrzehnten der Militärherrschaft als erster Zivilist angetreten.

Der Staatschef habe am Mittwoch darum gebeten, aus seinem Amt ausscheiden zu können, hieß es in einer kurzen Mitteilung auf der Facebook-Seite der Präsidentschaft. Der Intellektuelle, Sohn eines bekannten myanmarischen Dichters, ist mit Suu Kyi seit der gemeinsamen Kindheit befreundet. Die Friedensnobelpreisträgerin hatte ihm zu dem Amt verholfen, weil ihr selbst auch nach der formellen Abschaffung der Militärherrschaft aus Verfassungsgründen der Weg zur Präsidentschaft versperrt blieb.

Während der knapp zwei Jahre seiner Präsidentschaft stand Kyaw im Schatten der 72-jährigen Suu Kyi. An der Spitze des Staates und innerhalb der Partei Nationalen Liga für Demokratie (NLD) stand er stets loyal zur Tochter des 1947 ermordeten Unabhängigkeitskämpfers General Aung San.

Ein Grund für den Rücktritt wurde nicht genannt. In den vergangenen Monaten hatte es Spekulationen über die Gesundheit des Präsidenten gegeben, weil er stark abgemagert war. Sein Nachfolger soll "innerhalb der nächsten sieben Werktage" ernannt werden, wie es in der kurzen Mitteilung weiter hieß.

Gemäß der Verfassung wird Myanmars Vizepräsident Myent Swe als geschäftsführender Staatschef amtieren. Der General im Ruhestand steht dem ehemaligen Chef der Militärjunta, Than Shwe, nahe und wird für die gewaltsame Niederschlagung der Oppositionsproteste im Jahr 2007 mitverantwortlich gemacht.

Kurz nach Kyaws Rücktritt erklärte der Präsident des Unterhauses, Win Myint, seinen Verzicht auf das Amt. Der Vertraute der Friedensnobelpreisträgerin verbesserte damit seine Chancen, Kyaws Nachfolger zu werden. "Ihre Wahl für das Präsidentenamt wird auf jemanden fallen, dem sie vollkommen vertraut", sagte der Analyst Richard Horsey über Suu Kyi.

Kyaw war der erste Zivilist an der Spitze des südostasiatischen Landes seit 1962. Zu Suu Kyi stand er auch noch, als ihr Ruf weltweit wegen ihres langen Schweigens zur Rohingya-Krise litt. Myanmars Armee ging im nördlichen Bundesstaat Rakhine seit dem vergangenen August mit brutaler Gewalt gegen die muslimische Minderheit vor. Etwa 700.000 Menschen flohen ins Nachbarland Bangladesch.

Die UNO stufte das Vorgehen des Militärs gegen die Rohingya als "ethnische Säuberung" ein. In Myanmar, dem ehemaligen Birma, wird Suu Kyi aber immer noch als Freiheitsikone verehrt und achtungsvoll "the Lady" genannt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in Myanmar betrachten die Rohingya als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele Rohingya schon seit Generationen im Land leben.