Myanmar: Die Rohingya-Krise könnte diesen Mann zum Präsidenten machen

Armeechef Hlaing bei einer Militärparade im März 2016 in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw. (Bild: Getty Images)

Er ist beliebt wie gefürchtet: Min Aung Hlaing ist der oberste Befehlshaber des Militärs von Myanmar. In dem asiatischen Land greift der General zu rigorosen Maßnahmen im Kampf gegen die Rohingya, die sich seiner Meinung nach illegal im Land aufhalten. In der Bevölkerung hat sein hartes Vorgehen gegen die muslimische Minderheit maßgeblich zu seiner Popularität beigetragen.

Seit Jahrzehnten werden sie in ihrer Heimat Myanmar diskriminiert: die muslimische Volksgruppe der Rohingya. Und weil die Regierung des südostasiatischen Landes seit geraumer Zeit auch mit Gewalt gegen sie vorgeht, sind hunderttausende Männer sowie Frauen und Kinder der Rohingya in den vergangenen Monaten über die Grenze nach Bangladesch geflohen.

Einer der führenden Köpfe bei der Vertreibung der Rohingya ist Myanmars Armeechef Min Aung Hlaing. Der 61-Jährige ist seit 2011 Oberbefehlshaber der Streitkräfte und damit eine der mächtigsten Personen in Myanmar. Seine Kampagne gegen die Rohingya festigte seinen Status weiter und sorgte für eine Krisenstimmung im Land, die die Unterstützung sowohl innerhalb der eigenen Reihen als auch in der buddhistischen Mehrheit des Landes stark gefördert hat. Doch wer ist der Mann, der sogar mit dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Papst Franziskus, zusammengetroffen ist?

Hlaing, dem laut „New York Times“ Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt werden, ist ein medienscheuer Mann. Vor zwei Jahren gab er der BBC ein seltenes Interview. Laut dem Beitrag das erste, das Hlaing einem westlichen Medium gewährte. Damals präsentierte er sich offen und sagte, das Militär würde das kommende Wahlergebnis akzeptieren, egal wie es ausfalle. Es handelte sich 2015 um die ersten freien Wahlen seit dem Jahr 1990.

Die „National League of Democracy“ von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ging damals als klarer Wahlsieger hervor. Seither ist die ikonenhafte Politikerin Regierungschefin in dem Land, das von vielen als „hybride Demokratie“ bezeichnet wird. Denn die eigentliche Macht liegt nicht bei der von Suu Kyi geführten Zivilregierung, sondern beim Militär. Und dem steht Aung Hlaing vor.

Aung San Suu Kyi ist aktuell Regierungschefin von Myanmar. (Bild: AP Photo)

Der „New York Times“ sagte ein Berater von Suu Kyi nun: „Hlaings Plan ist, im Jahr 2020 Präsident zu werden“. Der für sein mildes Lächeln bekannte Militärchef soll hinter den Kulissen ein knallharter Taktierer sein. In seiner Studentenzeit galt er als jemand, der die Menschen in seinem Umfeld permanent kritisierte, heißt es im selben Beitrag. Deswegen wurde ihm einst der unvorteilhafte Spitzname „Katzenkacke“ verliehen, was in der burmesischen Sprache eine besonders abfällige Bezeichnung ist.

Einem ehemaligen Kommilitonen zufolge soll er an der Hochschule einst neue Studenten gemobbt haben. „Wir hatten so sehr Angst vor ihm“, sagt U Aung Lynn Htut, ein ehemaliger Diplomat aus Myanmar.

Von Washington und den Vereinten Nationen werden dem von Hlaing angeführten Militär aktuell Menschenrechtsverletzungen und „ethnische Säuberungen“ vorgeworfen. Die Armee weist diesen Vorwurf stets zurück. Dennoch sind wegen des harten und gewaltsamen Vorgehens der Streitkräfte bereits hunderttausende Rohingya ins Nachbarland Bangladesch geflohen.