Myanmarer bilden Nachbarschaftswachen zur Verhinderung von Festnahmen

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Lage in Myanmar ist angespannt

Angesichts der zunehmend angespannten Lage in Myanmar gründen immer mehr Menschen Nachbarschaftswachen in ihren Stadtvierteln. In mehreren Gegenden des Landes patrouillieren die Menschen nachts in Gruppen auf den Straßen, um Festnahmen von Demokratie-Aktivisten und Unruhen zu verhindern. "Natürlich haben wir Angst, weil sie bewaffnet sind, aber wir werden weiterhin jede Nacht Wache halten," sagte Myo Ko Ko, Mitglied einer Nachbarschaftswache in der Wirtschaftsmetropole Rangun, der Nachrichtenagentur AFP. "Wir können nicht zulassen, dass jemand mitgenommen wird."

Das Militär in Myanmar hatte am 1. Februar die Macht an sich gerissen und De-facto-Regierungschefin Suu Kyi unter Hausarrest gestellt. Der Putsch beendete eine zehnjährige Phase des demokratischen Wandels in dem südostasiatischen Land. Gegen den Putsch gibt es seit zehn Tagen massive Proteste. Die Militärjunta hat ihr Vorgehen gegen die Demonstrationen verschärft, hunderte Menschen wurden festgenommen.

In Rangun und weiteren Städten verbarrikadierten Nachbarschaftswachen in den vergangenen Tagen die Straßen und machten mit lautem Topfschlagen auf die Ankunft von Fremden aufmerksam. Sie wollen die Festnahme von Putsch-Gegnern verhindern und nächtlichen Unruhen vorbeugen. Viele Menschen treibt die Sorge um, die Militärjunta könnte gezielt Häftlinge auf freien Fuß gesetzt haben, um Unruhe zu stiften. Die Berichte über solche Vorfälle sind nur schwer zu überprüfen.

Die Machthaber hatten vor kurzem 23.000 Inhaftierte im Zuge einer Massenamnestie freigelassen. Massenentlassungen sind in dem asiatischen Land an wichtigen Feiertagen üblich. Auf diese Weise sollen die überfüllten Haftanstalten entlastet werden. Menschenrechtsaktivisten befürchten jedoch, dass die Armee damit in den Gefängnissen Platz schaffen wolle für festgenommene Demonstranten.

noe/bfi