Mutter und Stiefvater im Missbrauchsfall von Staufen vor Gericht

Landgericht Freiburg

Mit einem Geständnis des Stiefvaters hat der Hauptprozess um den Missbrauchsfall von Staufen begonnen. "Bis auf ein paar Kleinigkeiten" sei die Anklage richtig, sagte Christian L. am Montag vor dem Landgericht Freiburg. L. soll zusammen mit der Mutter einen inzwischen neun Jahre alten Jungen vergewaltigt und an andere Pädophile im Darknet für Vergewaltigungen verkauft haben.

Der Fall sorgt seit seinem Bekanntwerden vor fünf Monaten bundesweit für Entsetzen. Neben der im nun eröffneten Hauptprozess verfolgten Mutter und dem Stiefvater werden vier weitere Männer beschuldigt. Zwei von ihnen wurden bereits zu langen Haftstrafen verurteilt.

Auch die Mutter will in dem bis Mitte Juli angesetzten Prozess aussagen, wie ihr Verteidiger ankündigte. Er beantragte für diese Aussage allerdings den Ausschluss der Öffentlichkeit. Eine Entscheidung über diesen Antrag stand zunächst noch aus.

L. beschrieb sich in seinem Geständnis als die treibende Kraft bei den Taten. Er habe seiner Lebensgefährtin gedroht, sie zu verlassen, falls sie nicht mitmache, sagte der einschlägig vorbestrafte Mann. Dies sei "ein ausschlaggebender Punkt" gewesen, weshalb sie mitgemacht habe.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 48 Jahre alten Mutter Berrin T. und L. unter anderem besonders schwere Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, besonders schwere Zwangsprostitution und Verbreitung kinderpornografischer Schriften vor. Die Verlesung der Anklage gegen das Paar zog sich über mehr als drei Stunden.

Darin listeten die Ankläger 58 Taten auf. Wie Staatsanwältin Nikola Novak sagte, lernte sich das Paar Ende 2014 oder 2015 bei der Tafel in Staufen kennen. Es habe sich "eine Art familiäre Beziehung" entwickelt, das Kind habe "Papa" zu L. gesagt. Dabei habe die Mutter über die pädophilie Orientierung ihres Partners "von Anfang an" Bescheid gewusst.

Sie habe auch gewusst, dass er nach einer entsprechenden Verurteilung unter Führungsaufsicht gestanden habe und ihm jeder Kontakt zu Kindern verboten gewesen sei, sagte Novak. Dennoch habe sie bewusst der Beziehung zugestimmt.

Bereits kurz nach Beginn der Partnerschaft begann das Paar laut Anklage mit dem sexuellen Missbrauch eines leicht behinderten dreijährigen Mädchens aus der Nachbarschaft. Berrin T. habe auf das Mädchen aufgepasst, es sei dann zu "abgesprochenen sexuellen Übergriffen" auf das Kleinkind gekommen.

Parallel dazu habe der Missbrauch des Sohns der Angeklagten begonnen. Dabei habe die Mutter im Auftrag ihres Partners verschiedene Vergewaltigungstaten an ihrem Sohn vollzogen. Auch habe ihr Partner das Kind vergewaltigt, sie habe dabei "vollumfänglich" die Übergriffe auf das Kind gebilligt.

Bald nach Beginn der Missbrauchstaten begann das Paar laut Anklage damit, den Jungen im Darknet - dem verborgenen Teil des Internets - für Vergewaltigungen gegen Geld anzubieten. Die Vermittlung im Darknet habe nur L. betrieben, allerdings habe auch die Mutter davon gewusst und die Taten unterstützt.

Die Staatsanwaltschaft will neben einer Haftstrafe eine Sicherungsverwahrung der beiden Angeklagten erreichen. Das Kind lebt inzwischen in Obhut des Jugendamts. Es muss in dem Verfahren nicht aussagen.

Parallel zu diesem Prozess begann in Karlsruhe der Prozess gegen einen Mann, der den Jungen ebenfalls vergewaltigen wollte. Er konnte nach der Festnahme der beiden Hauptverdächtigen festgenommen werden. Der 44-Jährige aus Schleswig-Holstein hegte außer dem Vergewaltigungswunsch auch Tötungsphantasien gegen den Jungen. In diesem Fall wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen, ein Urteil könnte noch im Juni fallen.